Sorge um Wachstum Stimmung in Chinas Industrie verschlechtert sich

Die Signale für eine deutliche Abkühlung der Konjunktur in China mehren sich. Ein wichtiges Stimmungsbarometer für die Industrie fiel auf den tiefsten Stand seit Beginn des Jahres. Die Neuaufträge sanken.

Arbeiter bei Volkswagen in China: Sorge um den Wachstumsmotor
REUTERS

Arbeiter bei Volkswagen in China: Sorge um den Wachstumsmotor


Peking - Die Euro-Zone kämpft gegen die Schuldenkrise, die USA sind wirtschaftlich angeschlagen und nun stockt auch noch das Wachstum in China. Die Stimmung in der Industrie dort ist deutlich schlechter geworden. Der amtliche Einkaufsmanager-Index für Großunternehmen fiel nach Angaben der nationalen Statistikbehörde im Mai auf 50,4 Punkte. Das ist der bisher niedrigste Wert im laufenden Jahr. Immerhin liegt der Index noch über der Marke von 50 Punkten, die Wachstum signalisiert.

Auch im chinesischen Mittelstand trübt sich die Stimmung ein. Dort erfasst die britische Großbank HSBC mit ihrem Einkaufsmanager-Index die Lage. Das Barometer fiel auf 48,4 Punkte und damit weit stärker, als von Experten geschätzt.

Andere Daten aus China signalisieren ebenfalls, dass das Wachstum in der weltweit zweitgrößten Marktwirtschaft trotz aller Stützungsmaßnahmen der Regierung stockt. Laut der amtlichen Statistik sind die Neuaufträge gesunken und die Lagerbestände ungewöhnlich schnell gewachsen.

China liefert sich Handelskrieg mit USA

Experten rechnen damit, dass sich das Wachstum in China im zweiten Quartal auf das Jahr hochgerechnet auf 7,9 Prozent verlangsamt. Damit würde es erstmals seit 2009 unter die Marke von acht Prozent fallen. Für das Gesamtjahr gingen Analysten zuletzt von einem Plus von 8,2 Prozent aus. Das wäre der schwächste Anstieg seit 1999.

Die chinesische Regierung kämpft derzeit an mehreren Fronten. Sie muss die Inflationsgefahr im Land eindämmen und zugleich dafür sorgen, dass strategisch wichtige Wachstumsbranchen erhalten bleiben. Besonders der Markt für erneuerbare Energien ist umkämpft. Die USA drohen mit Strafzöllen auf Produkte aus China, betroffen sind unter anderem Windkraft- und Solaranlagen. US-Firmen und auch europäische Unternehmen beklagen, dass chinesische Konkurrenten mit Förderung der Regierung in Peking Dumping-Preise bieten und so freien Wettbewerb unterbinden.

Auch Investoren stehen China zunehmend kritisch gegenüber. Weil die Wirtschaft dort einen historischen Wandel vollzieht und dadurch auch Gehälter steigen, verliert der Standort für viele Unternehmen an Attraktivität.

mmq/Reuters



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insgesamt 3 Beiträge
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janne2109 01.06.2012
1. ........
ein großer Teil der Bedürfnisse ist befriedigt, muss doch eigentlich jedem klar gewesen sein. Und gegen Exporte sind die anderen Länder, auch logisch
uezegei 01.06.2012
2.
Eines unter vielen Dingen, die sich in China noch ändern müssten, ist die Arroganz, mit der chinesische Firmen ihren Kunden gegenüber an den Tag legen und die ständigen Versuche, den Geschäftspartner nach Strich und Faden zu übervorteilen. Aber wenn die Kunden sich bereits zurück ziehen und nach Alternativlieferländern Ausschau halten, wird China das hoffentlich arg zu spüren bekommen. Das haben sie sich verdient.
geotie 01.06.2012
3. Yoooh
Zitat von uezegeiEines unter vielen Dingen, die sich in China noch ändern müssten, ist die Arroganz, mit der chinesische Firmen ihren Kunden gegenüber an den Tag legen und die ständigen Versuche, den Geschäftspartner nach Strich und Faden zu übervorteilen. Aber wenn die Kunden sich bereits zurück ziehen und nach Alternativlieferländern Ausschau halten, wird China das hoffentlich arg zu spüren bekommen. Das haben sie sich verdient.
So freundlich man auch lächeln kann, so arrogant können sie auch sein. Dabei sind das nur Leute die gut kopieren und manchmal auch verbessern können, die ihr eigenes Volk ausbeuten, die Ware billiger anbieten damit ein anderer auf keinen Fall den Auftrag bekommt, die trotz des billigen Preis die Ware immer noch überteuert ist, die durch besondere Struktur eine ausländische Firma keine Aktienmehrheit erhalten kann und dadurch immer erpressbar ist, und die jetzt des Geld im Ausland anlegen wollen damit der Gewinn sich nicht verflüchtigt.
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