Quote bei 10,8 Prozent Arbeitslosigkeit in Italien steigt dramatisch

In den südeuropäischen Krisenländern ist auf dem Jobmarkt keine Erholung in Sicht. In Italien stieg die Arbeitslosigkeit auf den höchsten Stand seit acht Jahren. Auch in Spanien und Italien hat sich die Lage verschärft. Deutschland dagegen hält sich noch gut.

Arbeitssuchende in Spanien: Keine Erholung in den Krisenländern
REUTERS

Arbeitssuchende in Spanien: Keine Erholung in den Krisenländern


Luxemburg/Rom - Die Zahl der Arbeitslosen in der Euro-Zone hat im Juni einen neuen Höchststand erreicht. 17,8 Millionen Menschen waren ohne Job, teilte die EU-Statistikbehörde am Dienstag mit. Das entspricht einer Quote von 11,2 Prozent. Im Juni wurden 123.000 mehr Arbeitslose gezählt als im Vormonat. Bei den Menschen unter 25 Jahren war mehr als jeder Fünfte ohne Job (22,4 Prozent in der Euro-Zone, 22,6 Prozent in allen EU-Ländern).

In Spanien liegt die Arbeitslosenquote bei 24,8 Prozent, in Griechenland laut Zahlen vom April bei 22,5 Prozent. Damit weisen die beiden Krisenländer den höchsten Stand bei der Erwerbslosenquote auf.

Auch in Italien hat sich die Lage verschlechtert. Dort ist die Arbeitslosigkeit auf den höchsten Stand seit mindestens acht Jahren gestiegen. Im Juni kletterte die um jahreszeitliche Schwankungen bereinigte Quote auf 10,8 Prozent, wie aus offiziellen Daten vom Dienstag hervorgeht. Es ist der höchste Wert seit Einführung der monatlichen saisonbereinigten Daten 2004 und seit Beginn der Quartalszahlen-Statistik 1999.

Knapp 2,8 Millionen Menschen waren im Juni in Italien ohne Arbeit. Innerhalb eines Jahres sei die Arbeitslosigkeit um 37,5 Prozent hochgeschnellt, erklärten die Statistiker. Sie zählten in diesem Zeitraum 761.000 Erwerbslose mehr. Allein zwischen Mai und Juni kamen den Angaben zufolge 73.000 Arbeitslose hinzu. Bei den 15- bis 24-Jährigen liegt der Anteil der Arbeitslosen bei 34,3 Prozent. Mehr als 600.000 Menschen in dieser Altersgruppe suchen einen Job. Italiens Wirtschaft schrumpft seit Sommer 2011 Der Internationale Währungsfonds sagt dem Land für 2012 einen Konjunktureinbruch von knapp zwei Prozent voraus.

Deutschlands Jobwunder schwächelt

In Deutschland hat sich der Aufschwung auf dem Jobmarkt zwar abgeschwächt, dennoch gibt es hier so wenig Arbeitslose wie in kaum einem anderen Land der Euro-Zone. Mit einer EU-Arbeitslosenquote von 5,4 Prozent rangiert Deutschland nun gleichauf mit Luxemburg auf dem dritten Platz, wie die EU-Statistikbehörde mitteilte. Weniger Arbeitslose gab es nach den aktuellsten Daten vom Juni nur noch in den Niederlanden (5,1 Prozent) und Österreich (4,5 Prozent).

Die Europäische Union berechnet die Arbeitslosigkeit nach anderen Kriterien als die deutsche Bundesagentur für Arbeit (BA). Deshalb weichen die EU-Angaben von denen aus Deutschland ab. Laut BA ist die Zahl der Arbeitslosen im Juli um 67.000 auf 2,876 Millionen gestiegen. Die Arbeitslosenquote liegt damit nach deutscher Berechnung bei 6,8 Prozent. Damit waren im Juli immer zwar noch rund 63.000 Menschen weniger arbeitslos als vor einem Jahr. Doch es mehren sich die Zeichen, dass es nicht immer so positiv weitergeht.

mmq/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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einsteinalbert 31.07.2012
1. wer denn etwas
anderes zu erwarten ? Alle veröffentlichen Zahlen - nicht nur die von Deutschland - sind " frisiert " und daher bestenfalls nur geeignet, das Volk noch etwas länger " hinzuhalten ". Schlechte Nachrichten veröffentlich . . . das macht niemand gerne. Die Glaubwürdigkeit geht aber dabei Flöten. Die EU berechnet die Arbeitslosigkeit nach anderen Kriterien . . . usw. Allein daran sieht man wie getrickst wird.
vhe 31.07.2012
2. Nicht mehr lange...
und Deutschland tritt aus dem Euro aus. Dann koennen die PIIGS abwerten und werden wieder konkurrenzfaehig.
oliver71 01.08.2012
3. Aprilwetter?
Gestern habe ich noch gelesen, dass unsere kriselnden EU-Nachbarn auf gutem Wege sind und sich ihre Wettbewerbsfähigkeit spürbar gebessert hat. Und heute muss ich lesen, dass die Arbeitslosigkeit in der EU auf ihrem Allzeithoch ist und noch ansteigt. Was denn nun? Die präziseste Maxime der Feststellung der Wettbewerbsfähigkeit ist die Auftragslage der Unternehmen. Wenn diese steigt kann man von einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit sprechen. Dies ist dann in der Regel direkt mit Einstellungen und dem Absinken der Arbeitslosenzahlen verbunden. Vielleicht reicht unseren Nachbarn aber auch eine Verdummung der Bevölkerung wie in Deutschland. Man benötigt einfach sinnlose Schulungen und 1 Euro-Jobs und macht aus Vollzeitbeschäftigungen Teilzeitbeschäftigung und schon ist die Arbeitslosigkeit halbiert.
böseronkel 01.08.2012
4.
Zitat von vheund Deutschland tritt aus dem Euro aus. Dann koennen die PIIGS abwerten und werden wieder konkurrenzfaehig.
Dann können die PIIGS abwerten und werden wieder konkurrenzfähig. Konkurrenzfähig? Wird dann etwa der Maschinen- oder Autobau von Deutschland nach Griechenland verlagert? Sicher ist allerdings, dass deutsche Unternehmen nicht mehr in die PIIGS exportieren können, weil die deutschen Waren für diese Staaten unbezahlbar sind. Dass dann die Target2-Forderungen und bei den Banken lagernde Wertpapiere wertlos werden und voll abgeschrieben werden müssen, ist sicher kein Geheimnis. Aber diese Verluste werden wie gewohnt von der dem Diktat der „Märkte“ unterliegenden Bundesregierung den kleinen und mittleren Steuerzahlern aufgebrummt.
muellerthomas 01.08.2012
5.
Zitat von böseronkelDann können die PIIGS abwerten und werden wieder konkurrenzfähig. Konkurrenzfähig? Wird dann etwa der Maschinen- oder Autobau von Deutschland nach Griechenland verlagert? Sicher ist allerdings, dass deutsche Unternehmen nicht mehr in die PIIGS exportieren können, weil die deutschen Waren für diese Staaten unbezahlbar sind. Dass dann die Target2-Forderungen und bei den Banken lagernde Wertpapiere wertlos werden und voll abgeschrieben werden müssen, ist sicher kein Geheimnis. Aber diese Verluste werden wie gewohnt von der dem Diktat der „Märkte“ unterliegenden Bundesregierung den kleinen und mittleren Steuerzahlern aufgebrummt.
Nach Griechenland vielleicht nicht, Spanien jedoch hatte bis Ende der 90er Jahre eine ausgeglichene Leistungsbilanz während Deutschland eine negative aufwies und Italien hatte noch bis Ende 2002 eine positive Leistungsbilanz, Irland bis 2004. Das spricht doch stark dfafür, dass diese Länder durchaus exportfähige Produkte anbieten konnten, in den letzten Jahren jedoch an preislicher Wettbewerbsfähigkeit (gegenüber Deutschland) verloren haben. Nun ja, bevor es Target-2 Salden gab, waren doch fast alle stolz auf die tollen Exportüberschüsse. Auch das wären7sind volkswirtschaftliche Verluste.
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