Arbeiten im Alter Zahl erwerbstätiger Senioren hat sich verdoppelt

Die Zahl arbeitender Älterer in Deutschland ist enorm gestiegen - es sind bereits doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. Laut Statistischem Bundesamt arbeiten tendenziell besonders höher Gebildete weiter.

Ein Senior weißt eine Wand auf der Leipziger Messe
DPA

Ein Senior weißt eine Wand auf der Leipziger Messe


Der Anteil der Senioren, die arbeiten gehen, steigt kontinuierlich. In Deutschland arbeiten bereits doppelt so viele Ältere wie noch vor zehn Jahren. Jede neunte Person zwischen 65 und 74 Jahren war im vergangenen Jahr erwerbstätig, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Insgesamt arbeiteten 942.000 der 8,3 Millionen Männer und Frauen in diesem Alter, was einem Anteil von elf Prozent entspricht. Vor zehn Jahren lag er mit fünf Prozent nicht einmal halb so hoch. Als erwerbstätig gilt, wer pro Woche mindestens eine Stunde gegen Bezahlung arbeitet.

Besonders Männer gehen im Seniorenalter einer Beschäftigung nach: Ihr Anteil liegt bei 15 Prozent, bei Frauen der gleichen Altersgruppe bei acht Prozent. 2006 betrugen diese Werte noch sieben beziehungsweise vier Prozent.

Für 58 Prozent und damit die Mehrheit ist dieses Arbeitseinkommen ein Zuverdienst, da sie in erster Linie von ihrer Rente leben. Rund 37 Prozent der älteren Erwerbstätigen nutzen die Tätigkeit jedoch als vorwiegende Quelle des Lebensunterhalts. Damit leben 346.000 Männer und Frauen im Rentenalter überwiegend vom eigenen Arbeitseinkommen.

Für Selbstständige ist mit 65 nicht Schluss

Jeweils drei Prozent bestreiten ihren Lebensunterhalt überwiegend aus Einkünften ihrer Angehörigen oder aus sonstigen Einkünften wie etwa Einkommen aus Vermietung oder Verpachtung.

Seit 2012 wird die Grenze für die Regelaltersrente schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Auch dadurch steigt die Zahl derjenigen, die ab 65 Jahren noch arbeiten gehen. Ende 2016 galt eine Altersgrenze von 65 Jahren und fünf Monaten.

Im Rückblick auf die vergangenen Jahre arbeiten jedes Jahr mehr Menschen auch im Seniorenalter, stellt das Statistische Bundesamt fest. Über die Gründe dafür geben die erhobenen Daten keinen Aufschluss. Klar sei jedoch, dass eher die höher Gebildeten in der Tendenz auch im Alter noch arbeiteten und viele Selbstständige ab 65 Jahren sich nicht zur Ruhe setzten, heißt es beim Bundesamt.

kig/Reuters

Mehr zum Thema


insgesamt 41 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Ein_denkender_Querulant 12.07.2017
1. Renteneintrittsalter erhöhen
Wenn so viele Rentner arbeiten, kann das Renteneintrittsalter erhöht werden. Sinnvoll wäre z.B. ein ganz individuelles Eintrittsalter, z.B. 12 Jahre vor Eintritt des Todes, wie es 2010 von Andreaa Nahles vorgeschlagen wurde.
almeo 12.07.2017
2.
Im Bekanntenkreis meiner Eltern sind inzwischen alle in Rente, anders als noch in der Generation meiner Großeltern sind das aber "andere" Rentner. Die wenigsten haben sich in einem Job wirklich "kaputt gemacht", im Straßenbau, als Dachdecker oder Landwirt, sie haben sich viel gesünder ernährt und Spport getrieben, eine bessere Work-Life-Balance gehabt, wie man so schön sagt. Diesen Rentern wird es zum Einen schnell zuhause langweilig, zum Anderen sind die auch einfach fit genug, um noch weiter etwas sinnvolles zu tun. Natürlich gibt es auch diejenigen, die von Altersarmut betroffen sind und einfach arbeiten müssen, aber gerade Renter mit Ende 60, Anfang 70 - zumindest ist das mein Eindruck aus dem Bekanntenkreis - sind um längen fitter (geistig wie körperlich) als die vorherige Generation im gleichen Alter....
birglinde 12.07.2017
3. Warum wohl ?
Es sind nicht alle Menschen im Rentenalter in der Lage,nach mind. 45 Arbeitsjahren von ihrer Altersrente zu leben. Es ist für viele eine Einnahme um das Leben im Alter angenehmer zu gestalten. Nicht jeder möchte die Sozialleistungen ( die auch immer geringer werden ) in Anspruch nehmen.
St.Baphomet 12.07.2017
4. Sehr seltsam,
nun nehmen die Alten den Jungen die Jobs weg die mit ihrer Arbeit den Alten die Rente finanzieren sollen. Toll unser Rentensystem. Aber Schluchz und Nahles können dies bestimmt auch irgendwie noch erklären ohne den Begriff "Altersarmut" erwähnen zu müssen.
albertwilhelm-s 12.07.2017
5.
..das macht kein Rentner aus Lust an der Arbeit.Bei mir kommen dank Merkels und Olaf Scholzens Gesundheitsreform 2008 nur noch ca. 500netto als "Rente " an.Da mich niemand mehr fragt,ob ich wohl mal seine kleine Fa. sanieren könnte, muss ich sehen,wie mein kleines Vermögen noch was abwirft.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.