Spannungen mit USA Mexiko und Merkel planen neues Handelsabkommen

Wenn US-Präsident Trump zum verbalen Angriff ausholt, gehören Mexiko und Deutschland oft zu den Zielen. Beim Besuch der Kanzlerin in Mexiko-Stadt wird deutlich: Das schweißt beide Länder zusammen.

Merkel und Nieto in Mexiko
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Merkel und Nieto in Mexiko


Angesichts der Abschottungspolitik von US-Präsident Donald Trump rücken Deutschland und Mexiko enger zusammen. Das wurde beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Mexiko-Stadt deutlich. Die beiden G20-Länder bekannten sich dabei zum Freihandel. Mexiko und die EU sollten möglichst noch in diesem Jahr ein überarbeitetes Handelsabkommen abschließen, sagte der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto.

Hintergrund sind erhebliche Spannungen zwischen Mexiko und den USA unter Präsident Trump, der mit einer Aufkündigung des Nafta-Freihandelsabkommens für Nordamerika und dem Bau einer Mauer an der mexikanisch-amerikanischen Grenze gedroht hat. Auch Deutschland hatte der US-Präsident wegen dessen Handelsüberschüssen harsch kritisiert.

"Wir leben in einer multipolaren Welt, und wir wollen in dieser Welt auch nicht nur einseitige Kontakte, sondern wir wollen vielseitige Kontakte", sagte Merkel nach einem Gespräch mit Nieto. "Ich glaube, dass wir alle ein Interesse haben, dass die Vereinigten Staaten von Amerika und Mexiko vernünftig und gut miteinander zusammenarbeiten." Gleichzeitig gebe es aber gute Gründe, dass Mexiko sich auch stark für den europäischen Markt interessiere.

Sowohl Merkel als auch Nieto bezeichneten es als Chance, dass sich die USA, Kanada und Mexiko nun auf eine Neuverhandlung des Nafta-Abkommens geeinigt hätten. Auslöser war die Drohung von US-Präsident Trump, das Abkommen aufkündigen zu wollen, um US-Interessen stärker zu berücksichtigen.

Merkel pocht nun darauf, dass bei den Verhandlungen auch die Interessen der in Mexiko vertretenen deutschen Unternehmen berücksichtigt werden. "Unsere Unternehmen verfolgen natürlich sehr aufmerksam die Verhandlungen im Nafta-Bereich", sagte die CDU-Chefin.

Mexiko bekennt sich zum Klimaabkommen

Mexiko mit seinen rund 130 Millionen Einwohnern ist für die deutsche Wirtschaft ein wichtiger Produktionsstandort, auch für Exporte von dort in die USA. In dem Land, das 2018 Partner der Hannover-Messe wird, sind 1900 deutsche Firmen tätig. 65 Prozent der Mitgliedsunternehmen der Außenhandelskammer Mexiko erwarten laut einer Umfrage in den kommenden Monaten trotz des Streits mit den USA bessere Geschäfte. 40 Prozent wollen demnach mehr investieren. Der deutsch-mexikanische Handel belief sich 2016 auf 16,2 Milliarden Euro.

Laut Merkel und Nieto dienten die Gespräche auch der Vorbereitung des G20-Gipfels der großen Industrie- und Schwellenländer in Hamburg Anfang Juli, bei dem Merkel ein Bekenntnis zum Freihandel manifestieren will. "Sie können darauf zählen, dass wir uns engagieren, um in ihrem Sinne weiterzuarbeiten", sagte Nieto. Er sei sicher, dass der G20-Gipfel ein Erfolg werde.

Beide sprachen die Differenzen mit US-Präsident Trump nur indirekt an. Merkel warnte wie schon zuvor bei ihrem Besuch in Argentinien vor einer Politik der Abschottung. Nieto grenzte sich in der Klimapolitik von Trump ab: "Mexiko bekennt sich uneingeschränkt zum Pariser Klimaschutzabkommen", sagte er. Die USA dagegen haben gerade den Ausstieg aus dem Abkommen verkündet.

Kritik am US-Präsidenten übte in Deutschland auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Trump hinterlasse "bei vielen Partnern Ungewissheit, so auch bei uns", sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Enge Verbündete sollten in den Kernfragen gemeinsamer Interessen ein Grundvertrauen spüren."

stk/dpa/Reuters/AFP



insgesamt 27 Beiträge
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GSYBE 10.06.2017
1. Mexiko und Merkel planen neues Handelsabkommen
Soso, Mexiko und Merkel also....nicht Mexiko und Deutschland.
heinzpeter0508 10.06.2017
2. Total unverständlich was Merkel dazu treibt
mit Ländern wie China, Saudi Arabien und jetzt auch noch mit Mexiko zu kooperieren. Den Chinesen werden Tür und Tor geöffnet den Westen aufzukaufen, die Saudis unterstützen den Terrorismus und die globale Expansion des Islams, und Mexiko ist gesellschaftlich und wirtschaftlich zerfressen von übermächtigen Mafias.
raetselfreund 10.06.2017
3. Mexiko und Merkel?
Also meinetwegen kann Merkel mit dem Staat Mexiko soviel Freihandel treiben wie sie will. Mir doch egal. Interessant wäre es erst wenn Mexiko und die EU ein neues Freihandelsabkommen abschließen würden.
Frankonia 10.06.2017
4.
So einfach ist das nicht. Mexico und die BRD machen Geschäfte, zunächst mal kein Problem. Aber eine billige Werkbank Mexico für den Export in die USA: Das ist ein Problem für Deutschland, das macht Trump immer mehr klar. Trump setzt dann einfach Zölle auf die in Mexico produzierten Produkte Deutscher Unternehmen für den Export in die USA. Deutschland geht es nicht darum Mexico etwas Gutes zu tun sondern um einen billigen Produktionsstandort (für Arbeitnehmerschutz usw. inkl.). Deutschland wird von seinem Exportüberschuß abgeben müssen, das werden uns auch die Franzosen klarmachen. Es ist gut andere Länder und deren Bevölkerungen nicht Wirtschaftlich zu unterdrücken und auszubeuten. Die Arbeitsplätze für Mexico können auch US Unternehmen schaffen, das ist viel näher und besser für Nachbarschaftliche Beziehungen. MfG
joG 10.06.2017
5. Dass Merkel versucht eine Allianz. ...
...gegen die USA zu schmieden ist ja auf mehreren Ebenen und inert verschiedener Themenkreisen offensichtlich. In diesem Zusammenhang ist es sehr beunruhigend, dass sie laut dlf von einem "multipolarem" handeln und nicht wie früher von "multilateraler" Weltordnung spricht. Dies ist umso beunruhigender als sie die EU als militalärisch selbstständige Macht etablieren will. Das wird keine Probleme lösen aber wie die Deutsche Einigung durch Bismarck den Weg öffnen zu eimem weltkrieg. Man macht dadurch den Weltkrieg auch zum früheren Zeitpunkt wahrscheinlich als ohne die Polarisierung seines Militärs.
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