Arbeitslosenvermittlung Arbeitsagentur spart 900 Millionen Euro

Die Bundesagentur für Arbeit hat bereitstehende Mittel in Höhe von 900 Millionen Euro gespart - jetzt fließt die Summe zurück in den Bundeshaushalt. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, sollten mit dem Geld eigentlich Arbeitslose in den Jobmarkt eingegliedert werden.

Agentur für Arbeit in Dortmund: 900 Millionen Euro im Etat gespart
dapd

Agentur für Arbeit in Dortmund: 900 Millionen Euro im Etat gespart


Nürnberg - Eigentlich sollten mit den Millionen schwer vermittelbare Arbeitslose wieder in Jobs gebracht werden, stattdessen hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) das Geld gespart. Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf die Jahresbilanz berichtet, hat die BA bereitstehende Mittel in Höhe von fast 900 Millionen Euro nicht ausgegeben, die im Haushalt der Behörde eingeplant waren.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, kritisierte dieses Vorgehen in der Zeitung als "Zwei-Klassen-Arbeitsmarktpolitik", die sich auf die gut Vermittelbaren konzentriere. "Auf der Strecke bleiben Hunderttausende, denen ohne öffentlich geförderte Beschäftigung kaum zu helfen ist", sagt er.

Die Arbeitsagentur verteidigte dagegen den Sparkurs. Es sei das Denken von gestern, "dass Geld, das in den Haushalt eingestellt ist, auch ausgegeben werden muss", sagte eine Sprecherin dem Blatt. Zudem sei der Arbeitsmarkt aufnahmefähiger gewesen als in der Vergangenheit, weshalb viele Arbeitslose und Langzeitarbeitslose in Jobs vermittelbar gewesen seien ohne für Maßnahmen Geld auszugeben.

Dem Bericht zufolge standen den Jobcentern im vergangenen Jahr 2,6 Milliarden Euro zur Verfügung, um Hartz-IV-Empfänger zu fördern und zu qualifizieren. Davon seien nur 2,34 Milliarden Euro ausgegeben worden, das übrige Geld fließe in die Kassen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Die Arbeitsagenturen, die die Bezieher des Arbeitslosengeldes I betreuen, hätten von den bereitstehenden 2,78 Milliarden Euro für Eingliederungsmaßnahmen nur 2,15 Milliarden Euro ausgegeben.

nck/AFP/dapd



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insgesamt 23 Beiträge
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chramb 18.01.2013
1. Wozu...?
Zitat von sysopdapdDie Bundesagentur für Arbeit hat bereitstehende Mittel in Höhe von 900 Millionen Euro gespart - jetzt fließt die Summe zurück in den Bundeshaushalt. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, sollten mit dem Geld eigentlich Arbeitslose in den Jobmarkt eingegliedert werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/arbeitsagentur-spart-bei-arbeitslosenvermittlung-900-millionen-euro-a-878339.html
Aus eigener Erfahrung und der von Bekannten frage ich, wozu ist diese Behörde eigentlich gut? Ich habe noch nie von jemandem gehört der dank Arbeitsagentur wieder in Lohn und Brot gefunden hat. Wirkliche Hilfe bei der Stellensuche von Seiten des Amtes kommt nie. Stellenvorschläge waren i.d.R relativ veraltet oder unpassend, im Vergleich was man selber auf entsprechenden Fachportalen verschiedener Berufe im Netz finden kann. Und auch in anderen Bereichen zeigte sich die Agentur eher träge bis unflexibel. Ein Bekannter bekam zwei Termine für Vorstellungsgespräche, am Monatsende. Beide Stellen in Süddeutschland einige hundert Kilometer entfernt vom Wohnort. Leider konnte er beide nicht wahrnehmen da im das Amt nicht unter die Arme greifen wollte bei den Fahrtkosten. Er hatte bereits Fahrtkosten selber ausgelegt und hatte nun keine Reserven mehr. Später hat er dann was gefunden, aber das Amt hätte an dieser Stelle ja mehr sparen können falls er eine der Stellen bekommen hätte, und ihm wären noch einige Monate in Arbeitslosigkeit erspart geblieben.
Progressor 18.01.2013
2. Gut so!
Derzeit werden ältere Langzeitarbeitslose mit bis zu 12.000 Euro (die an den künftigen Arbeitgeber gehen) darin unterstützt Arbeit aufzunehmen. Das hat Nachteile: - Der Arbeitgeber stellt jemand ein, den er ohne finanzielle Unterstützung eigentlich nicht als Mitarbeiter haben wollte. Das ist schon mal nicht gut. - Es werden dadurch keine neuen Arbeitsplätze geschaffen. - Es bekommt jemand eine Stelle und ein anderer, der eigentlich besser qualifiziert wäre, hat das Nachsehen. Das ist negative Selektion. - Der Arbeitgeber kann durch die Zahlung des Jobcenters seine Waren oder Dienstleistungen günstiger als seine Konkurrenz anbieten. Das ist Wettbewerbsverzerrung. - Nach Ablauf des Förderungszeitraumes wird dem Arbeitnehmer in der Regel nahegelegt zu kündigen. Meist wird dafür dann eine kleine Abfindung unter der Hand bezahlt.
herr_meiermann 18.01.2013
3. ?
Ich war erst gestern bei der Arbeitagentur und erkundigte mich nach einer Weiterbildung im Pflegebereich, um meinen schlecht bezahlten Teilzeitjob zu erweitern. Das wurde rigoros abgelehnt. Begründung: Solange man in irgendeiner Beschäftigung steckt gibt es keine Förderung, das überschüssige Geld würde schließlich für die kommende Kurzarbeiterphase benötigt!
kf_mailer 18.01.2013
4. Arbeitsagentur
was für ein unsägliches Neusprech. diese Bürokraten schaffen keinen einzigen Arbeitsplatz und das Geld wird größtenteils für sinnentleerte Projekte zum Fenster rausgeworfen. Veruntreuung durch dubiöse private Fortbildungsagenturen stehen auf der Tagesordnung. Es wäre viel effizienter den Arbeitslosen ihren berechtigen "Versicherungsanspruch" direkt auszuzahlen ohne dieses nutzlose Bürokratenheer zu unterhalten.
ratschbumm 18.01.2013
5. Das Geschäftsmodell "befristete Verträge"
Zitat von ProgressorDerzeit werden ältere Langzeitarbeitslose mit bis zu 12.000 Euro (die an den künftigen Arbeitgeber gehen) darin unterstützt Arbeit aufzunehmen. Das hat Nachteile: - Der Arbeitgeber stellt jemand ein, den er ohne finanzielle Unterstützung eigentlich nicht als Mitarbeiter haben wollte. Das ist schon mal nicht gut. - Es werden dadurch keine neuen Arbeitsplätze geschaffen. - Es bekommt jemand eine Stelle und ein anderer, der eigentlich besser qualifiziert wäre, hat das Nachsehen. Das ist negative Selektion. - Der Arbeitgeber kann durch die Zahlung des Jobcenters seine Waren oder Dienstleistungen günstiger als seine Konkurrenz anbieten. Das ist Wettbewerbsverzerrung. - Nach Ablauf des Förderungszeitraumes wird dem Arbeitnehmer in der Regel nahegelegt zu kündigen. Meist wird dafür dann eine kleine Abfindung unter der Hand bezahlt.
funktioniert damit prima. Zeitvertrag über 12 Monate, Zuschuss von der BA kassieren und wieder das gleiche mit dem nächsten von vorne paraktizieren. Motto: Nie war es einfacher seine Lohnkosten zu drücken.
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