Deutsch-chinesischer Gipfel Zwangsvereint gegen Trump

Die freie Marktwirtschaft und Chinas Staatskapitalismus gleichen sich wie Coca-Cola und Jasmintee. Dank eines zollwütigen US-Präsidenten müssen sich Kanzlerin Merkel und Premier Li nun trotzdem um Einigkeit mühen.

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Die gemeinsame Pressekonferenz von Kanzlerin Angela Merkel und Chinas Premier Li Keqiang begann mit einer recht eindeutigen Botschaft. Gut 20 Minuten lang unterzeichneten Wirtschaftsvertreter aus Deutschland und China Forschungs- und Wirtschaftsabkommen.

22 Abkommen insgesamt, darunter eine Kooperationsvereinbarung im Bereich autonomes Fahren und eine für die Entwicklung einer Plattform für das Internet der Dinge. Aber eben auch Abkommen zwischen Firmen wie der Voith Turbo GmbH und der C.R.R.C. Co. Ltd. Deals, die nur beinharte Wirtschaftscracks emotional berühren dürften.

Wirtschaftsbosse, Wissenschaftler, Minister setzten sich nach und nach an einen Schreibtisch, hinter dem Merkel und Li stehend Smalltalk hielten, und unterzeichneten Papiere, die neue Verbindungen schaffen.

Bande zwischen zwei Wirtschaftsgroßmächten, die neben dem gemeinsamen Wunsch nach Wohlstand viele Grundsatzkonflikte haben - und die sich dennoch gerade besonders stark als Verbündete präsentieren wollen, weil ein zollwütiger US-Präsident den freien Welthandel bedroht. Und damit nach Ansicht der meisten Experten auch den globalen Wohlstand gefährdet.

Der deutsch-chinesische Unterschriftenreigen zeigte in aller Deutlichkeit, was freier Handel alles bewirkt. Die folgenden Statements von Merkel und Li bekräftigten dies noch. Man sei "interessiert an einem multilateralen Handelssystem mit fairen und freien Zugängen", sagte Li.

Man sei für die "Bekämpfung" der "wieder aufblühenden handelsprotektionistischen Kräfte", fügte er an - ohne Donald Trump direkt zu erwähnen. Merkel sprach von einem gemeinsamen Bekenntnis von China und Deutschland für den freien Welthandel.

So viel Einigkeit war selten. Die Journalisten, die im Anschluss an die Veranstaltung Fragen stellten durften, interessierten sich dennoch eher für das, was freier Handel nicht bewirkt. Und auch nicht überbrücken kann.

"Warum sollten wir die EU spalten wollen?"

Warum das Thema der Menschenrechte mal wieder so kurz gekommen sei, wollte gleich der erste Reporter wissen. Eine richtige Antwort bekam er nicht. Merkel verwies darauf, dass im Herbst ein deutsch-chinesischer Menschenrechtsdialog stattfinden soll.

Li brachte im Grunde dieselben Argumente, die auch seine drei bis vier Vorgänger stets zu bringen pflegten. Zum Beispiel, dass China immer noch ein Entwicklungsland sei, das in diesem Bereich noch dazulernen könne. Dass China dann aber eben auch ein sehr großes Land sei, und dass es in einem solchen unrealistisch sei, dass es keine Probleme gebe.

Ein anderer Reporter fragte Li, was er denn von der Berichterstattung über seinen Bulgarien-Besuch vom vergangenen Wochenende halte, in der den Chinesen oft unterstellt wird, sie wollten den Osten der Europäischen Union an sich binden und so den Kontinent spalten.

"Warum sollten wir die EU spalten wollen?", fragte der chinesische Premier rhetorisch zurück. Wenn Osteuropa dank chinesischer Investitionen stärker prosperiere, dann sei das doch gut für Europa. Und wenn es Europa gut gehe, dann sei das doch ein Stabilitätsfaktor für die ganze Welt.

Merkel hätte auch hierzu einiges sagen können. Zum Beispiel, dass der Preis für Chinas wirtschaftliches Engagement in Ländern wie Bulgarien, Serbien oder Griechenland hoch ist. Dass ein Netzwerk an strategischen Beteiligungen entsteht, das Chinas politischen Einfluss in Teilen Europas vergrößert.

Musste sie aber nicht, weil der Reporter die Frage nur an Li richtete. Was selbst den chinesischen Premier verwunderte. Man wolle der Kanzlerin wohl zu viel Unbequemes ersparen, witzelte er.

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insgesamt 40 Beiträge
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hansw 09.07.2018
1. China
Bei allen Berichten über China wundert folgendes: China hat 1,4 Mrd Einwohner. Etwa 700 Mio sind noch nicht in der neuen Wirtschaftswelt angekommen. China hat wohl einen Plan, das zu ändern. Es hat die Löhne der riesigen Zahl an Wanderarbeitern um 70% erhöht. Weitere Massnahmen dürften in der Pipeline sein. Bestes Beispiel ist der riesige Ausbau der Infrastruktur des Landes, wie Eisenbahnen, Autobahnen, Flughäfen und und. Wenn alle diese Annahmen stimmen, wird China in wenigen Jahren die Nummer 1 auf unserem Planeten und die USA müssen sich warm anziehen mit ihren lediglich knapp 300 Mio Einwohnern. China will so wenig wie USA einen Europa Block mit 500 MIo Einwohnern. Also hat Deutschland gute Chancen in China, zumal uns nicht der Ruch der Kolonialzeit nachhängt. Der Boxeraufstand von 1900 war bereits beendet als die deutschen Truppen endlich ankamen. Den deutschen Kaiser haben die Chinesen eh nicht für voll genommen. Wie auch immer, es lohnt sich für deutsche Schüler Mandarin zu erlernen, wenn das auch eine sehr komplizierte Hochsprache mit bis ´zu 10.000 Zeichen ist.
Lasersnake 09.07.2018
2. Was soll's.
Dann eben China. Ist immer noch besser, als dem sogenannten Präsidenten Trump nachzugeben. Man hat ja auch seinen Stolz.
pragmat 09.07.2018
3. Zwang?
So´n Quatsch, es sei eine Zwangsehe! Die deutsche Wirtschaft will es doch so und die sogenannten Werte der EU sind doch nur Gelaber. Die Liebesheirat zwischen einer kommunistischen Einparteien-Diktatur und einem angeblich liberalen Europa dient nur den groß-kapitalistischen Interessen der europäischen Elite. Natürlich ist nur Mr Trump am System der globalen liberalen Ausbeutung schuld, wer sonst?
wibo2 09.07.2018
4. Vereint gegen Trump! Zwei gegen Einen, ist das fair?
Vom Regen in die Traufe kommen, ein Übel gegen ein noch schlimmeres tauschen – von einer unangenehmen Situation/Lage in eine noch unangenehmere geraten, ist das klug? China und Deutschland exportieren mehr in die USA als sie importieren. Beide könnte ihre Arbeiter besser bezahlen, damit die mehr kaufen könnten und damit die Handelsbilanz ausgeglichen werden könnten. Wie lange wird der amerikanische Konsument auf Pump noch sich in China und Deutschland bedienen können? Wer weiß das, wer kann mir das sagen? Diese merkantilistische Wirtschaftspolitik der beiden Exportweltmeister ist intellektuell peinlich und wirtschaftlich selbst schädigend. Sie wollen beide die Kapitalmenge ihrer Staaten erhöhen, indem sie mit hohen Exporten und niedrigen Importen eine aktive Handelsbilanz schaffen. Aber was nicht ewig weitergehen kann, muss irgendwann mal enden. Und dieses Ende wird bald kommen.
Europa! 09.07.2018
5. Wo er recht hat ...
In der Tat ist die Unterstellung, die VR China wolle die EU spalten völliger Unsinn (das kann Frau Merkel viel besser). China kümmert sich einfach um die Regionen, die von der EU in vielfacher Hinsicht vernachlässigt werden. Dazu gehört auch der Bau eines Batteriewerks in Thüringen.
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