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Arbeitsmarkt: Mindestlohn wird zum Wahlkampf-Schlager

Von und Julian Trauthig

Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten für Niedriglöhne, die oft nicht zum Leben reichen. Vor der Bundestagswahl werben die linken Parteien deshalb massiv für einen gesetzlichen Mindestlohn - die Konservativen lehnen ihn ab. Was denken die Bürger? SPIEGEL ONLINE hat nachgefragt.

Hamburg - Deutschland steht vor der Wahl - für oder gegen einen Mindestlohn. Denn nie zuvor haben sich die Parteien in einem Bundestagswahlkampf so klar positioniert: Die Union und die FDP lehnen eine allgemeine gesetzliche Lohnuntergrenze vehement ab, die SPD, die Grünen und die Linken dagegen sind dafür. Und so könnte man bei den Wahlkampfveranstaltungen in diesen Tagen fast den Eindruck gewinnen, dass es nun um alles oder nichts geht - um mehr Wohlstand, eine bessere Verteilung von Geld und mehr Gerechtigkeit für Niedriglohn-Jobber.

Fakt ist: In Deutschland arbeiten immer mehr Menschen für Niedriglöhne. Laut einer kürzlich vorgelegten Untersuchung des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg arbeiten derzeit 6,5 Millionen Arbeitnehmer für einen geringen Lohn. Damit ist die Zahl der Niedriglohnbeschäftigten seit 1995 um 2,1 Millionen gestiegen. Ihr Stundenlohn liegt unterhalb der Schwelle von 9,62 Euro in Westdeutschland und 7,18 Euro in Ostdeutschland. Das ist die wissenschaftlich anerkannte Niedriglohngrenze, die die Wirtschaftsorganisation OECD festgelegt hat. Viele der Niedriglohn-Jobber arbeiten in Vollzeit - und können trotzdem nicht von ihrem Lohn leben.

Für die Union und die FDP ist eine schlecht bezahlte Arbeit trotzdem immer noch besser, als ohne Job dazustehen. Die linken Parteien sind da anderer Meinung. Sie fordern, dass der Lohn zum Leben reichen müsse. Und das geht ihrer Auffassung nach nur mit einem Mindestlohn.

Doch was denkt Deutschland über einen gesetzlichen Mindestlohn? SPIEGEL ONLINE hat verschiedene Menschen gefragt, warum sie sich für oder gegen eine Lohnuntergenze aussprechen. Die Ansichten könnten unterschiedlicher nicht sein. Da ist der Unternehmer, der sich keine Löhne vom Staat diktieren lassen will, oder der Ingenieur, der es für menschenunwürdig hält, wenn man neben dem Vollzeitjob noch Geld vom Staat braucht. Und nicht zuletzt die zwei Wissenschaftler - der eine sieht in einem Mindestlohn die Lösung vieler wirtschaftlicher Probleme, der andere glaubt, dass eine gesetzliche Lohnuntergrenze Probleme erst schafft.

Lesen Sie, wie die unterschiedlichen Meinungen ausfallen.

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Forum - Mindestlohn - die richtige Forderung?
insgesamt 3090 Beiträge
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1. Macht's endlich!
marvinw 22.09.2009
Ich frage mich warum wir fürs Thema Mindestlohn einen Artikel mit vier Mal Pro und Contra brauchen? Mindestlohn gibt es in ganz Europa, die Menschen in Deutschland im Niedriglohnsektor verdienen am wenigsten, was für eine Debatte braucht man da noch? Sollen wir noch als Drittel Welt Land enden? Dass sich die Marionetten der gierigen Kapitalisten hinter den "Konservativen" und "Neolibaralen" verstecken die Menschen für noch weniger Geld arbeiten lassen würden, ist für niemanden mehr ein Geheimnis. Deshalb: macht es endlich! Führt Mindestlohn ein!
2.
matthias schwalbe, 22.09.2009
Natürlich Mindestlohn ! Beim Bäcker und Friseur muss man auch einen Mindestpreis zahlen... Aber Mindestlohn alleine reicht noch lange nicht. Berufstätige Menschen brauchen Planungssicherheit.Will sagen-Abschaffung mit diesen unsäglichen Zeitarbeitsverträgen. Wofür gibt es Probezeiten,gestaffelte Löhne je nach Betriebszugehörigkeit und Leistung ? Viele 100000ende Menschen können kaum noch ruhig schlafen,weil Sie sich ständig Sorgen machen ob ihr Arbeitsvertrag verlängert wird oder auch eben nicht und oft genug ist nach 2xliger Verlängerung SCHLUß. Viele gehen krank auf Arbeit und werden dadurch krank ! Das alles belastet unsere Sozialsysteme noch mehr als flexibles Personal was eh schon mit staatlicher Hilfe gefördert wird Wenn Unternehmen wie z.B. Quelle/Karstadt schlecht gemanagt werden "gehen diese trotzdem den Bach" runter. Ob mit Mindestlohn oder ohne ! 100% Sicherheit gibt es heute so oder so nicht mehr-gab es eigentlich noch nie. Nur ist es ein Unterschied ob ich deswegen jeden Morgen mit Ängsten und Ungewissheit zur Arbeit gehe oder ob man mir wenigstens diese Sorge zu einem Großteil nehmen kann. Dafür brauchen wir keine linken Parteien nur gesunden Menschenverstand von Unternehmen.
3.
JamesBond006 22.09.2009
Na ja, um wettbewerbsfähig zu bleiben in Europa, wird ein Mindestlohn aber nicht förderlich sein, oder ?
4.
PeteLustig, 22.09.2009
Die Forderung nach der flächendeckenden Einführung eines Mindestlohnes ist nicht links - sie ist menschlich. Und zwingend notwendig.
5.
GrinderFX 22.09.2009
Zitat von marvinwIch frage mich warum wir fürs Thema Mindestlohn einen Artikel mit vier Mal Pro und Contra brauchen? Mindestlohn gibt es in ganz Europa, die Menschen in Deutschland im Niedriglohnsektor verdienen am wenigsten, was für eine Debatte braucht man da noch? Sollen wir noch als Drittel Welt Land enden? Dass sich die Marionetten der gierigen Kapitalisten hinter den "Konservativen" und "Neolibaralen" verstecken die Menschen für noch weniger Geld arbeiten lassen würden, ist für niemanden mehr ein Geheimnis. Deshalb: macht es endlich! Führt Mindestlohn ein!
Das löst nicht das Problem. In den 3. Welt Ländern haben die Menschen kaum Möglichkeiten sich zu bilden. Hier hat jeder die gleichen Chancen, nur nutzen sie die Meisten nicht und wollen das am Ende mit einem Mindeslohn ausgleichen. Das wird so zum Glück nicht funktionieren.
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