Von Christian Teevs und Philipp Wittrock
Hamburg - Als Diplomat galt Axel Weber nie. Auf dem Höhepunkt der Euro-Krise 2010 brach er mit dem Codex der Europäischen Zentralbank, wichtige Beschlüsse nicht öffentlich in Frage zu stellen. Weber kritisierte die Entscheidung der Kollegen, Staatsanleihen von kriselnden Euro-Ländern zu kaufen - und sorgte damit für großen Ärger bei EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.
Nun hat der Bundesbank-Chef sein mangelndes Talent für Diplomatie endgültig bewiesen: Mit der Entscheidung, keine weitere Amtszeit anzustreben, hat er Kanzlerin Angela Merkel vorgeführt. Denn die wollte ihn im Frühjahr für die Trichet-Nachfolge ins Rennen schicken. Das Amt des Franzosen wird im November frei.
Doch Weber hielt es offenbar nicht einmal für nötig, Merkel rechtzeitig über seine Entscheidung zu informieren. Als die beiden am Mittwochvormittag telefonierten, wussten bereits die ersten Journalisten von Webers Verzicht.
Am Donnerstagmittag sagte Weber lediglich, er habe mit Merkel gesprochen und ihr zugesagt, dass er sich zunächst nicht zu seiner beruflichen Zukunft äußern werde. "Wir werden alle Entscheidungen, die notwendig sind, in enger Abstimmung treffen", sagte er in Wien.
Dass Weber sich mit seinem kuriosen Rückzug selbst einen Gefallen getan hat, ist unwahrscheinlich. Die verstockte und geheimnistuerische Art, mit der sein Rückzug kommuniziert wurde, lässt auch den Bundesbank-Chef beschädigt zurück. Sein ungeschicktes Agieren könnte für ihn vor allem dann zum Problem werden, wenn er tatsächlich die Nachfolge von Josef Ackermann als Chef der Deutschen Bank anstreben sollte, wie derzeit spekuliert wird.
Webers Entscheidung lässt also nur Verlierer zurück: Nicht nur die Bundesbank und Kanzlerin Angela Merkel sind beschädigt. Sondern auch der "konservative Zentralbanker", wie Weber sich selbst gern nennt.
Wie geht es nach dem Chaos-Tag weiter? Wäre Weber ein guter Ackermann-Nachfolger, und wer sind nun die aussichtsreichsten Kandidaten für den Job des EZB-Präsidenten? SPIEGEL ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen.
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