Angst vor Euro-Crash: Die fatalen Irrtümer der D-Mark-Nostalgiker

Von Sven Böll

Viele Deutsche sehnen sich nach der D-Mark, denn ein Jahr nach der Fast-Pleite Griechenlands ist der Euro immer noch nicht gerettet. Doch was ist dran am Währungsmythos? War früher wirklich alles besser?

100-Mark-Schein: Die wenigsten Deutschen können sich an die Details erinnern Zur Großansicht
dapd

100-Mark-Schein: Die wenigsten Deutschen können sich an die Details erinnern

Mal ehrlich: Wissen Sie noch, welche Farbe der 50-DM-Schein hatte? Welches Schiff auf der Rückseite des Zehn-Mark-Scheins abgebildet war? Und auf welcher Münze sich weder ein Bundesadler noch ein Eichenlaub befanden?

Wahrscheinlich können Sie nicht alle drei Fragen spontan richtig beantworten. Vielleicht nicht einmal eine. Deshalb zur anonymen Selbstkontrolle die korrekten Antworten: Der 50-DM-Schein war braun, die Rückseite des Zehn-Mark-Scheins zierte unter anderem das Segelschulschiff Gorch Fock. Und auf dem 50-Pfennig-Stück war hinten eine Frau abgebildet, die eine Eiche pflanzt.

Zur Beruhigung sei an dieser Stelle gesagt, dass sich die wenigsten Deutschen an die Details der Scheine und Münzen erinnern können, die mehr als fünf Jahrzehnte das Zahlungsmittel in der Bundesrepublik waren. Doch so vage die konkrete Erinnerung auch ist, eine Überzeugung ist weit verbreitet: "Mit der D-Mark war alles besser."

Umfragen zeigen, dass die Hälfte der Deutschen ein währungspolitisches "Zurück in die Zukunft" wünscht. Und ein noch größerer Teil der Bevölkerung hält die gute, alte D-Mark für eine bessere Währung als den vermeintlich schlechten, neuen Euro.

Die fünf größten Mythen

Es stimmt ja: Der Euro hat eine schwierige Zeit hinter sich. Er ist nach aktueller Lage immer noch in Gefahr. Und die Fast-Pleiten Griechenlands und Irlands im vergangenen Jahr waren nicht eben eine gelungene Werbung für die Währungsunion. Wahr ist aber auch, dass der Euro bei weitem nicht an allen Problemen Schuld ist. Auch wenn seine Gegner genau dies gern suggerieren. Um es kurz zu machen: Bereits zu D-Mark-Zeiten gab es kalte Winter, Trash im Fernsehen und Liebeskummer.

Die Debatte über die Zukunft der Währungsunion und damit auch die Schatten der D-Mark-Vergangenheit werden uns noch lange verfolgen. Egal ob jemand ein erklärter Euro-Gegner ist oder nur ein verträumter D-Mark-Nostalgiker, fast immer geht es um die gleichen fünf Mythen:

  • Die Deutschen sind ja nie gefragt worden, ob sie den Euro wollen.
  • Der Euro ist eine viel schlechtere Währung als die D-Mark.
  • Europa ist, wenn Deutschland zahlt und alle anderen profitieren.
  • Die Währungsunion lässt sich problemlos wieder auflösen.
  • Die europäische Integration funktioniert auch ohne den Euro.

Es ist höchste Zeit, diesen Fiktionen ein paar Fakten entgegenzusetzen, um die Debatte zu versachlichen. Dies soll in einer fünfteiligen SPIEGEL-ONLINE-Serie geschehen. Jeder Teil beschäftigt sich dabei mit einem Mythos.

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