Arbeitskampf Millionen Inder streiken für Mindestlohn

Es ist der größte Streik seit Jahrzehnten: Mehrere Millionen Menschen haben in Indien ihre Arbeit nieder- und damit Teile des öffentlichen Lebens lahmgelegt. Sie fordern unter anderem einen Mindestlohn und die Entfristung von Zeitverträgen.

Proteste in Mumbai: Der Unmut entzündet sich auch an den stark steigenden Preisen
REUTERS

Proteste in Mumbai: Der Unmut entzündet sich auch an den stark steigenden Preisen


Neu Delhi - Am Frankfurter Flughafen reichen rund 200 streikende Mitarbeiter, um den Flugverkehr zu beeinträchtigen. Doch im Vergleich zu dem, was am Dienstag in Indien los war, ist das nur eine Kleinigkeit. Dort folgten mehrere Millionen Menschen einem Aufruf zum Generalstreik. In zahlreichen Städten des Landes machten viele Banken, Büros und Geschäfte wegen des Streiks gar nicht erst auf. Auch viele Märkte und Fabriken blieben geschlossen.

Mit dem Generalstreik wollen die Inder für einen Mindestlohn und einen stärkeren Arbeitnehmerschutz demonstrieren. Unter anderem geht es um die Entfristung der Zeitverträge von mehr als 50 Millionen Arbeitnehmern. Auch die hohe Inflationsrate sorgt für Unmut in der Bevölkerung. Aufgerufen hatten elf Gewerkschaften und 5000 kleinere Arbeitnehmerorganisationen, die sich gemeinsam auf die Aktion verständigt hatten.

Besonders schwer betroffen waren Bundesstaaten wie West-Bengalen, Tripura oder Kerala, wo kommunistische Parteien großen Einfluss haben. Der Nachrichtensender NDTV berichtete, allein in Kerala hätten fünf Millionen Arbeiter und Angestellte gestreikt. In Kalkutta, einer traditionell sehr gewerkschaftlich geprägten Stadt, blieben auch die Taxen und Rikschas stehen. Wie die Nachrichtenagentur PTI berichtete, wurden dort rund hundert Streikende wegen Störung des Straßen- und Bahnverkehrs vorübergehend festgenommen.

Der Generalsekretär des indischen Gewerkschaftskongresses, Gurudas Dasgupta, bezeichnete den Generalstreik als "historisches" Ereignis. Es sei das erste Mal in der Geschichte des Landes, dass sich alle großen Gewerkschaften zu einem gemeinsamen Protest gegen die "arbeitsfeindliche Politik der Regierung" zusammengeschlossen hätten.

sk/AFP/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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Barath 28.02.2012
1. Ich wünsche den Indern viel Erfolg...
Zitat von sysopREUTERSEs ist der größte Streik seit Jahrzehnten: Mehrere Millionen Menschen haben in Indien ihre Arbeit nieder - und damit Teile des öffentlichen Lebens lahmgelegt. Sie fordern unter anderem einen Mindestlohn und die Entfristung von Zeitverträgen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,818179,00.html
Oh Gott! Bald haben wir es geschaft und sind im Niedriglohnesektor mit Indien konkurenzfähig! Hurra!
Holzhausbau 28.02.2012
2. Wirklich toll!
Zitat von BarathOh Gott! Bald haben wir es geschaft und sind im Niedriglohnesektor mit Indien konkurenzfähig! Hurra!
Tausend Dank an unsere Politiker - die unermüdlich gegen uns arbeiten, um solche Ergebnisse zu erzielen! Trotzdem stellt sich die Frage: 1. Auf welcher Seite stehen die Gewerkschaften? 2. Wie hirntot ist die deutsche Bevölkerung?
AuchNurEinNick 28.02.2012
3.
Zitat von sysopREUTERSEs ist der größte Streik seit Jahrzehnten: Mehrere Millionen Menschen haben in Indien ihre Arbeit nieder - und damit Teile des öffentlichen Lebens lahmgelegt. Sie fordern unter anderem einen Mindestlohn und die Entfristung von Zeitverträgen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,818179,00.html
Geil! Kalkutta wird den Mindestlohn vor Hamburg haben. Na ja, die haben halt auch Gewerkschaften und keinen DGB ...
alexkie 28.02.2012
4.
Zitat von AuchNurEinNickGeil! Kalkutta wird den Mindestlohn vor Hamburg haben. Na ja, die haben halt auch Gewerkschaften und keinen DGB ...
Und zugleich so hohe Löhne. Damit wäre der Beweis ja erbracht: Ein Mindestlohn sichert den Wohlstand.
querdenker13 28.02.2012
5.
Zitat von BarathOh Gott! Bald haben wir es geschaft und sind im Niedriglohnesektor mit Indien konkurenzfähig! Hurra!
Wenn es bei uns so weiter geht sind wir auf dem Niveau von Vietnam. Dort sind die Löhne noch geringer, so das schon Firmen aus China die Produktion teilweise dorthin verlagert haben. Aber wie sagte ein Mitglied aus der jetzigen Regierungsfraktion: 'Alles was Arbeit schafft ist sozial.' Den Preis der dafür zu zahlen ist interessierte diese Person nicht. Leider ist mir entfallen wer es sagte.
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