Arbeitsmarkt: Frauen können von ihrem Job kaum leben

Zurück zu Minijobs und Teilzeit: Neuen Regierungsdaten zufolge arbeiten heute 640.000 Frauen weniger Vollzeit als noch vor zehn Jahren - und nur wenige könnten von ihrem Lohn allein leben. Linkspartei und Grüne kritisieren die Beschäftigungspolitik. Frauen seien immer noch "Arbeitskräfte zweiter Klasse".

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Corbis

Schweißerin (Symbolbild): Können Frauen von ihrer Arbeit leben?

Berlin - Pünktlich zum Weltfrauentag wirft die Linkspartei der Bundesregierung eine diskriminierende Arbeitsmarktpolitik vor: Obwohl die Erwerbsquote gestiegen sei, finden ihren Angaben zufolge immer weniger Frauen eine Vollzeitstelle. So arbeiteten 2009 rund 640.000 weniger Frauen Vollzeit als noch 1999 - das sei das Ergebnis einer Anfrage der Linken an die Bundesregierung, berichtet die "Frankfurter Rundschau".

Zugleich habe die Zahl der Teilzeitjobs um 1,13 Millionen zugenommen, die der Minijobs seit 2003 um 930.000. Außerdem stieg die Zahl derjenigen, die trotz Erwerbstätigkeit auf Hartz IV angewiesen sind, seit 2005 um fast die Hälfte auf fast 743.000 Frauen. Die Bundesregierung sieht die Entwicklung dennoch positiv: Immerhin hätten mehr Frauen einen Job gefunden, die Flexibilität habe die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes verbessert.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linkspartei, Sabine Zimmermann, hält dagegen, Deutschland sei von einer gleichberechtigten Teilhabe der Frauen am Erwerbsleben weit entfernt. Frauen seien noch immer "Arbeitskräfte zweiter Klasse". Die Daten der Bundesregierung seien eine "Bankrotterklärung" für die jetzige wie die vorherigen Koalitionen, sagte Zimmermann.

Am Freitag hatte das Statistische Bundesamt mitgeteilt, dass deutsche Frauen 2008 im Schnitt 23,2 Prozent weniger verdient haben als Männer. Der Abstand ist damit in den vergangenen Jahren noch größer geworden.

Laut Statistischem Bundesamt bestreitet nicht einmal jede zweite deutsche Frau ihren Lebensunterhalt überwiegend durch ihre eigene Erwerbs- oder Berufstätigkeit. 2008 führten laut Mikrozensus, der größten jährlichen Haushaltsbefragung in Europa, 32,5 Millionen Frauen einen Privathaushalt. Davon lebten 42 Prozent überwiegend von ihrem eigenen Job, 29 Prozent von Rente oder Pension - und 19 Prozent waren auf die Einkünfte ihrer Angehörigen angewiesen,

Jede zehnte Frau bestritt ihren Lebensunterhalt aus anderen Quellen: zum Beispiel Arbeitslosengeld, Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende (Hartz IV) oder dem eigenen Vermögen.

Auch von den Grünen kommt Kritik: Parteichefin Claudia Roth warf der Regierungskoalition vor, ihre Politik benachteilige Frauen. Von einer wirklichen Vereinbarkeit von Arbeit und Familie sei Deutschland noch weit entfernt, sagte Roth dem "Hamburger Abendblatt". "Wir brauchen endlich ein flächendeckendes Angebot von Betreuungsplätzen, und zwar für den ganzen Tag, und von Ganztagsschulen, wobei auch die Qualität ausgebaut werden muss", sagte sie.

Schwarzer will Frauentag abschaffen

Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer hält nichts vom Frauentag: "Schaffen wir ihn also endlich ab, diesen gönnerhaften 8. März! Und machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer", forderte die Herausgeberin der Zeitschrift "Emma" in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Rundschau".

Der 8. März sei eine "sozialistische Erfindung", die auf einen Streik von Textilarbeiterinnen zurückgehe, erklärte Schwarzer. Die Frauenbewegung sei aber bekanntermaßen Anfang der siebziger Jahre im Westen nicht zuletzt aus Protest gegen die Linke entstanden. "Eine Linke, die zwar noch die letzten bolivianischen Bauern befreien wollte, die eigenen Frauen und Freundinnen aber weiter Kaffee kochen, Flugblätter tippen und Kinder versorgen ließ."

Die realsozialistischen Länder seien in den obersten Etagen bekanntermaßen auch frauenfrei gewesen, schreibt Schwarzer weiter. "Unter diesen Vorzeichen ist die Übernahme des sozialistischen Muttertags als ,unser Frauentag' für Feministinnen, gelinde gesagt, der reinste Hohn."

cte/AFP/ddp

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Forum - Frauen verdienen weniger als Männer - wie vorgehen gegen die Ungerechtigkeit?
insgesamt 732 Beiträge
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1.
sinta 05.03.2010
Zitat von sysopDen aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts zufolge haben Frauen im vergangenen Jahr deutlich weniger verdient als Männer. Trotz aller Bemühungen von Gleichstellungsbeauftragten und Frauengruppen ist der Abstand sogar noch einmal größer geworden. Wie kann gegen die Ungerechtigkeit vorgegangen werden?
So Männer, ran ans Büffet, es ist angerichtet. Es stehen ja genug Appetithäppchen drauf, die da so aussehen: Frauen, weniger verdienen, Gleichstellungsbeauftrage, Frauengruppen, Ungerechtigkeit. The usual suspects werden sich doch hoffentlich bald einfinden: Dampflock, Everhard, chrima, Parzival v. d. Dräuen, Nior aon Duine, Christian Krippenstapel, und noch viele andere. ;-) Erst einmal wird erzählt, dass das ja alles so nicht wahr ist, dann, im Laufe der Diskussion kommt es zu dem unausweichlichem: Frauen wollen ja eh nur reiche Männer, damit sie diese dann per Unterhaltszahlungen ausbeuten und ihnen die Kinder wegnehmen können. ;)
2. Frauen an den Pilotenstick
entreotto 05.03.2010
Meiner Meinung nach hängt das damit zusammen, dass bei den Fluggesellschaften fast nur männliche Piloten sind und die Frauen arbeiten als Flugbegleiter. Also ein Pilot verdient so viel wie 5 Flugbegleiter, kein Wunder, dass so eine Studie dann rauskommt.
3.
DJ Doena 05.03.2010
Man entlässt einfach alle Männer. Dann erarbeiten alle Frauen das ganze BIP und wir Männer geben uns der aufreibenden Hausarbeit hin und beklagen uns, dass wir soviel weniger verdienen....
4. Na und ?
Pontifex 05.03.2010
"Frauen verdienen weniger als Männer" Ja und ? Deswegen sind sie lange nicht weniger wert als Männer. Wenn Männer weniger verdienen würden als Frauen. Es würde niemanden interessieren. Nicht mal Gleichstellungsbeauftragte und Frauengruppen.
5.
Kanzla87 05.03.2010
Kennt denn jemand wirklich ein Unternehmen, in dem Männer und Frauen bei gleicher Stelle/Qualifikation wirklich etwas unterschiedliches verdienen? Was mir viel eher auffällt ist die Tatsache, dass die Gehaltslücke zwischen älteren und jüngeren Mitarbeiter viel eklatanter ist (Tarifvertragsproblematik).
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Entwicklung des Durchschnittsverdiensts
Jahr Bruttoverdienst in Euro Veränderung gegenüber Vorjahr Stunden-
Lohn in Euro
2000 25.108 18,10
2001 25.563 1,8 18,59
2002 25.904 1,3 18,97
2003 26.231 1,3 19,29
2004 26.399 0,6 19,36
2005 26.470 0,3 19,55
2006 26.706 0,9 19,76
2007 27.128 1,6 20,04
2008 27.751 2,3 20,51
2009 27.648 -0,4 21,12
Quelle: Statistisches Bundesamt