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Anleihekäufe: Zentralbank stützt Krisenländer mit Notaktion

Die Euro-Wächter stemmen sich gegen die Krise: Nach langem Zögern kauft die Europäische Zentralbank nun doch spanische und italienische Staatsanleihen, um die Schuldenkrise der Risikoländer zu mildern. Die Industriestaaten der G7 kündigen gemeinsame Schritte gegen die Marktturbulenzen an.

EZB-Präsident Trichet: Er fordert entschlossene und zügige Sparmaßnahmen Zur Großansicht
dapd

EZB-Präsident Trichet: Er fordert entschlossene und zügige Sparmaßnahmen

Paris - Eiliger Einsatz gegen die Euro-Krise: Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft nun doch spanische und italienische Staatsanleihen. Das sagte der französische Finanzminister François Baroin am Montagmorgen im Radiosender Europe 1. Die Sparpläne der beiden Länder hätten die EZB überzeugt, dass es "legitim" sei, beiden Ländern zu helfen. Die EZB hatte am Sonntag angekündigt, Staatsanleihen von Regierungen der Euro-Zone zu kaufen, jedoch ohne die Länder zu nennen.

In der vergangenen Woche hatten die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen Spaniens und Italiens ein Rekordniveau erreicht. Die beiden Länder hätten Anlegern zeitweise mehr als sechs Prozent Zinsen für neue Kredite zahlen müssen. Bei einem Wert von sieben Prozent waren Portugal und Irland unter den Rettungsschirm EFSF geflüchtet. Für Spanien könnte das Volumen des Fonds gerade noch reichen - Italien, die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone, würde den EFSF aber überfordern.

Händlern zufolge kaufte die EZB am Montag fünfjährige italienische Anleihen. Die Renditen fielen um 60 Basispunkte auf 4,9 Prozent. Der französische Finanzminister Baroin sagte, der Kauf der Staatsanleihen erfolge, wenn Anleger sich zurückzögen. Frankreich hat derzeit den Vorsitz der Gruppe der größten Industrieländer (G7), die sich um eine Eindämmung der Schuldenkrise bemühen. Die G-7-Finanzminister hatten am Morgen nach einer Telefonkonferenz erklärt, sie wollten gemeinsam für ein Funktionieren der Finanzmärkte sorgen und Finanzstabilität und Wirtschaftswachstum stützen.

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Der Schritt könnte Italien und Spanien Luft verschaffen, bis ein erweiterter europäischer Rettungsfonds geschaffen ist. Die EZB begrüßte die Reformankündigungen der beiden Länder am Sonntag und drang auf eine "entschlossene und zügige" Verwirklichung. Von entscheidender Bedeutung sei ebenso die rasche Umsetzung aller Entscheidungen des Euro-Sondergipfels Ende Juli, erklärte die EZB-Spitze und begrüßte ausdrücklich die gemeinsame deutsch-französische Erklärung dazu.

Erklärung von Merkel und Sarkozy

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy bekräftigten darin ihr Engagement, die Beschlüsse des Gipfels vollständig umzusetzen. Dabei war unter anderem der Aufkauf von Altschulden am Sekundärmarkt für 20 Milliarden Euro durch den Euro-Rettungsschirm EFSF festgelegt worden.

Frankreich und Deutschland seien zuversichtlich, dass die Analyse der Europäischen Zentralbank "eine adäquate Grundlage für Interventionen an den Sekundärmärkten bilden wird, da sie helfen wird, den Fall festzustellen, in dem die Finanzstabilität des gesamten Euro-Währungsgebiets gefährdet ist", erklärten Merkel und Sarkozy weiter. Sie betonten zudem, wie wichtig es sei, die parlamentarische Zustimmung zu den EU-Beschlüssen "schnell bis Ende September" in beiden Ländern zu erhalten.

Auf die Börsen hatten die Ankündigungen von G7 und EZB zunächst keinen beruhigenden Effekt: Der Hongkonger Hang Seng Chart zeigen stürzte um vier Prozent auf 20.109,49 Zähler. Der Kospi-Index in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul fiel um 3,3 Prozent auf 1.879,93. Der Nikkei Chart zeigen in Tokio hatte zur Mittagszeit 1,3 Prozent verloren und lag bei 9.178,03 Punkten.

Der Dax Chart zeigen gab am Montagmorgen dagegen zunächst nur leicht nach, zeitweise verlor der deutsche Leitindex 0,28 Prozent auf 6219 Punkte. Laut Händlern sei die Herabstufung der USA durch die Rating-Agentur Standard & Poor's in vielen Kursen schon enthalten. Die aktuellen Entwicklungen finden Sie in unserem Liveticker.

cte/Reuters/AFP

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insgesamt 177 Beiträge
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1. Unerträglich
anderton 08.08.2011
Es ist wirklich unerträglich wie hier mit unserem Geld, der Demokratie und der Marktwirtschaft umgegangen wird. Hier werden die Gelder mal wieder von den Banken auf die Steuerzahler umgewälzt. Natürlich darf kein Euro Land jetzt mehr pleite gehen, weil die EZB noch mehr mit drin steckt. Natürlich hat kein Parlament darüber abgestimmt. Natürlich muss die EZB nicht mitteilen wieviel und von wem die Anleihen zu welchem Preis gekauft werden. Natürlich muss der Steuerzahler jetzt noch mehr arbeiten und verzichten, um die Zeche zu bezahlen. Natürlich war das alles alternativlos! Schämt echt! Volksvertreter? Mitnichten!
2. Es gibt nur einen Weg aus der Krise:
ReneMeinhardt, 08.08.2011
Schritt 1: Löschung der Zinseszins-Anteile aller Schulden weltweit Schritt 2: Für den verbleibenden kleinen Rest (es es wirklich nur noch ein kleiner Rest) muss ein solider Rückzahlplan mit den Gläubigern ausgehandelt werden. Ist dies per Einigung nicht möglich folgt Schritt 3. Schritt 3: Insolvenzverfahren nach deutschen Recht für Privatinsolvenzen.
3. .
mitwisser, 08.08.2011
Warum heißte es Euro-Wächter? Muß es nicht eher Vermögens- und Wohlstandsvernichter heißen? Kriminelles Handel stützt jetzt also Krisenländer und den Euro? Luigi haut Massimo auf die Fresse, damit Giorgio weiter die "Schutzgelder" bezahlen kann, oder wie? Wer ist eigentlich die Ursache der Probleme? Die Banken. Wer ist die größte Bank? Die politisch unabhängige Bad Bank ;-)
4. Die Euro-Nachtwächter...
hinderschannes 08.08.2011
Zitat von sysopDie Euro-Wächter stemmen sich gegen die Krise: Nach langem Zögern kauft die Europäische Zentralbank nun doch spanische und italienische Staatsanleihen, um die Schuldenkrise der Risikoländer zu mildern.*Die Industriestaaten der G7 kündigen gemeinsame Schritte gegen die Marktturbulenzen an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,778909,00.html
dilettieren weiter gegen die Krise. Viel mehr als Herumlavieren ist nicht zu erkennen. Man ist getrieben und hat weder einen Plan, noch einen Plan B, noch eine Planwirtschaft...;-S
5. titel
Darjaan 08.08.2011
das war klar dass wir diesen Schrott auch noch bezahlen... aber ok, ich hab mich mittlerweile damit abgefunden... je schneller hier die Kassen auch leer werden, umso schneller crasht das ganze System sowieso... deshalb sehe ich diesen ganzen Rettungswahn auch mit einem lachenden Auge... eigentlich gehts so sogar noch schneller..
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.

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