Arbeitslosenversicherung Nahles will Überschüsse für Weiterbildung nutzen

Andrea Nahles will das Finanzpolster der Arbeitslosenversicherung nutzen, um Fortbildungen zu bezahlen. Das sei sinnvoller, als die Beitragssätze zu senken. Die Union sieht das anders.

SPD-Vorsitzende Andrea Nahles
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SPD-Vorsitzende Andrea Nahles


Es war eines der Kernthemen im SPD-Wahlkampf: Die Arbeitslosenversicherung soll weit mehr Fortbildungen bezahlen als bislang. Im jüngsten SPIEGEL-Gespräch hat Andrea Nahles gefordert, dass künftig Arbeitslose, die sich weiterbilden, das Arbeitslosengeld weitergezahlt bekommen, auch wenn der Anspruch eigentlich ausgelaufen ist. "In einer Zeit, in der viele Jobs durch Algorithmen ersetzt werden, müssen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Möglichkeit erhalten, am Ball zu bleiben und möglicherweise auch einen neuen Beruf zu erlernen", sagte sie. (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

Nun hat Nahles ihre Forderungen in einem interview mit der "Süddeutschen Zeitung" bekräftigt: Der Milliarden-Überschuss der Arbeitslosenversicherung sollte nach Auffassung der SPD-Vorsitzenden für Fortbildungsmaßnahmen genutzt werden. "Wenn wir in den kommenden Jahren zusätzliche Spielräume haben in der Arbeitsmarktpolitik, ist für mich sehr klar, wo wir das Geld investieren sollten: in die berufliche Qualifikation der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer", sagte sie der Zeitung. Die SPD werde anderthalb Millionen Menschen ohne Berufsqualifikation "nicht im Regen stehen lassen".

Die Rücklage der Arbeitslosenversicherung wird nach Einschätzung der Bundesregierung im Laufe des Jahres die 20-Milliarden-Euro-Marke erreichen.

Im Koalitionsvertrag haben SPD und Union vereinbart, den Beitragssatz für die Arbeitslosenversicherung um 0,3 Prozentpunkte zu senken, allerdings ohne einen konkreten Zeitpunkt hierfür zu benennen. Nahles will das Geld aber lieber investieren, als Beiträge weiter zu senken: "Qualifizierung ist das Gebot der Stunde. Wer jetzt voreilig weitere Senkungen fordert, gefährdet diese Aufgabe", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung".

Unionspolitiker hatten sich zuletzt für eine stärkere Entlastung der Beitragszahler ausgesprochen.

hej/dpa/AFP



insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
tarelsun 02.05.2018
1. Aufteilung
Ich würde das ganze aufteilen. Eine Hälfte für die Weiterbildung und die andere ab in die Rentenkasse. Da kann man jeden Cent brauchen...
wasistlosnix 02.05.2018
2. Überdenken
In Zeiten des permanenten Wandels sollte man überdenken ob nicht die Industrie ihren Teil zur Weiterbildung beiträgt. Es zeugt schon von Arroganz wenn die Lufthansa 1/3 der Belegschaft austauschen will anstatt diese auszubilden.
gartenkram 02.05.2018
3. Lächerlich
Die agentur bezahlt jetzt schon kurse, die einfach nur überflüssig sind. Falls denn mal geld übrig ist, sollte das an ausbildungswillige unternehmen gehen, um plätze zu fördern. Ausbildung mit praktischem bezug bringt wesentlich mehr. Mit einer ausnahme: sonderkurse für politiker, die noch nie gearbeitet haben, damit die in der realität ankommen. Wie wäre es frau nahles? Gehen sie mal mit gutem beispiel voran, jm ein bisschen wett zu machen was sie u.a. als ministerin verbockt haben.
Braveheart Jr. 02.05.2018
4. Frau Nahles will ...
... die Kassen der Arbeitslosenversicherung plündern und das Geld den Platzhirschen der Förderkursindustrie zuschanzen (in der Hoffnung, dereinst eine lukrative "Anschlußverwendung" zu ergattern?). Heraus kommen noch mehr "Kurse" in denen eine 1-Euro-Kraft 8 Wochen lang erklärt, wie man eine Bewerbung schreibt. Ab morgen, Frau Nahles ...!!
july1969 02.05.2018
5.
Will Frau Nahles hier tatsächliche und nützliche Weiterbildung bzw. Qualifikation fördern oder nur wieder irgendwelche sinnlos Kurse (in gewerkschaftsnahen) Bildungseinrichtungen?
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