Karriere und Gesundheit Männlich, westdeutsch, topfit

Je erfolgreicher im Beruf, desto gesünder: Eine Studie zeigt, wie die Stellung der Eltern, die eigene Lage am Arbeitsmarkt und das Wohlbefinden zusammenhängen. In Deutschland profitiert vor allem eine Gruppe.

Getty Images

Von


Gesundheit ist die Tochter der Arbeit, sagt ein Sprichwort. Wie der eigene Karriereverlauf mit der Gesundheit zusammenhängt, zeigt eine Studie des Instituts für Medizinische Soziologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Deutlich wird dabei auch, dass die Arbeitssituation der Eltern eine Rolle spielt.

Die guten Nachrichten zuerst: Es steigen in Deutschland mehr Menschen beruflich auf als ab, und das gilt für Frauen und Männer in Ost- und Westdeutschland. Dass der berufliche Aufstieg nicht nur ein erfreulicher Karriereschritt ist, sondern auch mit besserer Gesundheit einhergeht, zeigen die Ergebnisse der Untersuchung, die von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung gefördert wurde. Die schlechte Nachricht ist: Fair verteilt sind Auf- und Abstiege nicht, und mit ihnen auch nicht die Gesundheit.

Fast 20.000 Lebensläufe untersuchte das Team aus den Bereichen Soziologie, Humanbiologie und Gesundheitswesen, um den Zusammenhang zwischen Karriere und Gesundheit zu verstehen. Die verwendeten Daten beziehen sich auf erwerbstätige Deutsche im Alter zwischen 25 und 59 Jahren und stammen aus der Zeit von 1992 bis 2012.

Wie der Erfolg der Eltern mit unserer Gesundheit zusammenhängt

Die Ergebnisse der Forscher aus Halle zeigen: Nicht nur der eigene Erfolg im Beruf scheint unsere Gesundheit zu beeinflussen - auch die berufliche Stellung unserer Eltern macht einen Unterschied. Personen, deren Eltern in einer hohen Position gearbeitet haben und die selbst eine vergleichbare Stellung erreicht haben, fühlen sich demnach mit der höchsten Wahrscheinlichkeit gesund. Am schlechtesten bewerten Menschen in niedrigen Positionen ihre Gesundheit - besonders, wenn ihre Eltern ebenfalls in niedriger Stellung gearbeitet haben, so das Ergebnis der Studie. Haben Eltern in hohen Positionen gearbeitet, die Kinder aber in niedrigen oder andersherum, lagen die Wahrscheinlichkeiten dazwischen.

"Es ist anzunehmen, dass der elterliche Status sowohl die Lebens- als auch Startbedingungen in der Kindheit und somit den weiteren Lebensweg beeinflusst", schreiben die Forscher. Sie vermuten, dass jene Menschen, deren Eltern eine niedrige Stellung hatten, selbst auch oft in dieser verbleiben - was sich wiederum negativ auf die Gesundheit auswirke. Tatsächlich haben den Daten nach mehr als die Hälfte der Frauen und mehr als zwei Drittel der Männer in niedrigen Positionen Eltern mit ähnlicher Stellung.

Arbeiten wir uns krank - oder gesund?

Aber nicht nur der Vergleich mit den Eltern, auch das Auf und Ab im eigenen Berufsleben ist der Studie nach entscheidend dafür, wie gesund wir uns fühlen. Über die beste Gesundheit berichten Personen, die dauerhaft in einer hohen Position arbeiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre eigene Gesundheit mit gut oder sehr gut bewerteten, liegt den Ergebnissen nach mit rund 60 Prozent um 10 Prozentpunkte höher, als die derjenigen, die dauerhaft in niedrigen Positionen arbeiten, und 20 Prozentpunkte höher als die Selbsteinschätzung unter Arbeitslosen.

Dass insbesondere erwerbslose Männer ihre Gesundheit als eher schlecht einschätzen, begründen die Forscher mit konventionellen Rollenbildern. Der Druck, Hauptversorger einer Familie zu sein, belaste Männer in der Erwerbslosigkeit häufig mehr als Frauen.

Die Studie erklärt den Zusammenhang zwischen Arbeitssituation und Gesundheit vor allem durch die Lebensumstände, die sich indirekt aus einer beruflichen Stellung ergeben. Die soziale Integration oder alltägliche Verhaltensweisen etwa, "die sich letztlich auf die Gesundheit niederschlagen".

Die Wahrscheinlichkeiten, sich in eine hohe Stellung hochzuarbeiten, in dieser zu bleiben und entsprechend gesund zu sein, sind allerdings nicht für alle gleich. Hier, das legen die Ergebnisse nahe, gibt es in Deutschland klare Gewinner: westdeutsche Männer. Ihnen gelingt es öfter als ostdeutschen Männern und öfter als Frauen insgesamt, Karriere zu machen.

So ist die Wahrscheinlichkeit für ostdeutsche Männer höher, in einer niedrigen Position oder in Arbeitslosigkeit zu verharren, als für westdeutsche Männer. Andersherum ist es für westdeutsche Männer wahrscheinlicher, in einer Stellung mit besserer Bezahlung, höherem Ansehen und mehr Entscheidungsspielraum zu gelangen, als für ostdeutsche. Für erwerbstätige Frauen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Ost und West. Allerdings hatten sie es insgesamt schwerer als Männer, in hohe Stellungen aufzusteigen und sich dort zu halten. Frauen verbleiben, das zeigen die Daten, vor allem auf mittleren Positionen und steigen insgesamt mit höherer Wahrscheinlichkeit wieder ab.

Vielleicht ist es also an der Zeit, dem Sprichwort eine Überholung zu verpassen: Wie es scheint, ist die Gesundheit nicht die Tochter der Arbeit, sondern vor allem ihr Sohn.



insgesamt 44 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ayee 25.10.2017
1. Auch der Status der Eltern nur eine Folge
Auch die Eltern haben den Status wahrscheinlich aufgrund ihrer Eigenschaften erreicht. Am Ende landet man bei der banalen Erkenntnis, dass jemand, der was im Kopf hat und entsprechend bewusst lebt und handelt, gesünder ist. Hingegen jemand, der nicht reflektiert, sich wenig informiert, wenig Selbstkontrolle hat, entsprechend weniger gesund ist. Dafür braucht man eine Studie?
spon_3060360 25.10.2017
2. Unwissenschaftlich
"Dass insbesondere erwerbslose Männer ihre Gesundheit als eher schlecht einschätzen, begründen die Forscher mit konventionellen Rollenbildern. Der Druck, Hauptversorger einer Familie zu sein, belaste Männer in der Erwerbslosigkeit häufig mehr als Frauen." Einfache Erklärung: erwerbslose Männer sind erwerbslos, weil sie krank sind. Sie schätrzen ihren Gesundheitszustand daher zutreffend ein. Die Aussage der Studienverfasser ist leider symptomatisch für den Zustand der Wissenschaftsszene. Alle Ergebnisse werden als Bestätigung einer vorgegebenen Ausgangsthese interpretiert. Sie zeigt auch die Tendenz, die Objekte (Menschen) als irrational und dumm zu behandeln, hier: dass die Erwerbslosen ihren Zustand nicht etwa zutreffend beurteilen, weil sie krank sind, sondern dass irgendwelche psychologisch-gesellschaftlichen Irrationalitäten für die Einschätzung maßgeblich sind. Wissenschaft muss ergebnisoffen arbeiten, sonst ist es keine Wissenschaft. Diese Studie ist Propaganda, aber definitiv keine Wissenschaft.
duke_van_hudde 25.10.2017
3. Hat da einer der Männerhassabteilung nicht aufgepasst?
"Tatsächlich haben den Daten nach mehr als die Hälfte der Frauen und mehr als zwei Drittel der Männer in niedrigen Positionen Eltern mit ähnlicher Stellung. " Das heisst ganz klar das Männer aus der Unterschicht massiv geringere Chancen haben aus der Untershcicht herauszukommen wie Frauen. Müste man hier nicht Männer massiv fördern wo man das sonst so gerne für Frauen in Anspruch nimmt. Ich vemrute aber das in diesen Fall natürlich die Männer Schuld sind natürlich nur die älteren weissen Männer aus dem Westen den es gut geht. Zumindestens würde uns der SPOn das schnell so erklären.
mghi 25.10.2017
4. Ursache/Wirkung??
Ich kann hier nicht erkennen, was die Studie zu Ursachen und Wirkung sagt. Da kann man nur #1 zustimmen, sonst leider keine weiteren Erkenntnisse, außer das übliche gewerkschaftliche bashing auf alle, die mehr geschafft haben als andere.
lafari 25.10.2017
5.
Sinnlose zahlenspiele. Mama nur grundschule, vater nur hauptschule, meine schwester und ich promoviert. Was nun?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.