Test der Bundesagentur Arbeitslosengeld an der Supermarktkasse

Empfänger von Arbeitslosengeld bekommen in manchen Städten neuerdings Notfallgeld an der Supermarktkasse. Wie läuft das Experiment der Bundesagentur? Eine erste Bilanz.

Supermarktkasse(Archivbild)
DPA

Supermarktkasse(Archivbild)


Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat an Empfänger von Arbeitslosengeld an Supermarktkassen mehr als eine halbe Million Euro in bar ausgezahlt. Hintergrund ist ein Test für ein Verfahren, um Arbeitslosengeld-II-Empfängern in finanziellen Notlagen schneller und unkomplizierter zu helfen. Das Verfahren wird seit Ende Mai in neun Städten erprobt.

Bislang standen für solche Notfälle an rund 300 Stellen Kassenautomaten in Jobcentern und Arbeitsagenturen bereit. Diese sollen nun aus Kostengründen und wegen Störanfälligkeit abgebaut werden. Auch soll die Zahl der Auszahlungsstellen durch das neue Verfahren deutlich steigen.

An dem Experiment der BA sind Supermärkte und Drogerie wie Rewe, Penny, Real, dm und Rossmann beteiligt. Bis Mitte August wurden rund 2100 Auszahlungen geleistet, teilte die Bundesagentur mit. Mitarbeiter und Arbeitslosengeld-Empfänger hätten das neue Verfahren sehr gut akzeptiert, bilanzierte die Nürnberger Behörde. Die Auszahlungen seien störungsfrei abgelaufen.

Zu den Pilotstandorten gehören München, Schwandorf und Dortmund sowie die Jobcenter Börde, Dortmund, Neuwied, Oberhausen, Salzgitter und Wolfsburg. Im nächsten Schritt sollen im November 20 weitere Dienststellen hinzukommen, die ihre Kassenautomaten aus technischen Gründen schon abgeben mussten. Bis Ende Januar 2019 soll das Verfahren flächendeckend eingeführt werden.

Damit Arbeitslose bei den Händlern Geld bekommen, müssen sie einen "neutral gehaltenen" Zettel mit einem Barcode vorlegen, den sie sich im Jobcenter oder der Arbeitsagentur abholen können. Dieser wird an der Kasse eingescannt und der angezeigte Betrag sofort ausgezahlt.

Die Linke hatte das neue Verfahren im Vorfeld als unnötige Stigmatisierung von Arbeitslosen kritisiert. Von der BA hieß es, der Zahlschein sei anonym, enthalte keine Personendaten und lasse keinen Rückschluss auf die Arbeitsagentur zu. "An den Kassen ist nicht erkennbar, ob es sich um eine Barauszahlung der Arbeitsagentur oder eine Rückzahlung aus einem Onlineeinkauf handelt."

ssu/dpa



insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
mcmercy 28.08.2018
1.
Muss man nicht verstehen. Warum überweist man den Leute nicht einfach das Geld auf Ihr Girokonto, dann kann man das an jedem Geldautomaten abholen. Überweisungen sollten heutzutage auch nicht mehr als einen Tag dauern.
dasfred 28.08.2018
2. Pragmatische Lösung
Supermärkte gibt es flächendeckend und mit unschlagbaren Öffnungszeiten. Ich kenne eine Hartz iv Empfängerin in meiner Nachbarschaft, die schon das normale Angebot, mit der Kontokarte im Supermarkt Geld zu holen, sobald es überwiesen wurde, nutz, weil sie aufgrund ihrer Gehbehinderung nur schwer zu ihrer Hausbank kommt. Die hätte sicher auch kein Problem, eine Sonderzahlung ohne Konto so einzulösen. Und bei Leuten, die sich an der Kasse sonst Geld auszahlen lassen, weiß man eben nicht, ob es vom Amt oder Arbeitgeber kommt. Ich sehe da weniger Stigmatisierung als bei Lebensmittelgutscheinen.
so-long 28.08.2018
3. Datenschutz
ist nur was für die Anderen und die Doofen. Oder wird die Kassiererin vereidigt zum schweigen?
lollopa1 28.08.2018
4. @mcmercy
weil es viele gibt die kein Konto haben, deswegen. Und nicht jede Bank ist verpflichtet Ihnen ein Konto zu eröffnen, bevor Sie nachfragen....
three-horses 28.08.2018
5. Ein Vorgang wie jede andere.
Zitat von so-longist nur was für die Anderen und die Doofen. Oder wird die Kassiererin vereidigt zum schweigen?
Gut das will ich nicht bestreiten. Doof und ein Andere. Also bin ich dabei. Warum soll ich herum laufen wenn ich gerade bei Aldi bin? Und warum soll sich jemand was denken? Bequemer geht nicht mehr. Kostet die Kassiererin etwas Zeit wenn es erstesmal ist. Das eine sauer oder einem schieff ansieht habe ich nicht erlebt. Ein Vorgang wie jede andere.
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