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Mangelnde Absicherung: Fast jeder Vierte rutscht direkt in Hartz IV

Das höchste Risiko haben Leiharbeiter: Jeder vierte Arbeitslose muss nach dem Jobverlust sofort Hartz IV in Anspruch nehmen. Die Zahl der Empfänger sinkt laut einem Bericht weniger als gedacht, nun müsse das Finanzministerium 700 Millionen nachschießen.

Schalter für Hartz-IV-Anträge in Köln: Oft reicht das Arbeitslosengeld I nicht Zur Großansicht
DPA

Schalter für Hartz-IV-Anträge in Köln: Oft reicht das Arbeitslosengeld I nicht

Berlin - Hartz IV wird wegen der hohen Zahl von Langzeitempfängern oft als Endstation bezeichnet. Für nahezu jeden vierten Betroffenen steht die Sozialleistung jedoch auch gleich am Beginn seiner Arbeitslosigkeit. Das berichtet die Chemnitzer "Freie Presse" unter Berufung auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit.

Vielen Hartz-IV-Empfängern steht der Zeitung zufolge das Arbeitslosengeld I entweder nicht zu oder es reicht zur Sicherung des Lebensunterhalts nicht aus. Dies betraf im vergangenen Jahr 23,3 Prozent aller neu gemeldeten Arbeitslosen. 2008 hätten dagegen noch 21,5 Prozent der Neu-Arbeitslosen Hartz IV bezogen. Das höchste Risiko tragen dem Bericht zufolge Leiharbeiter. Mehr als jeder Dritte, der gerade seinen Job in einer Zeitarbeitsfirma verloren habe, sei 2012 gleich auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen gewesen.

Die Kosten für Hartz IV fielen zudem in diesem Jahr höher aus als erwartet, berichtete die "Bild"-Zeitung ohne Nennung von Quellen. Die Bundesregierung sei bei Aufstellung des Haushaltsplans davon ausgegangen, dass die Zahl der Berechtigten wegen der guten Konjunktur weiter sinke. Nun müsse das Bundesfinanzministerium 700 Millionen Euro nachschießen. Laut den bisherigen Haushaltsplänen soll der Bund dieses Jahr rund 32 Milliarden Euro für Hartz IV ausgeben.

dab/Reuters

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1. Kosten für Hartz IV
tommahawk 23.11.2013
Wir geben 32 Mrd. EUR aus unseren Steuergeldern für Hartz IV aus und müssen uns beschimpfen lassen, dass wir trotzdem noch zuwenig Steuern zahlen. Ein wenig Dankbarkeit für diese soziale Hängematte wäre hier und da schon angebracht, oder? Ihr müsst ja nicht gleich meinen Rasen mähen!
2.
HarrySe 23.11.2013
Zitat von tommahawkWir geben 32 Mrd. EUR aus unseren Steuergeldern für Hartz IV aus und müssen uns beschimpfen lassen, dass wir trotzdem noch zuwenig Steuern zahlen. Ein wenig Dankbarkeit für diese soziale Hängematte wäre hier und da schon angebracht, oder? Ihr müsst ja nicht gleich meinen Rasen mähen!
Was hat das jetzt mit dem Artikel zu tun. Es geht doch bei dem Artikel darum, dass es Jobs gibt, wenn man die verliert, kann man vom ALG 1 nicht leben und muss ALG 2 beantragen.
3. @tommhawk
@rte 23.11.2013
immer daran denken, der normale arbeitnehmer ist immer nur eine kündigung und 12 monate algI vom algII entfernt
4. Nicht immer nach unten treten!
xfbrx 23.11.2013
Zitat von tommahawkWir geben 32 Mrd. EUR aus unseren Steuergeldern für Hartz IV aus und müssen uns beschimpfen lassen, dass wir trotzdem noch zuwenig Steuern zahlen. Ein wenig Dankbarkeit für diese soziale Hängematte wäre hier und da schon angebracht, oder? Ihr müsst ja nicht gleich meinen Rasen mähen!
Die Gesamtausgaben liegen so im Bereich von 300 Mrd. Euro, da sind die 32 Mrd. für Hartz IV jetzt nicht so viel. Ausserdem: 1. Von den 32 Mrd. fließen geschätzte 30 Mrd. innerhalb von 4 Wochen wieder direkt in unseren Wirtschaftskreislauf. Das kann man von den hunderten von Mrd. Euros für Bankenrettungen und Co nicht behaupten. 2. Es geht nicht ohne Hartz IV, Vollbeschäftigung ist ein Hirngespinst, das sollte doch eigentlich jeder kapiert haben. Vollbeschäftigung wäre nur möglich wenn die Wochenarbeitszeit auf ca. 20-25 Stunden reduziert würde, und Strafsteuern auf längere Arbeitszeit erhoben werden würden. (vgl. 28 Stunden Wochenarbeitszeit im Durchschnitt laut Bericht auf Spiegel.de letzte Woche) Das viel oder wenig Steuern zahlen sollte nicht das Thema sein. Es sollte alles neu organisiert werden, damit der Wohlstand den wir hier in Deutschland offensichtlich haben, auch bei allen ankommt, und nicht nur bei der oberen Hälfte. Das geht nicht indem man einfach eine "Reichensteuer" einführt, dazu müsste einiges am System verändert werden.
5. Mindestlohn jetzt
atech 23.11.2013
Zitat von sysopDPADas höchste Risiko haben Leiharbeiter: Jeder vierte Arbeitslose muss nach dem Jobverlust sofort Hartz IV in Anspruch nehmen. Die Zahl der Empfänger sinkt laut einem Bericht weniger als gedacht, nun müsse das Finanzministerium 700 Millionen nachschießen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/a-935242.html
daher ist es wichtig, dass der bundesweite Mindestlohn in Höhe von mindestens 8,50 Euro sofort in Kraft tritt. Und nicht erst 2016 oder branchenabhängig. Nur so wird sichergestellt, dass in Vollzeit tätige Menschen eine Chance auf ein Einkommen haben, das ihnen wenigstens das Existenzminimum sichert. Da dann vermutlich auch die anderen Löhne und Gehälter angehoben werden, werden - hoffentlich - immer mehr Menschen ein Einkommen haben, das ihnen auch bei Arbeitslosigkeit oder beim Eintritt ins Rentenalter ein Leben ohne ALG II/Sozialhilfe sichert. Ohne faire Löhne werden wir, die berufstätige Bevölkerung, die Steuerzahler, auch in Zukunft die Sklavenhalter subventionieren, die ihren Angestellten Hungerlöhne zahlen, so dass diese mit ALG II aufstocken müssen, bei Arbeitslosigkeit weiterhin Alg II benötigen und nach einem Jahr vollends in Alg II abrutschen.
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Hartz IV
Seit Jahren gibt es Streit über die Betreuung von Hartz-IV-Empfängern. Organisatorisch zuständig sind seit 2005 Arbeitsgemeinschaften von Bundesagentur für Arbeit (BA) und kommunalen Sozialämtern - abgekürzt als Arge bezeichnet.

Verankert wurde diese Mischverwaltung im Hartz-IV-Gesetz über die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Derzeit gibt es 353 Argen, in denen sich 55.000 Mitarbeiter um 5,2 Millionen Hilfsbedürftige kümmern. Daneben gibt es das sogenannte Optionsmodell, bei dem in 69 Kreisen und Gemeinden die Kommunen die alleinige Verantwortung haben.

Von Beginn an gab es Reibereien in den Arbeitsgemeinschaften. Nach Feststellungen des zuständigen Ombudsrats krankt die Organisationsform an dem "ständigen, oft zeitaufwendigen Abstimmungsbedarf" zwischen den Beteiligten. Dabei konkurrieren Kommunen und BA um das Ausmaß ihrer Zuständigkeiten. Die Zusammenarbeit vor Ort leidet auch darunter, dass die Argen kein eigenes Personal haben und die dort tätigen Mitarbeiter von Bundesagentur und Kommune unterschiedlich bezahlt werden.
So viel bekommen Hartz-IV-Empfänger monatlich
in Euro ab 1/2011 ab 1/2012 ab 1/2013
Erwachsener (100 %) 364 374 382
Kind (bisher 60 %)
unter 6 Jahre
215 219 224
Kind (bisher 70 %)
6 bis unter 14 Jahre
251 251 255
Kind (bisher 80 %)
14 bis unter 18 Jahre
287 287 289
Quelle: BMAS

So berechnet sich der Regelsatz (für Einzelpersonenhaushalte in Euro)
Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke 128,46
Bekleidung und Schuhe 30,40
Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung 30,24
Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände 27,41
Gesundheitspflege 15,55
Verkehr 22,78
Nachrichtenübermittlung 31,96
Freizeit, Unterhaltung, Kultur 39,96
Bildung 1,39
Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen 7,16
Andere Waren und Dienstleistungen 26,50
* Die Summe der Verbrauchsausgaben ist 361,81 Euro; die Differenz zu 364 Euro ergibt sich, weil die Statistiker den Bedarf im Jahr 2008 erhoben, und die Regierung die Preissteigerung seither berücksichtigt hat.
Quelle: Paritätischer Wohlfahrtsverband, Bundesagentur für Arbeit

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