SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

08. August 2011, 09:53 Uhr

Anleihekäufe

Zentralbank stützt Krisenländer mit Notaktion

Die Euro-Wächter stemmen sich gegen die Krise: Nach langem Zögern kauft die Europäische Zentralbank nun doch spanische und italienische Staatsanleihen, um die Schuldenkrise der Risikoländer zu mildern. Die Industriestaaten der G7 kündigen gemeinsame Schritte gegen die Marktturbulenzen an.

Paris - Eiliger Einsatz gegen die Euro-Krise: Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft nun doch spanische und italienische Staatsanleihen. Das sagte der französische Finanzminister François Baroin am Montagmorgen im Radiosender Europe 1. Die Sparpläne der beiden Länder hätten die EZB überzeugt, dass es "legitim" sei, beiden Ländern zu helfen. Die EZB hatte am Sonntag angekündigt, Staatsanleihen von Regierungen der Euro-Zone zu kaufen, jedoch ohne die Länder zu nennen.

In der vergangenen Woche hatten die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen Spaniens und Italiens ein Rekordniveau erreicht. Die beiden Länder hätten Anlegern zeitweise mehr als sechs Prozent Zinsen für neue Kredite zahlen müssen. Bei einem Wert von sieben Prozent waren Portugal und Irland unter den Rettungsschirm EFSF geflüchtet. Für Spanien könnte das Volumen des Fonds gerade noch reichen - Italien, die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone, würde den EFSF aber überfordern.

Händlern zufolge kaufte die EZB am Montag fünfjährige italienische Anleihen. Die Renditen fielen um 60 Basispunkte auf 4,9 Prozent. Der französische Finanzminister Baroin sagte, der Kauf der Staatsanleihen erfolge, wenn Anleger sich zurückzögen. Frankreich hat derzeit den Vorsitz der Gruppe der größten Industrieländer (G7), die sich um eine Eindämmung der Schuldenkrise bemühen. Die G-7-Finanzminister hatten am Morgen nach einer Telefonkonferenz erklärt, sie wollten gemeinsam für ein Funktionieren der Finanzmärkte sorgen und Finanzstabilität und Wirtschaftswachstum stützen.

Der Schritt könnte Italien und Spanien Luft verschaffen, bis ein erweiterter europäischer Rettungsfonds geschaffen ist. Die EZB begrüßte die Reformankündigungen der beiden Länder am Sonntag und drang auf eine "entschlossene und zügige" Verwirklichung. Von entscheidender Bedeutung sei ebenso die rasche Umsetzung aller Entscheidungen des Euro-Sondergipfels Ende Juli, erklärte die EZB-Spitze und begrüßte ausdrücklich die gemeinsame deutsch-französische Erklärung dazu.

Erklärung von Merkel und Sarkozy

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy bekräftigten darin ihr Engagement, die Beschlüsse des Gipfels vollständig umzusetzen. Dabei war unter anderem der Aufkauf von Altschulden am Sekundärmarkt für 20 Milliarden Euro durch den Euro-Rettungsschirm EFSF festgelegt worden.

Frankreich und Deutschland seien zuversichtlich, dass die Analyse der Europäischen Zentralbank "eine adäquate Grundlage für Interventionen an den Sekundärmärkten bilden wird, da sie helfen wird, den Fall festzustellen, in dem die Finanzstabilität des gesamten Euro-Währungsgebiets gefährdet ist", erklärten Merkel und Sarkozy weiter. Sie betonten zudem, wie wichtig es sei, die parlamentarische Zustimmung zu den EU-Beschlüssen "schnell bis Ende September" in beiden Ländern zu erhalten.

Auf die Börsen hatten die Ankündigungen von G7 und EZB zunächst keinen beruhigenden Effekt: Der Hongkonger Hang Seng stürzte um vier Prozent auf 20.109,49 Zähler. Der Kospi-Index in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul fiel um 3,3 Prozent auf 1.879,93. Der Nikkei in Tokio hatte zur Mittagszeit 1,3 Prozent verloren und lag bei 9.178,03 Punkten.

Der Dax gab am Montagmorgen dagegen zunächst nur leicht nach, zeitweise verlor der deutsche Leitindex 0,28 Prozent auf 6219 Punkte. Laut Händlern sei die Herabstufung der USA durch die Rating-Agentur Standard & Poor's in vielen Kursen schon enthalten. Die aktuellen Entwicklungen finden Sie in unserem Liveticker.

cte/Reuters/AFP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung