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Arbeitgeberforderung: Mittelständler wollen zwei Wochen Urlaub streichen

Diese Arbeitgeberforderung hat Sprengkraft: Gleich zwei Verbände der mittelständischen Wirtschaft machen sich dafür stark, den Beschäftigten zwei Wochen Urlaub im Jahr zu streichen. Die Begründungen sind allerdings widersprüchlich.

Urlauber in Griechenland: Unternehmer fordern Sonderopfer für den Aufschwung Zur Großansicht
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Urlauber in Griechenland: Unternehmer fordern Sonderopfer für den Aufschwung

Berlin - Deutsche Arbeitnehmer sollen nach dem Willen des Unternehmerverbands mittelständische Wirtschaft künftig zwei Wochen Urlaub weniger pro Jahr machen. Sechs Wochen seien zu viel, vier Wochen reichten völlig aus, sagte Vorstandsvorsitzende Ursula Frerichs der "Bild"-Zeitung.

Frerichs begründete die Forderung damit, dass Deutschland bei den Urlaubstagen weltweit an der Spitze läge und die Beschäftigten im Verhältnis zu anderen Ländern immer noch doppelt so viele freie Tage hätten. Zudem könnte eine Urlaubskürzung die aktuelle positive konjunkturelle Entwicklung unterstützen. "Wir müssen unsere Besitzstände zurückschrauben, könnten die Vier-Wochen-Regelung 2011 auf Probe einführen, um den Aufschwung zu unterstützen", sagte Frerichs.

Nicht ganz so weit geht der Bundesverband mittelständische Wirtschaft. Die Begründung, die BVMW-Präsident Mario Ohoven liefert, lässt überdies einen gewissen Widerspruch zu der seiner Verbandskollegin erkennen. Eine zeitweise Absenkung des Urlaubsanspruchs auf fünf Wochen sei wegen des akuten Fachkräftemangels erforderlich, sagte Ohoven. "Der Mittelstand hat jetzt wieder volle Auftragsbücher, da wird jeder gebraucht. Deshalb sollte der bezahlte Urlaub momentan auf fünf Wochen beschränkt bleiben." Darüber hinausgehende Ansprüche könnten auf einem Arbeitszeitkonto geparkt und zum Beispiel bei schlechter Auftragslage abgegolten werden.

mik/AFP/ddp

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 324 Beiträge
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1. Ohne Worte
a1001 20.08.2010
Aus dem Artikel: "Der Mittelstand hat jetzt wieder volle Auftragsbücher, da wird jeder gebraucht." Aus dem Monatsbericht Juli 2010 der Bundesagentur für Arbeit: "Im Juli erhielten 5.812.000 erwerbsfähige Menschen Lohnersatzleistungen nach dem SGB III oder Leis-tungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem SGB II." "Im Monat Juli befanden sich 1,49 Mio Personen in einer von Bund oder Bundesagentur für Arbeit geför-derten arbeitsmarktpolitischen Maßnahme." "Die Arbeitslosigkeit ist von Juni auf Juli um 39.000 auf 3.192.000 gestiegen." http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Monatsbericht-Arbeits-Ausbildungsmarkt-Deutschland/Monatsberichte/Generische-Publikationen/Monatsbericht-201007.pdf
2. .
martinius26 20.08.2010
Zitat von sysopForderung mit Sprengkraft: Gleich zwei Verbände der mittelständischen Wirtschaft würden den Arbeitnehmern gerne zwei Wochen Urlaub im Jahr streichen. Die Begründungen sind allerdings widersprüchlich: Ein Verband verweist auf die schlechte Wirtschaftslage, der andere auf die gute. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,712801,00.html
Langsam aber sicher drehen die alle am Rad. Für 2,5 Euro die Std. arbeiten und dann auch noch auf Urlaub verzichten. Was hat denn der kleine Mann vom Urlaub? Außerdem sind 24 Tage laut Gesetz vorgeschrieben.
3. Schmerz und Tadel wahrer Lohn
wanderprediger, 20.08.2010
Zitat von sysopForderung mit Sprengkraft: Gleich zwei Verbände der mittelständischen Wirtschaft würden den Arbeitnehmern gerne zwei Wochen Urlaub im Jahr streichen. Die Begründungen sind allerdings widersprüchlich: Ein Verband verweist auf die schlechte Wirtschaftslage, der andere auf die gute. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,712801,00.html
Wer braucht schon Urlaub oder gar Gehalt? Gehaltssteigerungen gibt es für die Masse schon seit Jahren nicht mehr. Daher ist die Forderung nach weniger Urlaub auch verständlich -wer hat denn noch genug Geld um es in 6 Wochen Urlaub zu verprassen?
4. ...
mbberlin, 20.08.2010
Klingt für mich, als ob die AGs neue Grenzen austesten wollen.
5. Wozu begründen...
ingo w, 20.08.2010
das faule Pack soll arbeiten, nicht in der Sonne braten. Da ist man ja beinahe froh, dass man "nur" zwei Wochen streichen will, in Anbetracht der Existenzbedrohung unserer Wirtschaft (wahlweise durch zu teure Mitarbeiter oder durch fehlende) darf das Arbeitsameise nicht immer nur an sich denken. Da muss doch auch ein Verzicht auf den gesamten Urlaub drin sein, sonst ist die Wirtschaft des Todes!
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