Anzeigenkampagne Konzernbosse trommeln für den Euro

Zaudern, zögern, hadern - die Bundesregierung hat sich in der Euro-Krise nicht gerade enthusiastisch für den Zusammenhalt der Währungsunion eingesetzt. Deutsche Top-Manager nehmen das nun selbst in die Hand: In großformatigen Anzeigen wollen sie für mehr Solidarität in Europa werben.

Mitunterzeichner Löscher, Initiator Cromme (Archivbild): "Ein Scheitern des Euro wäre fatal"
AP

Mitunterzeichner Löscher, Initiator Cromme (Archivbild): "Ein Scheitern des Euro wäre fatal"


Düsseldorf - Die Euro-Rettung gehört zu den unpopulären Vorhaben der Bundesregierung - ein großer Teil der Wähler lehnt die Milliardenhilfen für Griechenland, Irland und Portugal laut Umfragen ab. Nun versuchen rund 70 deutsche und französische Konzernbosse, die Stimmung mit einer Kampagne zu kippen: Kommende Woche wollen sie in großformatigen Zeitungsanzeigen die Vorzüge des Euro preisen und für die Finanzspritzen werben, berichtet das "Handelsblatt".

Die Unterzeichnerliste liest sich wie ein Who's who der deutschen und französischen Wirtschaftselite: Ob Daimler-Chef Dieter Zetsche, Peter Löscher von Siemens, Telekom-Lenker René Obermann oder E.on-Vorstandschef Johannes Teyssen - so ziemlich alle deutschen Konzernriesen sind vertreten. Auch BMW-Chef Norbert Reithofer und Post-Chef Frank Appel haben der Zeitung zufolge ihre Unterschrift bestätigt.

Auf französischer Seite sind dem Bericht zufolge unter anderem die Chefs von EADS, Total, Renault oder EdF dabei. Die an der Erklärung beteiligten Manager tragen Verantwortung für mehr als fünf Millionen Beschäftigte und insgesamt 1,5 Billionen Euro Umsatz.

Die Aktion erinnert an den energiepolitischen Appell. Mit diesem hatten Industriekonzerne im vergangenen Jahr für eine Verlängerung der Atomlaufzeiten geworben. Auch dieser Appell wurde in Zeitungen abgedruckt.

Merkel soll die Aktion initiiert haben

Diesmal wollen die Wirtschaftsbosse eindringlich für den Erhalt der Währungsunion werben: "Ein Scheitern des Euro wäre ein fataler Rückschritt für Europa", heißt es darin. Seit der Euro-Einführung sei die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen deutlich gestiegen, und es seien fast neun Millionen neue Arbeitsplätze in der Euro-Zone entstanden.

Die Konzernlenker verteidigen die Milliardenhilfen für die notleidenden Euro-Mitglieder: Nicht der Euro, sondern die Schuldenkrise gefährde das Erreichte. Den von der Schuldenkrise betroffenen Ländern müsse kurzfristig geholfen werden, damit deren Bevölkerung eine Zukunftsperspektive sehe. Zudem müssten die Stabilitätsregeln gestärkt werden.

Forderungen nach einem Ausschluss einzelner Euro-Mitglieder oder die Teilung Europas in einen nördlichen und einen südlichen Teil seien ein Irrweg, zitiert die Zeitung weiter aus dem Brief. Auch wenn die Euro-Rettung viele Milliarden kosten werde, seien Europa und seine Währung die Anstrengung wert.

Unklar ist, wer den Anstoß für die PR-Aktion gegeben hat. Laut "Handelsblatt" ist der Inhalt des aktuellen Briefs mit dem Kanzleramt abgestimmt worden - dort versicherte man jedoch, die Konzernlenker seien von selbst auf die Idee gekommen. Aus den Unternehmen habe es hingegen geheißen, die Initialzündung sei von Angela Merkel persönlich ausgegangen, schreibt die Zeitung.

ssu/fdi/Reuters/dapd/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 259 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
shokaku 17.06.2011
1. Hier könnte ein Euro stehen
Put your money where your mouth is. Nicht trommeln, selber zahlen! Einfach ein paar Milliarden Eigen- bzw. Betriebsvermögen in Griechenbonds anlegen.
xeniabloom 17.06.2011
2. Enthusiasmiert
Zitat von sysopZaudern, zögern, hadern - die Bundesregierung hat sich in der Euro-Krise nicht gerade enthusiastisch für den Zusammenhalt der Währungsunion eingesetzt. Deutsche Top-Manager nehmen das nun selbst in die Hand: In großformatigen Anzeigen wollen sie für mehr Solidarität in Europa werben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,768975,00.html
Kommt der Text der Anzeige vom Kanzleramt oder vom Finanzministerium?
Progress, 17.06.2011
3. Wer den grössten Vorteil
Zitat von sysopZaudern, zögern, hadern - die Bundesregierung hat sich in der Euro-Krise nicht gerade enthusiastisch für den Zusammenhalt der Währungsunion eingesetzt. Deutsche Top-Manager nehmen das nun selbst in die Hand: In großformatigen Anzeigen wollen sie für mehr Solidarität in Europa werben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,768975,00.html
von diesem Euro hat, der muss auch trommeln, damit es so bleibt, wie es ist.. Warum sollte der Steuerzahler dafür trommeln? Er muss eh die Zeche zahlen. Die Top-Bosse sicherlich nicht.
Tungay 17.06.2011
4. Na klar
Ist doch klar, die können sich dank der großen Umverteilungsmaschine €, teure Anzeigen leisten. Die anderen tragen die Lasten und haben kein Geld für Lobby und Werbung. Wie unverhohlen hier Lobbyismus betrieben wird ist enorm und wäre vor wenigen Jahren nicht denkbar gewesen. Die Sitten verfallen im Rekordtempo, Scham hat ausgedient. Schamlosigkeit und Selbstbedienung regieren die Welt. Zu Recht, weil die Bürger immer noch so dumm sind zur Wahl zu gehen und zu mehr als 50% die etablierten Parteien zu wählen, die längst die Gewaltenteilung ausser Kraft gesetzt und den Staat untersich aufgeteilt haben.
blowup 17.06.2011
5. Kein Wunder
Da wundert ja nun nicht. Es ist ja das Europa der Bosse, Konzerne und Eliten. Quasi deren Geldmaschine. Da wird jetzt eben in Anzeigen investiert, damit die Maschine nicht stoppt. Und die Deppen in der Politik? Haben sich von Griechenland vorführen lassen. Eine Schande, die allerdings zeigt, dass dieses Europa keine Zukunft hat.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.