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AOK-Report zu Operationen: Kliniken wehren sich gegen Abzock-Vorwurf

Künstliche Knie, künstliche Hüften, Herz-OPs - die Zahl kostspieliger Operationen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Nach Meinung der Krankenkassen geht es den Krankenhäusern weniger um die Heilung als ums Geschäft. Die Kliniken legen jetzt ein Gegengutachten vor.

Klinikum Hamburg-Eppendorf: Ökonomische Fehlanreize nicht zu leugnen Zur Großansicht
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Klinikum Hamburg-Eppendorf: Ökonomische Fehlanreize nicht zu leugnen

Berlin - Der Krankenhausreport 2013 der AOK ist noch gar nicht offiziell veröffentlicht, da sorgt er bereits für Ärger. Kein Wunder - deuten doch die bereits vorab durchgesickerten Fakten bereits für genügend Zündstoff. Danach sind Hunderttausende Patienten in Deutschlands Krankenhäusern in den vergangenen Jahren unters Messer gekommen, obwohl es gar nicht nötig gewesen wäre. Besonders beliebt: Künstliche Gelenke für Knie und Hüften sowie Operationen am Herzen.

Die Meinungen über die Ursachen des Anstiegs gehen zwischen Krankenkassen und Kliniken stark auseinander. Unmittelbar vor Veröffentlichung des Reports, versucht die Krankenhausgesellschaft Zweifel über die Notwendigkeit vieler kostspieliger Eingriffe zu zerstreuen. Eine neue Untersuchung in ihrem Auftrag kommt zu dem Ergebnis, dass es zwar deutlich mehr Operationen gibt. Der Anstieg rühre aber von der Zunahme der Zahl der Älteren und vom medizinischen Fortschritt her. "Eine generelle Diffamierung der Krankenhausmitarbeiter und eine haltlose Verunsicherung vieler Patienten sind folglich zurückzuweisen", heißt es in der Erhebung des Deutschen Krankenhausinstituts, die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt.

Zwar seien ökonomische Fehlanreize nicht zu leugnen. Doch gerade bei den in die Kritik geratenen zahlreichen künstlichen Hüft- und Kniegelenken sowie den Herzschrittmachern und Herzkatheder-Eingriffen gebe es eine solide Indikationsstellung. Die Ärzte ordneten diese Eingriffe also nicht willkürlich an, so das Krankenhausinstitut.

Die stärksten Steigerungen gibt es laut dieser Erhebung bei Therapien des Muskel-Skelett-Systems und des Kreislaufsystems. In der Zeit von 2007 bis 2011 gab es hier 532.000 zusätzliche, nach dem Standardverfahren abgerechnete Fälle. Insgesamt seien die Behandlungsfälle in dem Zeitraum um 6,7 Prozent auf 17,7 Millionen pro Jahr gestiegen. Zwei von drei Patienten würden von niedergelassenen Ärzten überwiesen, die meisten anderen kämen als Notfälle ins Krankenhaus. Dort gelte das Mehraugenprinzip, nach dem ein Arzt nicht alleine entscheide.

Unter dem Motto "Mehr Menge - mehr Nutzen?" stellt der AOK-Bundesverband am Freitag seinen Krankenhausreport 2013 vor. Dabei lautet die zentrale Frage: Was muss geschehen, damit Patienten sicher sein können, dass die Qualität der Behandlung stimmt und niemand unnötig operiert wird? Auch der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, Fritz Uwe Niethard, stellt sich dazu der Öffentlichkeit.

Zuletzt hatte der Spitzenverband der Krankenkassen kritisiert, dass viele Patienten ohne zwingenden medizinischen Grund unters Messer kämen. Und selbst die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie stellte fest, medizinische Maßnahmen würden teils vor allem wegen des Geldes ergriffen. So sollten aus den Chefarztverträgen die Vereinbarungen über Boni für viele Operationen zurückgedrängt werden.

Eine Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag der Krankenkassen hatte einen Anstieg bei den orthopädischen Behandlungen von 14 Prozent innerhalb von vier Jahren ergeben. Bei den kardiologischen Fällen waren sogar 17 Prozent. Fast zwei Drittel des Anstiegs sei nicht mit zunehmendem Alter der Menschen erklärbar.

mik/dpa

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