Starker Anstieg der Häuserpreise China droht Immobilienblase

Der Immobilienmarkt in China scheint sich zu überhitzen. Im September waren Häuser und Wohnungen in chinesischen Großstädten um mehr als neun Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Mancherorts stiegen die Preise gar um ein Fünftel.

Innenstadt von Qingdao: Häuserpreise steigen rasant
DPA

Innenstadt von Qingdao: Häuserpreise steigen rasant


Peking - So stark haben sich Wohnungen und Häuser seit fast drei Jahren nicht mehr verteuert: In den 70 wichtigsten Großstädten Chinas zogen die durchschnittlichen Preise für Wohnimmobilien im September um 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat an. Im August hatte das Plus laut dem staatlichen Statistikamt noch bei 8,3 Prozent gelegen. Experten zufolge droht der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt eine Immobilienblase.

Den Statistikern zufolge verteuerten sich die Immobilien in 69 der 70 untersuchten Städte, in 13 Städten war der Anstieg sogar zweistellig. Vor allem in den größten Metropolen schnellten die Preise besonders stark nach oben: in Peking um 16 Prozent, in Shanghai in 17 Prozent und in Guangzhou sowie Shenzhen um rund 20 Prozent. Noch zu Jahresbeginn lagen die Steigerungen im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

"Es gibt Signale für eine Überhitzung in den wichtigsten Städten", sagte Wang Juelin, früher stellvertretender Forschungschef im Wohnungsbau-Ministerium. "Die Regierung sollte Maßnahmen einleiten oder zumindest bestehende umsetzen." So hatte die Regierung etwa Städte wie Peking und Shanghai angewiesen, mehr Wohnbaugebiete auszuweisen. "In den kommenden Monaten dürften einige gezielte Maßnahmen folgen", erwartet UBS-Ökonom Harrison Hu. Er rechnet etwa mit strengeren Regeln für den Verkauf von Luxuswohnungen.

Eingriff der Führung in Peking erwartet

Allerdings steckt die Regierung in Peking in der Zwickmühle: Der chinesische Immobilienmarkt gilt einerseits zusammen mit dem großen und weitgehend unregulierten Schattenbankensektor sowie der hohen Verschuldung der Provinzen als Achillesferse der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Zudem gelten Immobilien bei Chinesen als sichere Investition - je weniger sich Haus oder Wohnung leisten können, desto stärker steigt die Unzufriedenheit.

Der Häusermarkt ist für die chinesische Wirtschaft andererseits von hoher Bedeutung, da er für einen wesentlichen Teil des Wachstums verantwortlich ist. Die Regierung darf den Markt also nicht zu stark abwürgen.

Wang Jung der staatlichen Denkfabrik China Centre for International Economic Exchanges geht davon aus, dass die Kommunistische Partei das Problem bei ihrem nächsten Plenum angehen werde. So könnte der Bau preiswerter Wohnungen beschleunigt und die Immobiliensteuern ausgedehnt werden. Immobilienentwickler könnten zudem neue Finanzierungsmöglichkeiten erhalten.

fdi/Reuters

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insgesamt 6 Beiträge
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dapmr75 22.10.2013
1. Votum des Vertrauens in Papiergeld
Der Immobilienmarkt in China SCHEINT sich zu überhitzen? Könnte da eine Blase kommen? Reuters scheint besonders clevere Journalisten zu beschäftigen. Seit 2009 werden die Probleme regelmäßig angesprochen, nur hat es bisher keiner der Braniac in der Politik verstanden. Aber alles wird gut, Ende 2013 nimmt jetzt Reuters die Fährte auf...
severin123 22.10.2013
2. Millionen
leer stehender wohnungen in China, das Problem ist, dass wenn die Preise nicht steigen werden sie fallen. Bis jetzt wurden die Leute , gerade dadurch, zum Kauf motiviert, nach dem Motto " wer jetzt nicht kauft muss später viel mehr bezahlen" seit jahren ist es bereits verboten mit Immobilien zu spekulieren, wenn ich mich nicht täusche, zehn Jahre muss man die Wohnung , in China, behalten bevor man sie, weiter verkaufen kann,.
cassikov 22.10.2013
3. Schon längst eine Blase
Habe 2009 für einige Monate in einem Appartment in Guangzhou verbracht. Gleich neben dem Campus der Sun-Yatsen University. Die Wohnung hatte zwei Zimmer-Küche-Bad, ca. 35m2, im 13. Stock und einen kleinen Balkon. Die Wohnung war die letzte Bruchbude, obwohl das Gebäude erst einige Jahre alt war. Habe den Vermieter gefragt, wieviel der Kaufpreis war. Damals ging die angeblich für ca. 100.000 Euro über den Tisch. Das Gebäude wird bei der Luftfeuchtigkeit im Perlflussdelta sicherlich keine 15 Jahre mehr stehen. In Shanghai und Beijing sieht die Sache sicherlich ähnlich aus. Damals hat ein Prof. an der Uni schon prophezeit, dass es in Sachen Immobilien ein böses erwachen geben wird und die Blase schon längst da wäre.
kumi-ori 22.10.2013
4. optional
10%, 20% Anstieg pro Jahr, ist das so viel? Zumal in Zeiten von Niedrigzinsen. Ich denke in den Ballungsgebieten in Deutschland wird es nicht viel anders sein
cassikov 22.10.2013
5. @kumi-ori
Wahrscheinlich stimmt die Vermutung, dass auch die Immobilien in deutschen Ballungsgebiete solche Wachstums verzeichnen. Allerdings bleiben diese Gebäude auch noch die nächsten 50 Jahre stehen. In China wird teilweise so marode gebaut, dass viele Häuser ihren 20. Geburtstag nicht mehr erleben. Viele Familien haben sich dann aber stark verschuldet, da Wohnungen 100.000 und mehr kosten. Da denn viele Kredite keinen realwirtschaftlichen Gegenwert mehr haben, wird es für die Banken kritisch. Siehe USA 2008. Und normale Angestelltengehälter können solche Kredite niemals zurückzahlen.
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