Vorwurf des Bundesrechnungshofs: Arbeitsagentur manipuliert Vermittlungsstatistik

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Stand der Arbeitsagentur in Braunschweig (Archiv): Hauptsache, die Zahlen stimmen

Vermittelt wird nur, wer leicht vermittelbar ist: Der Bundesrechnungshof wirft der Agentur für Arbeit nach Informationen des SPIEGEL vor, nach diesem Prinzip eine bessere Erfolgsbilanz vorzutäuschen. Besonders Langzeitarbeitslose würden schlecht betreut.

Hamburg - In einem seit Monaten unter Verschluss gehaltenen Prüfbericht hat der Bundesrechnungshof der Bundesagentur für Arbeit (BA) vorgeworfen, sich vorrangig um leicht vermittelbare Arbeitslose zu kümmern, die anderen dagegen weitgehend zu ignorieren.

In dem Papier ist nach Informationen des SPIEGEL die Rede von "Fehlsteuerungen" und "Entwicklungen, die dem gesetzlichen Auftrag zuwiderlaufen", die Prüfer prangerten zudem "Manipulationen" zur Verbesserung der Erfolgsbilanz an und hielten es für nötig, alle Agenturen auf geschönte Statistiken überprüfen zu lassen. Dabei legten sie gegebenenfalls auch "personalrechtliche" und "strafrechtliche Konsequenzen" nahe.

Der Rechnungshof hatte in einer Stichprobe sieben der 156 Arbeitsagenturen sowie sieben Regionaldirektionen drei Monate lang untersucht. "Die Tatsache, dass wir in allen geprüften Agenturen Fehlsteuerungen festgestellt haben, zeigt, dass es sich um ein grundsätzliches Problem handelt", heißt es im Fazit.

Kern der Vorwürfe ist, dass die Agenturen sich auf die Kunden konzentrierten, die am ehesten auch ohne Hilfe auf dem Arbeitsmarkt unterkämen. Weil jede Vermittlung im internen Zählsystem gleich viel wert sei, versuchten die Agenturen so, die hohen Vorgaben aus der Zentrale zu erfüllen. Dagegen würden Arbeitslose mit Vermittlungshemmnissen schlechter betreut, da es schwerer sei, mit ihnen die Ziele zu schaffen.

"Diskriminierende Vorgehensweise"

Die Prüfer hatten festgestellt, dass die Arbeitsvermittler in den drei Monaten für mehr als 50 Prozent der Langzeitarbeitslosen keinen Stellensuchlauf gemacht und zu 45 Prozent keinen ernstzunehmenden Kontakt aufgenommen hatten.

Dieselbe Fehlsteuerung äußert sich laut Rechnungshofbericht in internen Weisungen, wonach nur aussichtsreiche Bewerber sofort einen Termin beim Vermittler bekommen sollten. Die Prüfer warfen der BA eine "diskriminierende Vorgehensweise" vor.

Um die Ziele zu erfüllen, kam es zudem laut Rechnungshof zu erheblichen Manipulationen. So stieß er auf die Praxis, dass Lehrlinge, die ohnehin von ihrer Firma übernommen werden sollten, später als erfolgreich vermittelt gezählt wurden. "Die bloße Erfassung von sicheren Übertritten mit dem Ziel einer Zählung stellt aus unserer Sicht eine Manipulation dar", heißt es in dem Bericht.

Die BA teilte mit, sie nehme den Bericht sehr ernst, befinde sich dazu in konstruktiven Gesprächen mit dem Rechnungshof und dem eigenen Verwaltungsrat. Schon jetzt sei als Konsequenz das Zielsystem weiterentwickelt worden. Bei den Manipulationsvorwürfen folge "die BA der Kritik des Rechnungshofs", allerdings gebe es "keine systematischen Manipulationen"; sie seien auch nicht im System der BA angelegt.

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insgesamt 464 Beiträge
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1. Welch Überraschung!
horstbachhofer 23.06.2013
wer die offizielle arbeitsmarktstatistik glaubt, dem ist eh nicht zu helfen. da wird getrickst, wie beim griech. staatshaushalt. nur glaubt das niemand. die meisten die arbeitslos werden, finden selber was, dann gibt es ein paar zufallstreffer, der rest wird rausgerechnet, mit allen möglichen tricks. was das arbeitsamt stellenvermittlung nennt, ist ein ausdruck von der homepage, den jeder selber machen kann. hinzu kommt, das sich leute aus vielen berufssparten gar nicht beim arbeitsamt melden. das arbeitsamt kann z.b. keine ingenieure vermitteln. wenn dann der ganze schwindel auffliegt, sind wieder alle enttäuscht und betroffen.
2. Ja,
fort-perfect 23.06.2013
Zitat von sysopVermittelt wird nur, wer leicht vermittelbar ist: Der Bundesrechnungshof wirft der Agentur für Arbeit nach Informationen des SPIEGEL vor, nach diesem Prinzip eine bessere Erfolgsbilanz vorzutäuschen. Besonders Langzeitarbeitslose würden schlecht betreut. Arbeitsagentur manipuliert laut Rechnungshof Vermittlungs-Statistik - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/arbeitsagentur-manipuliert-laut-rechnungshof-vermittlungs-statistik-a-907356.html)
wer hätte das gedacht...... die AA türkt ihre Statistiken..... Ich bin überrascht, das Politik, Staat und Verwaltung tatsächlich die Bürger belügen. Aber so ist das halt, Erfolgsstatistiken bestimmen über die monetären Zuteilungen aus den Steuertöpfen, was liegt da näher, als die entsprechenden Statistiken zu manipulieren?
3. Passt doch!
Solid 23.06.2013
Mal davon ab, dass es allgemein bekannt ist, dass sämtliche Zahlen rund um die Arbeitslosigkeit am meisten gefälscht und manipuliert werden, weil so Erfolge vorgetäuscht werden können, wo Rückschritte sind, und abgesehen von dem idiotischen gesetzlichen Auftrag, ist das, was die Agentur tut, doch im Ergebnis richtig. Da es ebenfalls allgemein bekannt ist, dass es zu wenig bezahlte Arbeit gibt für alle, müssen zwingend Arbeitslose übrig bleiben. Da hilft alle Vermittlung nichts. Daher ist es nur wirtschaftlich, zunächst die leicht vermittelbaren in Arbeit zu bringen und die übrigen einfach in Ruhe zu lassen. Nicht die Praxis der Arbeitsämter gehört hier geändert, sondern ihr Auftrag!
4. Aa
juerler@saxonia.net 23.06.2013
Zitat von sysopVermittelt wird nur, wer leicht vermittelbar ist: Der Bundesrechnungshof wirft der Agentur für Arbeit nach Informationen des SPIEGEL vor, nach diesem Prinzip eine bessere Erfolgsbilanz vorzutäuschen. Besonders Langzeitarbeitslose würden schlecht betreut. Arbeitsagentur manipuliert laut Rechnungshof Vermittlungs-Statistik - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/arbeitsagentur-manipuliert-laut-rechnungshof-vermittlungs-statistik-a-907356.html)
was für neue Erkenntnis. Das ist wie mit Vielem- was der Otto-Normalbürger schon lange weiß wird dann duch Spezialisten, Institute, Forschungsergebnisse- natürlich zeitlich versetzt 2-5 Jahre wissenschaftlich nachgewiesen. Zur AA Beispiele- die anhängigen massiven Rechtsstreitigkeiten lassen auf Fehler im Hartz -Gesetz schließen, Leiharbeit führt zu massiven Verwerfungen..........jeder weiß aber noch nicht wissenschaftlich untersucht und das nach Jahrzehnten.
5. Glaube...
franks meinung 23.06.2013
...keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast. Sicher hat die BA das nicht mit System betrieben, aber das System fordert so etwas natürlich heraus. Wenn der Erfolg von Mitarbeitern und Agenturbezirken nur noch nach Zahlen bewertet wird und nicht nach Kundenzufriedenheit, dann ist klar, was passiert. Auch in der DDR wurden die Statistiken gefälscht. Immer wurden alle Pläne erfüllt und übererfüllt. Nur zu kaufen gab es nichts. Die BA geht schon lange eine zweifelhaften Weg. So werden Ausschreibungen im Wesentlichen nicht daran gemessen, wie zufrieden man mit der Tätigkeit bisheriger Partner war und wie erfolgreich die bisherige Arbeit war, sondern im Wesentlichen danach, wer das kostengünstigste Angebot abgibt. Kommt ein "Billigheimer" mit einem tollen Angebotskonzept und super Konditionen, so ist der viel erfolgreichere Vertragspartner nicht mehr gefragt. Das Ergebnis darf man dann später bestaunen.
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