Studie 2040 könnten in Deutschland 3,3 Millionen Fachkräfte fehlen

Demografie und Digitalisierung könnten Fachkräfte in Deutschland schon bald zum knappen Gut machen: Bis 2040 drohen 3,3 Millionen von ihnen zu fehlen, warnen Forscher - und fordern Gegenmaßnahmen.

Werk des Maschinenbauers Schuler in Göppingen
DPA

Werk des Maschinenbauers Schuler in Göppingen


Bereits im Jahr 2030 könnten in Deutschland bis zu drei Millionen Facharbeiter, Techniker, Forscher und medizinische Fachkräfte fehlen. Zehn Jahre später, 2040, könnte diese Zahl sogar auf 3,3 Millionen steigen, wie aus aktuellen Berechnungen des Basler Forschungsinstituts Prognos hervorgeht.

Damit erwarten die Arbeitsmarkt- und Bevölkerungsforscher von Prognos nicht mehr ganz so viele fehlende Fachkräfte wie noch vor zwei Jahren. Damals kamen sie in einer Studie für die bayerische Wirtschaft noch auf eine mögliche Lücke von 3,9 Millionen fehlenden Fachkräften im Jahr 2040. Inzwischen wurden aber die Bevölkerungsprognosen korrigiert, es wird nun ein weniger starker Rückgang erwartet, was auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt etwas entspannen dürfte.

Die Experten mahnen dennoch weiterhin schnelles Handeln an. Denn Politik und Wirtschaft verfügten durchaus über passende Maßnahmen, um den drohenden Fachkräftemangel rechtzeitig zu verhindern, heißt es in der Studie.

Weiterhin ist demnach die Demografie der Hauptgrund für den drohenden Mangel - die deutsche Gesellschaft überaltert zunehmend. Trotz der leicht korrigierten Bevölkerungsprognosen werde die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter weiter stark sinken, konkret um gut zehn Prozent bis zum Jahr 2040. "Im Zuge des demografischen Wandels wird sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den nächsten 10 bis 20 Jahren erheblich verschärfen", sagt Studienautor Oliver Ehrentraut.

(Mehr Hintergründe, Analysen und Fakten zum deutschen Arbeitsmarkt im Wahljahr finden Sie in unserem Dossier.)

Dabei rechnen die Forscher bereits mit einem stetigen Zuzug von Arbeitskräften aus dem Ausland. In allen Szenarien haben sie eine durchschnittliche jährliche Zuwanderung von 200.000 Menschen unterstellt. Tatsächlich ist die Zahl der Arbeitsplätze in den vergangenen Jahren aber wesentlich stärker gestiegen, inzwischen werden Arbeitskräfte mehr und mehr zum knappen Gut. (Lesen Sie hier eine Analyse zum deutschen Jobwunder.)

Hinzu kommt der Studie zufolge, dass sich die geforderte Expertise auf dem Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren stark ändern werde. Durch den wachsenden internationalen Wettbewerb, geändertem Konsumverhalten und der Digitalisierung in fast allen Wirtschaftsbereichen würden manche Berufe nach und nach an Bedeutung verlieren, schreiben die Prognos-Experten. Dadurch verliere jetziges Fachwissen an Wert. Umgekehrt werde es künftig an Menschen fehlen, die über dann dringend gefragtes Fachwissen verfügen.

Die Basler Forscher gehen davon aus, dass zum Beispiel viele Sicherungs- und Überwachungstätigkeiten wegfallen. Auch Lastwagenfahrer und Packer müssten damit rechnen, dass ihre Arbeit künftig von Robotern und Automaten erledigt werde. Gleiches gelte für Buchhalter, Kreditsachbearbeiter und Immobilienmakler - elektronische Systeme dürften solche Berufe langfristig ersetzen.

Bildung, Vollzeit, Arbeiten im Alter

Wie sich die Digitalisierung aber konkret auf dem Arbeitsmarkt auswirken wird, ist umstritten. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass viele Berufe und Arbeitsplätze unter dem Strich wegfallen werden. Andere rechnen zwar ebenfalls mit gravierenden Umwälzungen, aber eher, was die Anforderungen an die Arbeitnehmer betrifft - insgesamt werde es aber dennoch mehr Jobs geben. (Lesen Sie hier eine ausführliche Analyse.)

Auch die Prognos-Forscher gehören zu denen, die von einem Mangel an Personal ausgehen. Schon 2020, stärker aber bis 2030, werden demnach Manager, Forscher, Ingenieure, Ärzte, Pfleger und medizinische Assistenten fehlen, in geringem Umfang auch Kreative und Journalisten.

Vorschläge für das dringend angemahnte Handeln enthält die Studie auch:

  • Vor allem die berufliche Ausbildung müsse gezielt gefördert werden, um mehr jungen Menschen zu einem Berufsabschluss zu verhelfen. Bei der akademischen Ausbildung habe sich dagegen viel getan.
  • Für Menschen im Berufsleben sei eine effektivere Weiterbildung erforderlich, die sie auf neue Jobs vorbereitet, welche mit dem Einzug des Internets in den Fabrikhallen entstünden.
  • Zudem sollte Frauen und Männern nach einer Familienpause die Rückkehr in das Erwerbsleben erleichtert werden.
  • Ältere sollten dazu motiviert werden, länger zu arbeiten.
  • Schließlich sollten Teilzeitkräfte dafür gewonnen werden, ihre wöchentliche Arbeitszeit zu verlängern.
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