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20. August 2010, 08:28 Uhr

Arbeitgeberforderung

Mittelständler wollen zwei Wochen Urlaub streichen

Diese Arbeitgeberforderung hat Sprengkraft: Gleich zwei Verbände der mittelständischen Wirtschaft machen sich dafür stark, den Beschäftigten zwei Wochen Urlaub im Jahr zu streichen. Die Begründungen sind allerdings widersprüchlich.

Berlin - Deutsche Arbeitnehmer sollen nach dem Willen des Unternehmerverbands mittelständische Wirtschaft künftig zwei Wochen Urlaub weniger pro Jahr machen. Sechs Wochen seien zu viel, vier Wochen reichten völlig aus, sagte Vorstandsvorsitzende Ursula Frerichs der "Bild"-Zeitung.

Frerichs begründete die Forderung damit, dass Deutschland bei den Urlaubstagen weltweit an der Spitze läge und die Beschäftigten im Verhältnis zu anderen Ländern immer noch doppelt so viele freie Tage hätten. Zudem könnte eine Urlaubskürzung die aktuelle positive konjunkturelle Entwicklung unterstützen. "Wir müssen unsere Besitzstände zurückschrauben, könnten die Vier-Wochen-Regelung 2011 auf Probe einführen, um den Aufschwung zu unterstützen", sagte Frerichs.

Nicht ganz so weit geht der Bundesverband mittelständische Wirtschaft. Die Begründung, die BVMW-Präsident Mario Ohoven liefert, lässt überdies einen gewissen Widerspruch zu der seiner Verbandskollegin erkennen. Eine zeitweise Absenkung des Urlaubsanspruchs auf fünf Wochen sei wegen des akuten Fachkräftemangels erforderlich, sagte Ohoven. "Der Mittelstand hat jetzt wieder volle Auftragsbücher, da wird jeder gebraucht. Deshalb sollte der bezahlte Urlaub momentan auf fünf Wochen beschränkt bleiben." Darüber hinausgehende Ansprüche könnten auf einem Arbeitszeitkonto geparkt und zum Beispiel bei schlechter Auftragslage abgegolten werden.

mik/AFP/ddp

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