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15. Februar 2013, 18:56 Uhr

Schikanierte Amazon-Arbeiter

Arbeitsagentur fordert rasche Aufklärung

Laut einer ARD-Reportage wurden Leiharbeiter an deutschen Amazon-Standorten massiv schikaniert. Der Chef der hessischen Arbeitsagentur sieht das Ansehen der Bundesrepublik gefährdet - und fordert den Internet-Giganten auf, den Vorwürfen rasch nachzugehen.

Frankfurt am Main - Der Chef der hessischen Arbeitsagenturen hat sich besorgt über die Arbeitsbedingungen von Saisonarbeitern beim Versandhändler Amazon gezeigt. Der Leiter der Regionaldirektion Hessen, Frank Martin, verlangte am Freitag von dem US-Unternehmen schnellstmögliche Aufklärung "derzeit nicht transparenter Sachverhalte".

In einer ARD-Fernsehreportage waren miserable Lebensbedingungen von Leiharbeitern am Amazon-Standort Bad Hersfeld gezeigt worden. Die Menschen sollen von privaten Sicherheitsdiensten schikaniert worden sein.

Die Vorwürfe stellten auch Aktivitäten infrage, im Ausland Arbeitnehmer anzuwerben und somit den Bedarf an Fachkräften für die deutsche Wirtschaft zu sichern, erklärte Martin in einer Mitteilung. "Die in der Fernsehdokumentation geschilderten Lebens- und Arbeitsbedingungen der spanischen Saison-Arbeitskräfte beschädigen das Ansehen Deutschland zutiefst."

Amazon-Logistikzentrum wählt Betriebsrat

Die rund 2500 Beschäftigten im Amazon-Logistikzentrum Graben bei Augsburg wählten derweil erstmals einen Betriebsrat. "Das war mehr als überfällig und ist ein großer Schritt zu besseren Arbeitsbedingungen bei Amazon", sagte der zuständige Ver.di-Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck am Freitag.

Obwohl viele Beschäftigte den Druck ihrer Vorgesetzten fürchteten, sei eine Wahlbeteiligung von 60 Prozent erreicht worden. Die jüngsten Berichte über die Arbeitsbedingungen bei dem Internet-Versandhändler hätten der Wahl einen Schub gegeben. "Der Betriebsrat und wir werden Amazon beim Wort nehmen, um bei Verbesserungen der konkreten Arbeitssituation voran zu kommen", sagte der Gewerkschafter.

Amazon beschäftigt nach eigenen Angaben in Deutschland etwa 7700 fest angestellte Mitarbeiter in sieben Logistikzentren. Betriebsräte gibt es laut Ver.di in Bad Hersfeld, Leipzig und Graben. Vorbereitet wird eine Wahl zur Zeit in Rheinberg. Noch keinen Betriebsrat gebe es in Werne, Pforzheim und Koblenz, sagte eine Ver.di-Sprecherin.

ssu/dpa

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