Krise in Griechenland: Jeder zweite Jugendliche ist arbeitslos

So mies stehen die Berufschancen im Euro-Raum sonst nur in Spanien: Mehr als die Hälfte aller junger Griechen ist ohne Job. Damit erreicht die Arbeitslosigkeit einen Rekordwert - und auch die Zukunftsaussichten sind in dem von Sparzwängen gebeutelten Land alles andere als positiv.

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Job-Krise in Griechenland: Vor allem junge Menschen sind von ihr betroffen

Athen - Die Staatsschuldenkrise schlägt immer mehr auf den Arbeitsmarkt in Griechenland durch: Seit Monaten steigt die Arbeitslosenquote stetig an. Jetzt zeigen neue Zahlen, wen es am härtesten trifft: Jugendliche. 50,8 Prozent der 15- bis 24-Jährigen gingen in dem rezessionsgeplagten Mittelmeerland im Januar keiner regulären Arbeit nach, wie das Statistikamt Elstat ermittelte. Das sind doppelt so viele wie noch vor drei Jahren. Einzig in Spanien gibt es im Euro-Raum eine noch höhere Jugendarbeitslosigkeitsquote.

Betrachtet man die Arbeitslosigkeit insgesamt, sieht es auch nicht besser aus: Sie stieg im Januar auf den Rekordwert von 21,8 Prozent, damit sind 1,08 Millionen Menschen ohne Job. Dieser Wert ist doppelt so hoch wie der Durchschnitt in der Euro-Zone. Auch hier gilt: Nur in Spanien sieht es noch schlechter aus: Im ersten Quartal lag die Arbeitslosenquote hier bei 22,9 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland lag der Wert im März bei lediglich 7,2 Prozent.

Die Zahlen geben der europäischen Schuldenkrise ein Gesicht: Die drastischen Sparmaßnahmen der griechischen Regierung treffen die Bevölkerung hart. Da das Pleite-Land gezwungen ist, seine Sparpläne weiterhin durchzuziehen, sehen die Zukunftsaussichten auf dem Arbeitsmarkt nicht besser aus. Die Staatsausgaben gehen zurück, Unternehmen melden Insolvenz an, große Teile der Belegschaft werden entlassen. Diese Situation verschärft sich immer mehr: Noch 2010 lag die Arbeitslosenquote bei 12,5 Prozent, ein Jahr später war sie im Schnitt bereits auf 17,7 Prozent geklettert.

Seit 2008 ist die griechische Wirtschaftsleistung um ein Fünftel geschrumpft. In diesem Zeitraum sind etwa 600.000 Stellen verlorengegangen. Wegen der zunehmenden Anträge auf Arbeitslosengeld fällt es der Regierung in Athen zunehmend schwer, ihre Haushaltsziele zu erreichen. Auch für viele Menschen mit Job ist es schwierig, den Lebensstandard zu halten. Der Staat hat den Mindestlohn um etwa ein Fünftel auf rund 580 Euro im Monat gekürzt.

cla/dpa/Reuters

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1.
glen13 12.04.2012
Zitat von sysopSo mies stehen die Berufschancen im Euro-Raum sonst nur in Spanien: Mehr als die Hälfte junger Griechen ist ohne Job. Damit erreicht die Arbeitslosigkeit einen Rekordwert - und auch die Zukunftsaussichten sind in dem von Sparzwängen gebeutelten Land alles andere als positiv. Krise in Griechenland: Jeder zweite Jugendliche ist arbeitslos - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,827189,00.html)
Die hohe Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen in Griechenlad und Spanien ist das wirkliche Drama. Denn wie soll die Zukunft aussehen, mit diesen Menschen ohne Jobs und Chancen?
2. In der Krise verschärfen sich Probleme die auch sonst existieren
sabine_26 12.04.2012
Wer oder was ist daran Schuld, dass überproportional viele Jugentliche arbeitslos sind? Ganz klar die Schutzgesetze für ältere bzw. langjährige Arbeitnehmer. Abfindungsregelungen und altersabhängige Schutzgesetze sorgen dafür, dass ältere Arbeitnehmer drin im Arbeitsmarkt bleiben und jüngere Arbeitnehmer draussen bleiben. Danke Gewerkschaften. In Deutschland gibt es die gleiche ungerechte Problematik, nur haben wir hier aktuell keine Krise und diese Art von Problemen treten dadurch nicht so in den Vordergrund.
3. Verschuldung - Überschuldung - Massenverelendung - RESET
bettercentury.blogspot 12.04.2012
genau SO funktioniert ein Schuldgeldsystem wie das unsrige. griechenland ist bei phase 3, der rest europas und amerika am ende von phase 2. auch deutschland und dem rest der EUdSSR wird der große knall nicht erspart bleiben. und ich befürchte, dass die menschheit auch dieses mal wieder so dumm sein wird, sich nach dem reset ein SCHULDGELDSYSTEM MIT GELDSCHÖPFUNG IN DER HAND VON PRIVATBANKEN andrehen zu lassen, welches einzig und allein den zweck hat, werte von fleissig nach reich zu verteilen. wer heutzutage über geld-/wertpapiervermögen von 1 mio oder mehr verfügt, dem steht ein bedingungsloses grundeinkommen zu - aus den erträgen seiner anlagen. die anderen 99% der bevölkerung schuften sich den buckel krumm, damit die vermögenskurve des geldadels immer schön nach oben zeigt. etwas ausführlicher hier: pnbc: geldschöpfung - ein unvollkommer prozess (http://bettercentury.blogspot.de/2011/12/geldschopfung-ein-unvollkommer-prozess.html) es wird ZEIT, die (geld-)systemfrage zu stellen.
4.
Treeman 12.04.2012
Zitat von sabine_26Danke Gewerkschaften. In Deutschland gibt es die gleiche ungerechte Problematik, nur haben wir hier aktuell keine Krise und diese Art von Problemen treten dadurch nicht so in den Vordergrund.
Eine kleine Replik auf ihr Gewerkschaftsbashing. Ich arbeite in einer Firma mit strenger Tarifbindung (inkl. Führungskräfte). Der Akademikeranteil ist sehr hoch, der gewerkschaftliche Organisationsgrad entsprechend klein. Die hohen Herren Akademiker -meine Person eingeschlossen- sind sich für so etwas schließlich zu fein. Das Ergebnis ist wie folgt: Die Firma erwirtschaftet Traumrenditen, (Joes 25% Eigenkapitalrendite sind bei uns durchaus Realität) und die Angestellten werden Jahr für Jahr mit Lohnzuwächsen abgespeist, die nach Abzug der Inflationsrate einen Reallohnverlust bedeuten. Und aller VDI-Propaganda zum Trotz ist der Arbeitsmarkt hinreichend angespannt, als das ich mit Familie, Haus und Hund Lust auf Experimente hätte. 1 Woche Streik (wahrscheinlich würde die glaubhafte Ankündigung reichen) und es wären 10% mehr in der Lohntüte, ohne dass das der Firma wirklich wehtun würde. Ohne Gewerkschaft aber leider nicht machbar. Schöne neue Arbeitgeberwelt.
5. Die Geburtenrate ist zu hoch
Der_Franke 12.04.2012
Zitat von sabine_26Wer oder was ist daran Schuld, dass überproportional viele Jugentliche arbeitslos sind? Ganz klar die Schutzgesetze für ältere bzw. langjährige Arbeitnehmer. Abfindungsregelungen und altersabhängige Schutzgesetze sorgen dafür, dass ältere Arbeitnehmer drin im Arbeitsmarkt bleiben und jüngere Arbeitnehmer draussen bleiben. Danke Gewerkschaften. In Deutschland gibt es die gleiche ungerechte Problematik, nur haben wir hier aktuell keine Krise und diese Art von Problemen treten dadurch nicht so in den Vordergrund.
Und alternativ? 50 Prozent Arbeitslosigkeit bei den Älteren bzw. sündhaft teuerer Vorruhestand. Ist ja uach nicht gerade die ultima ratio. Letzendlich werden wir alle für den Geburtenüberschuß in Europa bezahlen. Und bei uns wollen die wahnsinnigen Politiker, daß die Geburtenrate steigt. Wo sollen denn die Jobs für all diese heutigen Kinder in der Zukunft entstehen? Man meint bei Politikern, daß die vermutlich noch im Agrarzeitalter leben.
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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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