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Arabische Wirtschaft: Arbeit billig, kaum Industrie

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Die Revolte in Ägypten trifft die Wirtschaft hart. In den wenigen Fabriken des Landes steht die Produktion still, deutsche Firmen holen ihre Mitarbeiter nach Hause. Dabei sind die Probleme ohnehin schon groß: Der ganzen Region fehlt die industrielle Basis. Ein Vergleich mit China zeigt, was falsch läuft.

Billige Arbeitskräfte: Ägyptens Wirtschaft in der Sackgasse Fotos
REUTERS

Hamburg - Die Belegschaft erscheint nicht zur Arbeit, Behörden sind verwaist, große Projekte liegen auf Eis: Für Investoren ist der Aufstand in Ägypten eine Katastrophe. In dem Land, das einst als Hort der Stabilität in Nordafrika galt, herrscht Chaos und Gewalt. Auch deutsche Unternehmen bekommen dies zu spüren.

Beispiel Lahmeyer International: Die Firma entwickelt und betreut Infrastrukturprojekte in Ägypten. Derzeit herrscht Stillstand. Der letzte verbliebene deutsche Ingenieur werde nun auch das Land verlassen, sagt Geschäftsführer Bernd Kordes. Nicht, weil er um seine Sicherheit fürchtet. Er hat vorerst schlicht keine Aufgabe mehr. Der Mann betreut ein von der Förderbank KfW finanziertes Wasserprojekt, seine Ansprechpartner sind ägyptische Behörden. Und diese sind geschlossen. "Er hat sozusagen keinen Auftraggeber mehr", beschreibt Kordes die Situation seines Ingenieurs.

Probleme hat auch der Automobilzulieferer Leoni: Am vergangenen Sonntag und Montag erschien nur ein Fünftel der Belegschaft zur Arbeit im Werk nahe Kairo. Am Dienstag waren es immerhin zwei Drittel und seit Mittwoch seien 80 bis 90 Prozent der insgesamt 4000 Arbeiter wieder da, sagt Leoni-Sprecher Sven Schmidt. Die Ausgangssperre und das Zusammenbrechen des öffentlichen Nahverkehrs habe den Beschäftigten wohl den Weg zur Arbeit verbaut. Leoni hat inzwischen eigene Bustransporte organisiert. Das Industriegebiet, in dem das Werk steht, wird von Militär geschützt.

Dass die Arbeiter statt in die Firma zu den Demonstrationen gegangen sind, glaubt Schmidt nicht. Schließlich gehe es den Leoni-Leuten angesichts der hohen Arbeitslosigkeit im Land noch verhältnismäßig gut.

Laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) engagieren sich deutsche Unternehmen mit etwa einer halben Milliarde Euro Direktinvestitionen in Ägypten.

Grund sind die niedrigen Arbeitskosten und das große Arbeitskräfteangebot. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist unter 25 Jahre alt. Hinzu kommt ein geografischer Vorteil. Zwar produziert Leoni auch in China. Doch wenn Zulieferteile nach Europa müssen, liegt Ägypten einfach günstiger. "China ist schlicht zu weit weg", sagt Schmidt.

Andererseits hat der arabische Raum einen großen Nachteil: Er ist - anders als zum Beispiel China - kein interessanter Absatzmarkt. Der Autozulieferer Leoni etwa produziert in China auch für die dortigen Autohersteller. In Nordafrika dagegen sind keine Abnehmer vorhanden. Was Leoni hier produziert, wird umgehend exportiert.

Mit anderen Worten: Es gibt keinen funktionierenden Wirtschaftskreislauf. Nur - was ist der Grund dafür?

Die wirtschaftliche Planung in Ägypten sei in den vergangenen Jahrzehnten völlig falsch gelaufen, sagt der Politik- und Wirtschaftswissenschaftler Hamadi El Aouni. Die Regierung habe auf Tourismus und schlecht bezahlte Billig-Jobs gesetzt und damit auf Abhängigkeit von anderen Ländern. Produktive Sektoren wie etwa die Landwirtschaft "ticken nach den Uhren der dreißiger Jahre", sagt El Aouni. Hinzu kommen die enormen Auslandsschulden des Landes.

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Während es China geschafft hat, in der Volksrepublik selbst Know-how anzusiedeln, Jobs für Fachkräfte zu schaffen und andere Industrienationen an sich zu binden, hängt Ägypten am Subventionstropf westlicher Staaten.

Einfach ist es nicht, sich aus dieser Lage zu befreien. Ägypten müsse auf jeden Fall seine Selbstversorgung stärken und attraktive Jobs schaffen, fordert El Aouni. Qualifizierte Arbeitskräfte sind durchaus vorhanden, doch ihnen fehlt eine Perspektive auf attraktive Beschäftigung. Jährlich drängen bis zu 750.000 Schul- und Universitätsabgänger auf den ägyptischen Arbeitsmarkt. Laut Weltbank liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei rund 30 Prozent. Viele Ägypter gehen als Gastarbeiter in die Golfregion, sagt der Wissenschaftler.

Und nun noch das Chaos in Folge der Unruhen. Investoren, die das Land so dringend braucht, schreckt die Revolte erst einmal ab. Dabei bietet sie auch eine Chance. El Aouni nennt den Aufstand am Nil "ein Geschenk des Himmels". Denn er mache endlich grundlegende Reformen möglich - zum Beispiel die Schaffung eines arabischen Wirtschaftsraumes. Allerdings dürfte der Übergang hart werden. "Politische Stabilität ist das A und O", sagt El Aouni.

Auch die Ingenieure von Lahmeyer International warten gespannt, wer in Ägypten die Macht übernimmt. Im Falle einer islamistischen Regierung wären Geschäftsbeziehungen "schwierig bis unmöglich", sagt Geschäftsführer Kordes. Doch er rechnet nicht damit. "Ägypten ist ein aufgeklärtes Land. Wir sehen eine gute Chance, dass es mittelfristig zu einer vernünftigen Lösung kommt." Kurzfristig seien zwar Umsatzeinbußen zu befürchten, sagt Kordes. Doch langfristig erwartet er für die Firma gute Geschäfte. Ägypten brauche eine gute Energieinfrastruktur, sagt Kordes. "Unsere Projekte werden irgendwann weitergebaut - die Frage ist nur, wann."

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1. Ich wünsche den Menschen in
hilfloser, 05.02.2011
Auch die Ingenieure von Lahmeyer International warten gespannt, wer in Ägypten die Macht übernimmt. Im Falle einer islamistischen Regierung wären Geschäftsbeziehungen "schwierig bis unmöglich", sagt Geschäftsführer Kordes. Doch er rechnet nicht damit. "Ägypten ist ein aufgeklärtes Land. Wir sehen eine gute Chance, dass es mittelfristig zu einer vernünftigen Lösung kommt." Ägypten sehr das sie den einzig richtigen, gangbaren Weg einschlagen und ein offenes, tolerantes und friedliches Miteinander installieren können. Wohl niemals nach westlichem Demokratieverständnis, aber immerhin. Wie diese Chancen stehen? Bei dieser Bevölkerungsstruktur, nicht vorhandenen Versorgungswegen, evtl. langanhaltender Politischer Instabilität, evtl. Politischer Grabenkämpfe die eine Entwicklung lähmt, bei dem Frustpotential das sich einstellen wird wenn die jungen Männer erkennen das nicht über Nacht alles besser wird? Ich weiß es nicht. Was aber sicher ist. Sollten die Islamischen Strömungen eine Überhand gewinnen, dann siehts sehr sehr düster aus! Auch für die Europäischen Nachbarn. Denn die damit einhergehenden Probleme werden überwältigend sein und das nicht nur für Israel. Bleibt das Prinzip Hoffnung. Die Äypter habens jetzt in der Hand, da kann und sollte man von Außen nicht so viel reinpfuschen.
2. Unfassbar
DrWimmer 05.02.2011
Zitat von sysopDie Revolte in Ägypten trifft die Wirtschaft hart. In den wenigen Fabriken des Landes steht die Produktion still, deutsche Firmen holen ihre Mitarbeiter nach Hause. Dabei sind die Probleme ohnehin schon groß: Der ganzen Region fehlt die industrielle Basis. Ein Vergleich mit China zeigt, was falsch läuft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,743634,00.html
Ich musste das erst 10x lesen bevor ich es glauben konnte! Chinas Industrie als Positiv-Beispiel, ein Vorbild! Und das im Spiegel! Tausende und zehntausende sinnlose Todesfälle wegen nicht vorhandenem Arbeitsschutz, unverantwortbare Umweltschäden, Ausbeutung und Unterdrückung, Unterbindung von Arbeitnehmerorganisationen, Produktpiraterie etc. etc. Daran sollen sich andere lt. Spiegel ein Beispiel nehmen? Das ist für mich ein ungeahnter Tiefpunkt der Spiegel-Berichterstattung.
3. aua!
autocrator 05.02.2011
da ist die schmerzgrenze echt erreicht: da wird ein 83 mio-volk mal kurzerhand mit einem 1.400 mio-volk verglichen, der umstand, dass am Nil gerade revolution ist, wird in einem nebensatz abgehandelt, ein prinzipiell eher liberales wirtschaftssystem wird mit einem größtenteils noch immer zentralistisch gelenkten system über einen kamm geschoren, die schwierigen geographischen besonderheiten des nilstaates (industrie macht dreck, und es gibt nur einen einzigen fluß, in den der rein muss, aus dem aber 90% der bevölkerung sein tägliches trinkwasser ebenfalls beziehen muss) mit einem land verglichen das fast so groß ist wie westeuropa zusammen, und chancen einer nichtindustriellen wirtschaftsentwicklung, wie z.b. der kulturtourismus kurzerhand abgebügelt. Und das ganze dann auch noch am beispiel eines automobilzulieferers und damit einer industriesparte durchexerziert, die an un- und widersinnigkeit bzgl. kosten, ressourcenverbrauch, nutzen, umweltbelastung und platzverbrauch etc. an sich eh schon kaum mehr zu toppen ist! Schon allein die auswahl, mit was oder wem der Nilstaat verglichen wird, ist völlig nebulös das geheimnis der autorin: Wieso China und nicht Burkina Faso oder Kolumbien, mit dem verglichen wird? Sorry, es beschleicht mich der verdacht, dass besagter automobilzulieferer seinen namen gerne mal wieder in der zeitung lesen wollte. Was die wohl für diese schleichwerbung bezahlt haben?
4. Industrie für Arabien und Afrika ...
rkinfo 05.02.2011
Das Problem ist akut für die gesamte Region. Wobei 'eigene Automobilindustrie' ja durchaus nicht schlecht sein muß wenn zukünftig z.B. europäische Altfahrzeuge dort aufgearbeitet ein neues Leben erhielten. Vielfach wären nur definierte Verschleißteile zu erneuern um fast neuwertige Fahrzeuge zu haben. Alles natürlich Unfug wenn nicht Biosprit und FFV-Technik schon bei uns bald Einzug hält. Ansonsten wird der Raum einerseits neuer Absatzmarkt aber auch Konkurrent für europäische Produkte werden (müssen). Es gibt allerdings keinerlei Masterpläne zur Entwicklung der Region und bisher herrschte extreme Korruktion die auch den Dauerzustand Hunger erhielt. Da sind grundlegende Strukturwandel nötig wobei das undemokratische China nur wenig hilft.
5. Reserven erschließen
elbröwer 05.02.2011
Dabei verschwenden die das wenige fruchtbare Land. Wer jemals den Nil entlang geflogen ist wird gesehen haben daß dort Betonhäuser ohne Ende gebaut werden die anders als die füheren Lehmbauten nicht mit dem Tod des Besitzers wieder Naturboden werden. Dabei ist es in einer Diktatur einfach, anzuordnen daß fünfhundert Meter außerhalb des fuchtbaren Bodens gebaut wird. In Deutschland wären diese fünfhundert Meter auch in wenigen Jahren grün.
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