Arbeitsmarkt Zahl der offenen Stellen so hoch wie noch nie

Der Jobboom setzt sich fort: Im Frühjahr ist die Zahl der unbesetzten Arbeitsplätze auf einen Rekordwert gestiegen. Für mehr als 1,2 Millionen Stellen suchen Arbeitgeber Personal.

Jobmesse in Berlin
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Jobmesse in Berlin


Unternehmen und Behörden fällt es zunehmend schwer, Arbeitsplätze zu besetzen. Die Zahl der offenen Stellen in Deutschland ist im zweiten Quartal auf 1,21 Millionen und damit auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erhöhte sich die Zahl der freien Jobs um rund 115.000, teilte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit.

Demnach waren im Zeitraum von April bis Juni mit 940.000 die meisten offenen Stellen in Westdeutschland zu vergeben, im Osten gab es 270.000. Allerdings ist die sogenannte Vakanzrate im Osten mit 3,2 Prozent höher als im Westen, wo sie bei 2,7 Prozent liegt. Die Vakanzrate setzt die Zahl der offenen Stellen ins Verhältnis zu der Zahl sozialversicherungspflichtiger Beschäftigter. Konkret bedeutet das, dass Arbeitgeber im Osten im Schnitt mehr freie Stellen bezogen auf ihre derzeitige Personalstärke haben.

Dieses Ost-West-Gefälle lässt sich erklären: Erstens sei es für viele Betriebe in Ostdeutschland nicht einfach, ein konkurrenzfähiges Lohnniveau zu bieten, sagte IAB-Arbeitsmarktforscher Alexander Kubis. Und zweitens habe die jahrzehntelange Ost-West-Abwanderung von jungen Menschen ihre Spuren hinterlassen.

Allerdings ist auch die Zahl der Arbeitslosen pro offener Stellen im Osten nach wie vor höher als im Westen - es gibt dort also im Schnitt mehr potenzielle Bewerber für jede Stelle. So gibt es in den ostdeutschen Bundesländern rechnerisch 2,1 Arbeitslose pro freier Stelle, in den alten Bundesländern entspricht die Zahl dem Bundesdurchschnitt von 1,9.

Das IAB der Bundesagentur für Arbeit wertet für seine Erhebung die Angaben von rund 9000 Arbeitgebern aus. Das gesamte Stellenangebot wird viermal im Jahr untersucht, auch jene Jobs, die den Arbeitsagenturen nicht gemeldet werden.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

fdi/dpa



insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
count.number 07.08.2018
1. Genial..
..wie die Deutschen die Situation am Arbeitsmarkt gedreht haben. Kriegen einfach weniger Kinder und verknappen den Faktor Arbeitnehmer. Hätte die Politik so niemals geschafft.
Schnabbelschnute 07.08.2018
2. Vieleicht sollte man...
...gerade jetzt darüber nachdenken Zeitarbeit und Personaldienstleister abzuschaffen bzw zu verbieten! Denn diese moralisch fragwürdige Unternehmensform hat kein Existenz Recht mehr, wenn Unternehmen so viele freie Stellen nicht besetzen können. Es sei den, gerade diese moralisch verwerflichen o.g. Unternehmen sind es, die Arbeitsstellen nicht besetzen können...dann muss darüber nicht diskutiert werden, denn niemand will prekär und zu Dumpinglöhnen arbeiten müssen. Derzeit Brüsten sich hier in NRW einige Zeitarbeitsfirmen damit mindestens 10 euro die Stunde zu zahlen....damit bekommen wir die Altersarmut die Aufstockung und eine Verbesserung der Lebensqualität nicht in den Griff....und ist mehr ein Betrug an unserer Solidarität! Dazu könnte man jetzt Hartz 4 abschaffen, und durch ein Straf und - Sanktionsfreien sozialen Grundsicherung ersetzen...wenn nicht jetzt wann dann??? Letztendlich glaube ich aber auch nicht, dass es sich hierbei um Jobs handelt, die vernünftig Entlohnung bringen, dass diese Jobs Facharbeiter brauchen....ich denke es hat immer Gründe, wieso stellen nicht besetzt werden können, aber der Arbeitslose der wird keiner dieser Gründe sein!
tonhalle 07.08.2018
3. Angebot und Nachfrage funktionieren also nicht!
Bei ca. 2 Arbeitslosen pro offener Stelle kann etwas am Jobmarkt nicht stimmen. Wenn Arbeitslose wenigstens grundsätzlich mobil sind (Unterstellung/Prämisse), kann es ja nur auf der Arbeitgeberseite liegen. Als ich selbst arbeitslos war, bekam ich den Eindruck, dass ein großer Teil dieses "Marktes" durch Lohn-/Gehaltsanpassungen leicht in ein mathematisches Gleichgewicht käme. Leider ist die Elastizität der Nachfrage nicht mit der des Angebotes zu vergleichen, da Unternehmen nahezu nie einstellen müssen, Arbeitslose mittelfristig hingegen i.d.R. schon auf Arbeit angewiesen, rsp. sogar zur Annahme gezwungen sind. Da ist es wie mit dem Ingenieurmangel, den es ja nicht gibt. Unternehmen bieten Stellen zu Konditionen an, die z.T. unwürdig sind und tragen bis zu einer (ggf. prekären) Besetzung leicht die Kosten der Überauslastung. Beim nächsten Abschwung wird es nur ein paar Monate dauern, bis die Neubesetzungen billig gefunden und die teuren "Altlasten" zur Nachbesetzung ausgeschrieben sind. Und eine kleine Bitte an die Journalisten und Wissenschaftler: Greifen Sie dieses Thema doch einmal auf, statt Arbeitgeberverbänden etc. nach dem Mund zu reden.
ansv 07.08.2018
4.
Die Lücke zwischen Angebot und Wahrheit liegt unter anderem bei den Personaldienstleistern. Sie leben davon, dass ihr Bewerberpool stets gut gefüllt ist, also sind sie ständig mit zahlreichen offenen Stellen präsent, hinter denen kein Kundenauftrag steht. Kostenlose Stellenausschreibungen sind auch ein kostenloser Werbeträger, nicht nur für die Dienstleister, auch für Projektbüros.
gartenkram 07.08.2018
5. Tja ....
Dass es Bereiche gibt, in denen es tatsächlich zu wenig Fachleute gibt: geschenkt. Ich hatte einige Anfragen für meinen Schwerpunkt (kaufmännisch, Immobilien) und kam aus dem Staunen nicht heraus. Einerseits suchen die Firmen ganz ganz dringend jemanden, andererseits liegt das angebotene Gehalt sehr knapp über dem Existenzminimum (bei Steuerklasse 1, netto). Die Firmen gucken auch regelmässig sehr irritiert, wenn ich ihnen sage, dass ich für so einen Vorschlag nicht einmal aufstehen würde geschweige denn meine Selbständigkeit aufgeben würde. Dieses Gejammer darüber, niemanden zu finden, sollte so einige Unternehmen mal zum Nachdenken bringen, was sie wohl selber tun könnten, um Mitarbeiter zu finden. Und das meint nicht mit Priorität, Kinderbetreuung im eigenen Haus. Da ich mir solche Dinge einfach mal nicht mehr antun will, habe ich meine Firma so gestrickt, dass ich ohne MItarbeiter auskomme. Anstrengend, aber läuft. Leistung will bezahlt werden, auch bei Angestellten, mithin gilt hier wie so oft: man kriegt, wofür man bezahlt.
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