Altlasten der HRE: Krisenbank macht weiter Milliardenverluste
Das Finanzdesaster der Hypo Real Estate wird immer größer: Nach SPIEGEL-Informationen hat die verstaatlichte Skandalbank im vergangenen Jahr rund zehn Milliarden Euro Verlust gemacht, bis 2020 kommen offenbar weitere zehn Milliarden hinzu. Damit steigt auch der Druck auf die Bundesregierung.
Hamburg - Die Abwicklung von Altlasten der verstaatlichten Hypo Real Estate (HRE) wird für den Steuerzahler deutlich teurer als gedacht. Allein durch den Schuldenverzicht der privaten Gläubiger gegenüber Griechenland wird die Bad Bank der HRE nach SPIEGEL-Informationen mit fast neun Milliarden Euro belastet. Wie aus dem neuen, bislang internen Abwicklungsplan des Instituts hervorgeht, könnten bis 2020 weitere zehn Milliarden Euro Verlust hinzukommen.
Im Jahr 2010 hatte die Bank bereits drei Milliarden Euro Miese gemacht, das Minus für 2011 liegt vor allem wegen der Griechenland-Kosten wohl bei rund zehn Milliarden Euro. Angesichts der immer höheren Belastungen wächst der Druck auf die Bundesregierung, den wahren Zustand des Instituts transparent zu machen.
"Das Parlament hat einen Anspruch zu erfahren, welche Risiken noch auf die Steuerzahler zukommen", sagte Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick, der Mitglied im parlamentarischen Kontrollgremium für den Soffin ist. SPD-Finanzexperte Carsten Schneider will den Abwicklungsplan noch im März sehen: "Das Versteckspiel muss aufhören."
Bankenexperten halten eine Privatisierung des HRE-Nachfolgeinstituts Deutsche Pfandbriefbank, das anders als die Bad Bank weiter Neugeschäft macht, auf absehbare Zeit für ausgeschlossen. "Die Chancen auf einen Erfolg sind nach wie vor gering", sagte Daniel Zimmer von der Universität Bonn dem SPIEGEL.
Die Oppositionspolitiker Schick und Schneider fordern die Regierung bereits auf, die Privatisierungspläne aufzugeben. Auch in der Regierung wachsen die Zweifel, ob ein Verkauf angesichts des schlechten Marktumfelds realistisch ist. "Wir sollten das knallhart ökonomisch entscheiden: Kommt uns der weitere Betrieb oder eine Abwicklung günstiger?", sagte der FDP-Finanzexperte Florian Toncar.
Die HRE war unter der Führung von Georg Funke so stark ins Wanken geraten wie keine andere Bank in Deutschland. Heute lebt der Ex-Manager als Immobilienmakler auf Mallorca, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Marktmanipulation und unrichtige Darstellung der Unternehmensverhältnisse gegen ihn.
Im Interview mit der "Bild"-Zeitung beschwerte er sich jüngst über die ungerechte Behandlung, die ihm in Deutschland widerfahren sei: "Ich werde als schlimmster Gier-Banker, Zocker und Pleitier beschimpft", so Funke. "Man macht mich stellvertretend für sämtliche Verfehlungen in der Bankenbranche verantwortlich."
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