Studie Geringqualifizierte und Arme bilden sich selten weiter

Nur wenige Menschen beteiligen sich an Weiterbildungsangeboten. Vor allem Ärmere und Geringqualifizierte bilden sich kaum weiter. Experten fordern deshalb, dass der Staat mehr Geld in die Hand nimmt.

Siemens-Auszubildende in Berlin (Archivfoto)
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Siemens-Auszubildende in Berlin (Archivfoto)


Nur etwa jeder Achte ab 25 Jahren hat 2015 an einer allgemeinen oder beruflichen Weiterbildung teilgenommen. Das waren dem "Weiterbildungsatlas 2018" zufolge 12,2 Prozent der Bevölkerung - und bedeutet eine leicht sinkende Tendenz im Vergleich zu 12,6 Prozent im Jahr 2012, teilte die Bertelsmann-Stiftung mit.

Der ohnehin schon niedrige Durchschnittswert wird von der Gruppe der Geringqualifizierten mit einer Quote von knapp sechs Prozent noch klar unterschritten. Auch die Gruppe der von Armut bedrohten Menschen - sie verfügen über weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltseinkommens - nimmt mit einer Quote von rund acht Prozent nur selten an einer Weiterbildung teil.

Die Politik propagiere lebenslanges Lernen und appelliere immer wieder an die Bevölkerung, sich zu engagieren, sagte Stiftungsexperte Frank Frick. "Aber zugleich gehen die Ausgaben von Bund und Ländern dafür seit Jahren deutlich zurück." Dieser Rückzug gehe zu Lasten der Geringqualifizierten, die ohne einen berufsbildenden Abschluss sind. "Die öffentliche Hand hat Weiterbildungsmaßnahmen immer weiter zurückgefahren, und die Menschen investieren selbst privat. Das können sich aber Ärmere oft nicht leisten", sagte Frick.

Wichtigste Einrichtungen öffentlicher Weiterbildung sind die Volkshochschulen. Auch Betriebe, gewerkschaftliche oder konfessionelle Träger machen Angebote.

Die Beteiligung an Weiterbildungsangeboten ist zudem regional sehr unterschiedlich: Das Schlusslicht Saarland kommt auf eine Weiterbildungsquote von 7,8 Prozent, während sie in Baden-Württemberg bei 15,3 Prozent liegt. Das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen liegt mit 10,7 Prozent klar unter dem Bundesschnitt von 12,2 Prozent.

"Zu häufig entscheidet der Wohnort und die lokale Wirtschaftskraft darüber, ob sich jemand weiterbildet", sagte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Dabei bräuchten die Menschen gerade in wirtschaftlich schwächeren Regionen Fortbildung, "um ihre Chancen auf einen guten Arbeitsplatz zu verbessern".

hej/dpa/AFP



insgesamt 75 Beiträge
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Seite 1
fatherted98 25.09.2018
1. nicht gewollt..
...eine Weiterbildung ist in den meisten Betrieben doch gar nicht gewollt. Der Arbeitnehmer soll seinen Job auf seinem Platz machen...und dort bloß nicht auf die Idee kommen aufzumucken. Fortbildung....ja können sie machen....in Ihrer Freizeit auf Ihre Kosten. Und wenn SIe dann mehr können...schön...aber mehr Geld oder einen bessern Job gibts nicht. Und wer jetzt denkt dass in Zeiten der "Vollbeschäftigung" ein Wechsel den Erfolg bringt....weit gefehlt.....Englisch oder andere Fremdsprachen....brauchen sie in dieser Position nicht....Computerwissen....ja ähm.....kann sein das wir das brauchen....aber dafür haben wir ja unseren EDV Fachmann. Und was die "prekär" Beschäftigten angeht....Thema Fördern und Fordern.....den dritten Staplerkurs ablehnen weil man den Staplerschein schon zweimal gemacht hat, zur fünften Bewerbungsschulung mit der Gleichen Kursleiterin und den Gleichen Teilnehmern (die dann meist in einer Ecke sitzen und Skat spielen) verweigern führt zur Strafmaßnahme von Seiten der Arbeitsagentur.....noch Fragen?
so-long 25.09.2018
2. Roter Faden
Bei vielen Geringqualifizierten zieht sich diese innere, passive Einstellung wie ein roter Faden durch die Lebensbiographie. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese nach Jahrzehnten plötzlich ändert, ist sehr gering. Da hilft auch kein Geld. Aber Schuld haben immer andere, bes. die Gesellschaft.
01099 25.09.2018
3.
Hä? Wozu brauchen "Geringqualifizierte" eine Weiterbildung? Soll man für das Einräumen von Regalen oder sonstige Helferjobs jetzt mehrere Fremdsprachen können, damit man dann irgendwann "Karriere" machen kann? Was für ein hanebüchener Unsinn!?
acitapple 25.09.2018
4.
Zitat von fatherted98...eine Weiterbildung ist in den meisten Betrieben doch gar nicht gewollt. Der Arbeitnehmer soll seinen Job auf seinem Platz machen...und dort bloß nicht auf die Idee kommen aufzumucken. Fortbildung....ja können sie machen....in Ihrer Freizeit auf Ihre Kosten. Und wenn SIe dann mehr können...schön...aber mehr Geld oder einen bessern Job gibts nicht. Und wer jetzt denkt dass in Zeiten der "Vollbeschäftigung" ein Wechsel den Erfolg bringt....weit gefehlt.....Englisch oder andere Fremdsprachen....brauchen sie in dieser Position nicht....Computerwissen....ja ähm.....kann sein das wir das brauchen....aber dafür haben wir ja unseren EDV Fachmann. Und was die "prekär" Beschäftigten angeht....Thema Fördern und Fordern.....den dritten Staplerkurs ablehnen weil man den Staplerschein schon zweimal gemacht hat, zur fünften Bewerbungsschulung mit der Gleichen Kursleiterin und den Gleichen Teilnehmern (die dann meist in einer Ecke sitzen und Skat spielen) verweigern führt zur Strafmaßnahme von Seiten der Arbeitsagentur.....noch Fragen?
Wenn Sie so denken werden Sie nie auf einen grünen Zweig kommen. Warum drängen denn alle die Jugendlichen, so lange wie möglich in der Schule zu bleiben und die bestmögliche Ausbildung anzustreben ? Weil es verdammt viel schwerer ist diese hinterher nachzuholen, wenn man in einem ungeliebten Job festsitzt. Aber in Deutschland ist das durchaus möglich, wenn auch mit großen Entbehrungen. Später müssen Sie eben das Abi neben dem Job nachholen. Das ist richtig kräftezehrend. Wir haben immerhin solche Möglichkeiten. Übrigens, die Weiterbildung machen Sie für sich selbst, um Ihren eigenen Wert für Unternehmen, auch andere, zu steigern. Die Arbeitsagentur soll Ihnen da schön helfen und mundgerecht DIE passende Weiterbildung servieren, die Sie vom Staplerfahrer zum CEO befähigt ? Es wird Zeit für die Realität, so leid es mir tut. Sie müssen sich selbst darum kümmern. Wo stehen Sie, wohin wollen Sie, wie kommen Sie dort hin ? Die Antwort ist nicht das Arbeitsamt. Gerade in Zeiten der Vollbeschäftigung suchen Unternehmen Leute, sicher nicht wenn 6 Mio Arbeitslose vorhanden sind.
Leser161 25.09.2018
5. Marktwirtschaft
Wenn ein Weiterbildungskurs dem hier angesprochenen prototypischen Armen was bringen würde, würde er ihn auch machen. Bloss weil jemand nicht so qualifiziert ist ist er ja nicht grundsätzlich dumm. Ist halt ein Rechenexempel. Aber leider bringt "Weiterbildung" keinen direkten geldwerten Vorteil. Was ich auch verstehe, ich weiss aus zweiter Hand was man für Dinge in staatlich/ARGE-bezahlten Weiterbildungskursen lernt und das das die Chancen auf dem Arbeitsmarkt nicht verbessert liegt auf der Hand. Kurz, wenn die Weiterbilder Geld wollen, sollen sie einfach Kurse anbieten die den Teilnehmern was bringen. Der Wunsch nach staatlicher Unterstützung ist einfach der Wunsch nach geld ohne geldwerte gegenleistung.
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