Merkel in Peking China verspricht weitere Öffnung

China möchte bei Zukunftstechnologien enger mit Deutschland zusammenarbeiten. Gleichzeitig bekräftigte Ministerpräsident Li beim Besuch von Kanzlerin Merkel, dass sich das Land stärker öffnen wolle.

Angela Merkel und Li Keqiang
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Angela Merkel und Li Keqiang


China will deutschen Unternehmen einen stärkeren Zugang zu den heimischen Märkten gewähren. Ministerpräsident Li Keqiang sagte eine weitere Marktöffnung auch im Finanz- und Dienstleistungssektor zu. "Wir werden nicht aufhören mit der Öffnung", sagte Li bei einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel und Unternehmern aus beiden Ländern in Peking.

China habe die Tür im Güterbereich bereits weit aufgestoßen. Nun werde man den Marktzugang für Banken, Versicherer und Finanzdienstleister Schritt für Schritt weiter öffnen.

Li sprach von "freundschaftlichen Beziehungen". Wo immer deutsche Unternehmen Probleme mit den Investitionsbedingungen hätten, werde sich China um eine Verbesserung bemühen.

China wünscht Kooperation bei Zukunftstechnologien

Merkel, die auf ihrer zweitägigen Chinareise von einer 18-köpfigen Unternehmerdelegation begleitet wird, nahm zusammen mit Li auch an einem bilateralen Wirtschaftsdialog teil. "Da ist noch viel Luft nach oben", sagte er mit Blick auf die Zusammenarbeit.

China wünsche ausdrücklich eine enge Kooperation beim autonomen Fahren und anderen zukunftsträchtigen Wirtschaftszweigen. Es würden mehrere Abkommen vorbereitet, die bei den deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen im Juli in Berlin unterzeichnet werden sollen.

Beide Regierungschefs bekräftigten, dass sie an multilateralen Handelsordnungen festhalten wollen und einen Abschluss des EU-China-Investitionsabkommens wünschen.

Merkel pochte bei dem Treffen auf einen gegenseitigen Marktzugang unter gleichen Bedingungen. "Man braucht Kooperationsnetzwerke mit ähnlichen Standards", sagte die Kanzlerin. Dies gelte etwa im Zusammenhang mit der Entwicklung des autonomen Fahrens, beim Ausbau des Mobilfunknetzes wie auch bei der Regulierung der Industrie 4.0.

In diesem Zusammenhang müsse auch nochmals über das chinesische Cybersicherheitsgesetz gesprochen werden. Deutsche Unternehmen befürchten in diesem Zusammenhang, dass ihre Daten nicht sicher sind. Die Kanzlerin sagte: "Daten sind der Rohstoff der Zukunft. Die sieht man nicht, aber man muss sie trotzdem schützen."

Im Video: Wirtschaftsmacht China - Angst vor dem roten Drachen

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Li sagte, die chinesische Regierung wolle die Interessen der Unternehmen und die Rechte der Bürger schützen. Es handele sich "um ein totales Missverständnis", dass China etwa die Herausgabe von Quellcodes von Computerprogrammen von den Unternehmen verlange.

Zugleich warf er der Bundesregierung vor, den chinesischen Finanzsektor bei dessen Bemühungen schlecht zu behandeln, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Hier gebe es Überregulierung, Gleichberechtigung sei nötig.

brt/dpa/Reuters

insgesamt 3 Beiträge
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Pfaffenwinkel 24.05.2018
1. China ist ein großer Markt
und als Wirtschaftspartner für Deutschland wichtig. Es wird außerdem Zeit, dass sich Deutschland von den USA emanzipiert, wie die derzeitige Entwicklung lehrt.
women_1900 24.05.2018
2. klar verspricht China eine größere Öffnung
ist China doch auf großer Einkaufstour von Firmen, Energiekonzernen und das nicht nur in Deutschland. "Strategische Investitionen China kauft sich gezielt in kritische Infrastruktur ein" https://www.focus.de/finanzen/experten/strategische-investitionen-china-kauft-sich-gezielt-in-kritische-infrastruktur-ein_id_8964127.html die chinesische Regierung weiß doch ganz genau, dass sie dafür ein paar Brotkrumen versprechen muss.
Sonia 24.05.2018
3. Eine deutsche Bundeskanzlerin pocht also
beim Chef der kommunistischen Volksrepublik China; wer hätte sich das einmal vorstellen können. China wird weiter seinen erfolgreichen Weg gehen und auch Deutschland nur als normalen Handelspartner nutzen, wenn es zum Vorteil Chinas ist. Mit dieser Politik ist das kommunistische China die zweitstärkste Wirtschaftsmacht der Welt geworden. Dass Merkel die Vergangenheit ist und nicht die Zukunft, dürften die Chinesen wissen. Viel und wirklich Bedeutendes wird sie nicht erreichen. China hat das auch nicht mehr nötig.
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