Angekündigter Abgang: Wie der Bundesbank-Chef die Kanzlerin vorführte

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Er war Angela Merkels Kandidat für den Spitzenjob bei der Europäischen Zentralbank - doch mit seinem überraschend angekündigten Rückzug aus dem Amt hat Bundesbank-Chef Axel Weber die Kanzlerin brüskiert. Warum hat er das gemacht, und wie geht es weiter? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Kanzlerin Merkel, Bundesbank-Chef Weber: Die Entscheidung lässt nur Verlierer zurück Zur Großansicht
dapd

Kanzlerin Merkel, Bundesbank-Chef Weber: Die Entscheidung lässt nur Verlierer zurück

Hamburg - Als Diplomat galt Axel Weber nie. Auf dem Höhepunkt der Euro-Krise 2010 brach er mit dem Codex der Europäischen Zentralbank, wichtige Beschlüsse nicht öffentlich in Frage zu stellen. Weber kritisierte die Entscheidung der Kollegen, Staatsanleihen von kriselnden Euro-Ländern zu kaufen - und sorgte damit für großen Ärger bei EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.

Nun hat der Bundesbank-Chef sein mangelndes Talent für Diplomatie endgültig bewiesen: Mit der Entscheidung, keine weitere Amtszeit anzustreben, hat er Kanzlerin Angela Merkel vorgeführt. Denn die wollte ihn im Frühjahr für die Trichet-Nachfolge ins Rennen schicken. Das Amt des Franzosen wird im November frei.

Doch Weber hielt es offenbar nicht einmal für nötig, Merkel rechtzeitig über seine Entscheidung zu informieren. Als die beiden am Mittwochvormittag telefonierten, wussten bereits die ersten Journalisten von Webers Verzicht.

Am Donnerstagmittag sagte Weber lediglich, er habe mit Merkel gesprochen und ihr zugesagt, dass er sich zunächst nicht zu seiner beruflichen Zukunft äußern werde. "Wir werden alle Entscheidungen, die notwendig sind, in enger Abstimmung treffen", sagte er in Wien.

Dass Weber sich mit seinem kuriosen Rückzug selbst einen Gefallen getan hat, ist unwahrscheinlich. Die verstockte und geheimnistuerische Art, mit der sein Rückzug kommuniziert wurde, lässt auch den Bundesbank-Chef beschädigt zurück. Sein ungeschicktes Agieren könnte für ihn vor allem dann zum Problem werden, wenn er tatsächlich die Nachfolge von Josef Ackermann als Chef der Deutschen Bank anstreben sollte, wie derzeit spekuliert wird.

Webers Entscheidung lässt also nur Verlierer zurück: Nicht nur die Bundesbank und Kanzlerin Angela Merkel sind beschädigt. Sondern auch der "konservative Zentralbanker", wie Weber sich selbst gern nennt.

Wie geht es nach dem Chaos-Tag weiter? Wäre Weber ein guter Ackermann-Nachfolger, und wer sind nun die aussichtsreichsten Kandidaten für den Job des EZB-Präsidenten? SPIEGEL ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen.

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insgesamt 73 Beiträge
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1. Weber macht den Köhler
kundennummer 10.02.2011
Er wird, genauso wie Köhler, schon wissen warum er auf diese Art hinschmeisst. Soll ruhig ein ex Goldman-Sachs die EZB schmeissen. Da kommt dann endlich zusammen was zusammen gehört. Got Gold?
2. tsts
DK81 10.02.2011
Zitat von sysopEr war Angela Merkels Kandidat für den Spitzenjob bei der Europäischen Zentralbank*- doch mit seinem überraschend angekündigten Rückzug aus dem Amt hat Bundesbank-Chef Axel Weber die Kanzlerin brüskiert. Warum hat er das gemacht, und wie geht es weiter? Antworten auf die wichtigsten Fragen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,744743,00.html
Eine Hand wäscht die andere, oder wie Du mir, so ich Dir. Vermutlich hat Frau Merkel Herrn Weber deutlich verärgert...
3. *
geroi.truda 10.02.2011
Weber hat doch gar nicht die erforderliche Geschäftsleitereignung (§ 33 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 KWG) für die DB. Notenbank hat mit Geschäftsbank nicht wirklich etwas zu tun.
4. Die Revolutionärin Merkel....
benn01 10.02.2011
...müsste das ja kennen. Wenn die Führung nix taugt und nur noch mit sich selbst beschäftigt ist, dann laufen die Leute davon. Die Besten zuerst.
5. abschaffen
meta_morfos 10.02.2011
Lasst uns doch die EZB abschaffen. Braucht kein Mensch. Dann den Euro. Dann die europäische Regierung. Dann Europa. Niemand braucht diesen ganzen Mist.
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