Beschäftigungsboom: Zahl der Arbeitslosen fällt unter drei Millionen

Der Frühling kommt, die Konjunktur zieht an - und die Unternehmen stellen wieder ein: Die Zahl der Arbeitslosen ist erneut unter die Marke von drei Millionen gerutscht. Allerdings fiel der Aufschwung schwächer aus als in den vergangenen Jahren.

Bundesagentur für Arbeit: Mehr Beschäftigung durch Frühjahrsbelebung Zur Großansicht
ddp

Bundesagentur für Arbeit: Mehr Beschäftigung durch Frühjahrsbelebung

Wiesbaden - Im April ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland wieder unter die Drei-Millionen-Marke zurückgegangen. Das gab die Bundesagentur für Arbeit (BA) bekannt. Insgesamt waren 2,963 Millionen Männer und Frauen ohne Job. Dies waren 65.000 weniger als im März und 115.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank im April im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Punkte auf 7 Prozent.

Die Beschäftigung zieht regelmäßig im Frühjahr an, weil viele Unternehmen nach der Winterpause verstärkt einstellen. Beispiel für einen solchen Saison-Effekt ist die Bauindustrie. Im laufenden Jahr fällt die Belebung allerdings schwächer aus als in den vergangenen drei Jahren. Nach Einschätzung von Fachleuten haben im April vor allem Saison-Effekte für sinkende Arbeitslosenzahlen gesorgt; die Konjunktur dagegen sorge kaum noch für Schub auf dem Arbeitsmarkt.

"Wir spüren die Schleifspuren des schwachen letzten Quartals 2011", sagt Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld. Im vierten Quartal 2011 war das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent gesunken.

Auch in den kommenden Monaten dürfte das deutsche Wirtschaftswachstum eher moderat ausfallen - was sich mit einiger Verzögerung auch auf den Arbeitsmarkt auswirken wird. "Viele Firmen fahren im Moment auf Sicht und warten erstmal ab, wie die wirtschaftliche Lage sich weiter entwickelt", sagt Tuchtfeld. Deutsche-Bank-Volkswirt Steffen Schneider rechnet zumindest für die erste Jahreshälfte mit einer Stagnation auf dem Arbeitsmarkt.

Etwas optimistischer beurteilen dagegen die DZ- und die HypoVereinsbank sowie das Münchner Ifo-Institut die Arbeitsmarktlage. Für Alexander Koch von der HypoVereinsbank sind zwar ebenfalls die Zeiten des Job-Booms vorbei. "Trotzdem läuft der Arbeitsmarkt weiter in Richtung Beschäftigungsaufbau" - wenn auch nicht mehr so rasant wie 2011.

Industrie der Euro-Zone schrumpft wie seit drei Jahren nicht mehr

Nicht nur am Arbeitsmarkt schwächt sich der Aufschwung ab. Auch die Industrie in den Euro-Ländern meldet schlechte Zahlen. Der Einkaufsmanagerindex rutschte im April um 1,8 auf 45,9 Punkte ab, teilte das Markit-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage unter 3000 Firmen mit. Das ist der schlechteste Wert seit knapp drei Jahren. Das Barometer entfernte sich damit weiter von der 50-Punkte-Marke, ab der Wachstum signalisiert wird. Die Misere schlägt auch auf den Arbeitsmarkt durch: In Europas Industrie wurden so viele Jobs gestrichen wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr.

"Die Euro-Zone-Industrie ist im April noch tiefer in die Rezession geschlittert", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Die Schwäche ist nicht mehr nur auf Krisenstaaten wie Spanien, Griechenland und Italien begrenzt. Lediglich in Österreich und Irland signalisierte das Barometer noch Wachstum. "Da sich ein Großteil des Warenverkehrs zwischen den Euro-Ländern abspielt, haben die Nachfrage-Ausfälle aus Südeuropa zunehmend negative Auswirkungen auf die gesamte Euro-Zone", sagte Williamson. "Offensichtlich auch auf Deutschland, was die neuerlichen Produktionskürzungen dort zeigen."

ssu/dpa-AFX/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 128 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Brav SPON, brav,
herr_kowalski 02.05.2012
Zitat von sysopDer Frühling kommt, die Konjunktur zieht an - und die Unternehmen stellen wieder ein: Die Zahl der Arbeitslosen ist erneut unter die Marke von drei Millionen gerutscht. Allerdings fiel der Aufschwung schwächer aus als in den vergangenen Jahren. Beschäftigungs-Boom: Zahl der Arbeitslosen fällt unter drei Millionen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,830830,00.html)
immer schön ReGIERungssprech pflegen. Millionen Aufstocker sind happy über diese verringerte Arbeitslosigkeit.
2.
oneil57 02.05.2012
Leider wird ja nie gesagt wer von seiner Hände Arbeit überhaupt leben kann. Selbst die Einführung eines Mindeslohn von 8,50 Euro würde einem "normalen" Leben nicht gerecht, geschweige denn die Sozialkassen gefüllt.
3. Das Zauberwort = Werksverträge!
unixv 02.05.2012
Da werden unsere Mitbürger mal so richtig abgezogen, 7€ die Stunde sind da schon sehr viel! Leider machen gerade die Großen, Audi, BMW, Daimler dabei ganz vorne mit! Abzocke und Betrug an die Zukunft dieser Menschen ist das, nichts anderes! Uns sowas als Beschäftigungs- Boom zu verkaufen ist schon mehr als übel! Leute wacht auf, hier wird nur noch Politik für Bankster und Wirtschaftsmafia gemacht, und alle : SPDFDPCDUGRÜNE zocken da mit! Wie hat die SPD uns diese Agenda2010 als wohltat verkauft? Fordern und fördern, nur gefördert wird außer der Wirtschaft, NICHTS! Bei uns an der Tafel wo ich ein paar Mal die Woche ehrenamtlich helfe, stehen auch immer öfter junge Menschen an, die aber einen sogenannten Vollzeitjob haben, mit Werksvertrag, einige von ihnen schlaffen in der Woche im Auto oder Zelt, weil es für ein Hotel oder ähnlich nicht reicht, das Geld für die Heimfahrt am Wochenende ist meist auch nicht vorhanden! Danke an die SPD/GRÜNE für diese Wohltaten! und an CDU/FDP dafür das ihr diesen Irrsinn nicht beendet! erhöht euch doch mal wieder kräftig die Diäten!
4.
koma2000 02.05.2012
als ob irgendjemand diesen geschönten zahlen der arge glauben schenkt...macht euch schlau leute, es bekommen immer noch fast 6 mio. menschen arbeitslosengeld.
5. und bei Behinderten explodiert
dandy 02.05.2012
die Arbeitslosigkeit. Fazit: mal wieder Märchenstunde aus Nürnberg
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Arbeitslose
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 128 Kommentare