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01. Juni 2012, 15:35 Uhr

Krisenfolgen

Arbeitslosenquote in Euro-Zone steigt auf Allzeithoch

Trauriger Rekord für die Euro-Länder: Noch nie waren so viele ihrer Bürger auf Jobsuche. Die Arbeitslosenquote steigt auf den höchsten Wert seit Beginn der Datenerhebung. Die EU-Kommission warnt, die Zahlen in manchen Ländern seien "inakzeptabel hoch".

Luxemburg/Brüssel - Die Wirtschaftskrise in Europa hat Folgen für den Arbeitsmarkt. Neue Zahlen der Statistikbehörde Eurostat zeigen jetzt, wie dramatisch die Lage mittlerweile ist: Demnach waren in den 17 Ländern der Euro-Zone im April 17,4 Millionen Menschen ohne Job. Um jahreszeitliche Einflüsse bereinigt entspricht das einer Arbeitslosenquote von elf Prozent - der höchste Wert seit Beginn der Datenerhebung für die Währungsunion im Jahr 1995.

Am düstersten ist die Lage in Spanien, das mitten in der Rezession steckt: Dort schnellte die Arbeitslosenquote auf 24,3 Prozent hoch. In Griechenland, das bereits am Tropf internationaler Geldgeber hängt, lag sie zuletzt bei knapp 22 Prozent. In Italien kletterte die Quote auf 10,2 Prozent und erreichte den höchsten Stand seit 2004.

Deutschland kommt in der aktuellen Eurostat-Statistik mit einer Arbeitslosenquote von 5,4 Prozent wie schon seit längerem recht gut weg. Nur in Österreich, Luxemburg und den Niederlanden ist ein noch geringerer Anteil ohne Beschäftigung.

Neue Daten zur Lage der Industrie in der Euro-Zone machen kaum Hoffnung auf Besserung: Der Einkaufsmanagerindex für den Sektor sackte im Mai auf den tiefsten Stand seit Mitte 2009. Im ersten Quartal rettete ein starkes Wachstum der deutschen Wirtschaft den Euro-Raum zwar noch vor einer Stagnation. Für 2012 sagt die EU-Kommission den 17 Euro-Ländern jedoch einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 0,3 Prozent voraus.

Die EU-Kommission bezeichnete das Niveau der Arbeitslosigkeit in einigen Ländern als "inakzeptabel hoch". "Diese neuen Arbeitslosenzahlen spiegeln die Dringlichkeit der Lage wider und zeigt, und dass wir dynamischere Arbeitsmärkte schaffen müssen", sagte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde.

Die Kommission hatte die EU-Staaten jüngst ermahnt, mehr für die Schaffung von Arbeitsplätzen zu tun. Zwar kämen die meisten Regierungen gut mit ihren Sparanstrengungen voran. Allerdings dürfe dies nicht zu Lasten des Wirtschaftswachstums gehen. Europas Staats- und Regierungschefs diskutieren über Wege, das Wachstum anzukurbeln. Die EU dringt auf Reformen der Rentensysteme und will die Besteuerung der Arbeit drücken.

dab/dpa/Reuters

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