Stabile Wirtschaft Angst vor sozialem Abstieg sinkt auf historisches Tief

Die Wirtschaft wächst - und die Deutschen fühlen sich so sicher wie seit fast drei Jahrzehnten nicht. Laut einer Erhebung der Universität Leipzig hat nur noch jeder Dritte Abstiegsängste.

Hamburger Hafen
DPA

Hamburger Hafen


Die Angst der Deutschen vor dem sozialen Niedergang ist bemerkenswert gesunken. Nur noch gut ein Drittel der Bundesbürger fürchtet sich vor dem Abstieg, teilten Forscher der Universität Leipzig mit. Das sei der niedrigste gemessene Wert seit der Wiedervereinigung und der zweitniedrigste Stand überhaupt seit Beginn der Messungen.

Seit 2006 habe sich die Zahl der Erwerbstätigen, die sich vor Abstieg sorgen, nahezu halbiert, heißt es in dem Bericht von Holger Lengfeld vom Institut für Soziologie der Universität Leipzig . Bis 2016 sank ihr Anteil demnach binnen zehn Jahren von 64 Prozent auf etwas über 33 Prozent.

Laut Lengfeld liegt das auch am stärkeren Rückgang der Sorgen in Ostdeutschland. Zwar sei die Abstiegsangst dort generell noch etwas höher als im Westen. Allerdings war der Rückgang im Osten Deutschlands in den vergangenen zehn Jahren größer als im Westen.

Unsicherheiten um eigenen Job teilweise gesunken

Die Abstiegsangst sei bei Frauen und Männern, in verschiedenen Altersgruppen und sozialen Schichten in nahezu gleicher Weise gesunken. Das "mentale Sicherheitsgefühl" habe trotz objektiv weiter existierender Erwerbsrisiken und Ungleichheiten bei allen Erwerbstätigen zugenommen, teilte Lengfeld mit.

Der Forscher sieht dafür zwei Gründe: So seien die Unsicherheiten in Bezug auf den eigenen Job nicht weiter gestiegen und teilweise sogar gesunken. Zudem hätten die Erwerbstätigen einen neuen Umgang mit Unsicherheiten auf dem Arbeitsmarkt erlernt.

Für die Studie analysierten die Leipziger Forscher wie jedes Jahr Umfragedaten des Sozio-oekonomischen Panels des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung für die Jahre 1991 bis 2016 mit Angaben von mehr als 45.000 Erwerbstätigen.

ssu/AFP

Mehr zum Thema


insgesamt 87 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
interessierter Laie 22.08.2017
1. @Freidenker10
Jeder braucht ein Hobby. Und in Deutschland gehört Schwarzsehen zu den beliebtesten. Dazu kommt: In den Medien entsteht ein Zerrbild. Gefühlt verbirgt hinter jedem zweiten Gesicht ein armer ausgebeuteter Mensch in prekären Verhältnissen mit Traumata oder sonstigen Problemen. Fragt man, antworten die meisten Gesichter mir: Mir geht's eigentlich gut. Dumm nur, dass kaum jemand fragt und denen die fragen, keiner glaubt...
eb1202 22.08.2017
2. @1 Was soll denn dieser dämliche Beitrag?
Wo steht denn dass alle sind super zufrieden sind? Es geht doch nur um eine gesunkene Angst in den letzten 10 Jahren in einer Studie der Uni Leipzig. Und wenn mann bedenkt was vor 10 Jahren war kann ich diese sehr gut nachvollziehen. Das ist doch nicht so schwer zu verstehen, oder? Dann wäre ja jede positive Meldung Wahlkampfhilfe Du Nöhler!
ChristianHofmann 22.08.2017
3. Mehr Details wären nützlich...
Bei Umfragen ist es so eine Sache. Leider geht nicht hervor welche Personen befragt wurden, welches Einkommen hat diese, welche Bildung und so weiter. Frage ich 1000 Topverdiener mit sicherer Anstellung und Kündigungsschutz, dann werden diese vermutlich keine Abstiegsangst haben. Ich sehe es bei vielen im Umfeld die dank des "Aufschwungs" in der Zeitarbeit gelandet sind. Diese Leute haben auch keine Abstiegsangst, warum auch. Wenn sie gekündigt werden haben sie auch nur etwas über 100 Euro weniger im Monat da ihr Einkommen eh nicht ausreicht und sie Aufstocken müssen...
viwaldi 22.08.2017
4. Haben Sie schon mal daran gedacht, ...
das Angst vor dem eigenen sozialen Abstieg (die Umfrage hier) und der allgemeinen politischen Zufriedenheit zwei ganz verschiedene paar Schuhe sind? Wenn es mir im Job gut geht und ich sicher bin, was sollen da irgendwelche sog. Eierskandale daran ändern (im Übrigen sind die Grenzwerte wohl gar nicht überschritten). Ja, und ich kann unzufrieden sein mit der Einwanderung, aber ich habe noch keine gute Alternative gehört, wie man es besser machen könnte. Die einen machen alle Grenzen dicht (Ungarn, Polen), und lassen verfolgte draußen verrecken. Nach Russland will niemand, obwohl die mit Bombenterror und Unterstützung des Massenmörders Assad große Schuld trifft. Ich glaube nicht, dass sich unser Land so schlecht im Vergleich verhält. Wir werden aber nicht das Geburtenproblem von Afrika lösen können, wo jedes Jahr 27 Millionen Menschen mehr geboren werden, und wo Korruption und Kleptokratie die Entwicklung behindern. Und was will Schulz eigentlich machen gegen Millionen von Menschen aus Afrika? Ich habe bis heute von ihm nichts konkretes oder belastbares gehört, was sich als Alternative zu Frau Merkel anbieten könnte. Am Ende merken die Menschen: Schulz ist gar keine Alternative und er hat keine Alternativen - er ist die Inkarnation der Verschlimmbesserung.
nonanet 22.08.2017
5. für die Zensur!
Auch wenn mir klar ist, daß dieser Beitrag nicht goutiert wird wie schon mehrere, die nicht in das "Ethos" dieser Rubriken passten: Dreckmedien!!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.