Arbeitsmarkt: Sozialverband startet Großangriff gegen Rente mit 67

Der Sozialverband Deutschland wittert Morgenluft: Von Beginn an zählten die Interessenvertreter zu den schärfsten Kritikern der Rente mit 67. Jetzt nutzen sie die neu entflammte Diskussion für einen Großangriff. Verbandspräsident Adolf Bauer will die Regelung gleich ganz einstampfen lassen.

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Senioren am Ammersee: Gesetz sieht Überprüfung des Arbeitsmarkts vor

Berlin - In der Diskussion über die Rente mit 67 fordert der Sozialverband Deutschland (SoVD), die Gesetzesreform komplett einzustampfen und die bestehende Altersgrenze von 65 Jahren langfristig beizubehalten. Die Voraussetzungen für die Rente mit 67 seien einfach nicht gegeben, sagte Verbandspräsident Adolf Bauer der "Braunschweiger Zeitung". Schon gegenwärtig arbeite nur jeder 20. sozialversicherungspflichtig Beschäftigte bis 65. "Deshalb bedeutet das höhere Renteneinstiegsalter eine faktische Rentenkürzung", beklagte er.

In etlichen Branchen fällt die Lebensarbeitszeit sogar noch deutlich kürzer aus. Nach der im Gesetz vorgesehenen Überprüfung der Regelungen, die bis Jahresende erfolgen muss, müsse die Rente mit 67 deshalb "endgültig zurückgezogen" werden. Bis dahin sollte das Gesetz ausgesetzt werden, sagte Bauer.

Damit geht der Sozialverband noch über die Vorschläge aus der SPD hinaus. Eine Aussetzung hatte zuvor auch SPD-Chef Sigmar Gabriel ins Gespräch gebracht, allerdings nur solange, bis ein größerer Anteil älterer Menschen auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich auch Beschäftigung findet. Bauer bezog sich auf eine Überprüfungsklausel im Gesetz, die die Regierung verpflichtet, erstmals 2010 und dann alle vier Jahre über die Beschäftigungssituation Älterer zu berichten und eine Einschätzung abzugeben, ob die Anhebung der Regelaltersgrenze vertretbar erscheint.

Bericht im November

Ein Ministeriumssprecher sagte der Zeitung, der Bericht werde im November vorgelegt. Der SPD-Rentenexperte Anton Schaaf warf dem Arbeitsministerium vor, diese Berichtspflicht nicht ernst zu nehmen. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) habe "voreilig" schon vor dem Bericht erklärt, dass sie an der Verlegung des Renteneintrittsalters nicht rütteln lasse wolle. "Das deutet darauf hin, dass sie die Rente mit 67 auf Biegen und Brechen einführen will", sagte der Bundestagsabgeordnete.

Schaaf forderte, die Reform für fünf Jahre auszusetzen: Die Anhebung der Altersgrenze würde dann nicht 2012, sondern erst 2017 beginnen. Damit werde Zeit gewonnen, um die notwendigen Voraussetzungen für die Rente mit 67 zu schaffen, die angesichts der schlechten Beschäftigungssituation Älterer derzeit nicht gegeben seien, sagte Schaaf. Am Ziel, die Rente mit 67 bis zum Jahr 2030 umzusetzen, könne dennoch festgehalten werden.

Auch die Grünen plädieren für ein Aussetzen der Rente mit 67. "Trotz leichter Verbesserungen ist die Arbeitsmarktlage für ältere Arbeitnehmer weiterhin schwierig", sagte der rentenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Wolfgang Strengmann-Kuhn, der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Nach Ansicht des Grünen-Politikers sollte der Starttermin 2012 verschoben werden. Am Zieljahr 2029/30 solle dagegen festgehalten werden.

IW Köln fordert Rente mit 70

Strengmann-Kuhn bestätigte den Trend, dass mittlerweile der Anteil der 60- bis 64-Jährigen in Arbeit auf 40 Prozent gestiegen ist. Er verwies jedoch darauf, dass von den 64-Jährigen gerade einmal 20 Prozent erwerbstätig seien und nur zehn Prozent einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgingen. "Man kann darüber streiten, ob das Glas nun halb voll oder halb leer ist. Für mich ist es halb leer." Er bedauerte, dass sich die Regierung bereits auf die Einführung der Rente mit 67 ab 2012 festgelegt habe, obwohl laut Gesetz im Herbst erst einmal eine Überprüfung der Arbeitsmarktchancen älterer Arbeitnehmer ansteht.

So viel Rente gibt es im Schnitt (in Euro)
Bundesland Männer Frauen
Baden-Württemberg 1055,39 516,05
Bayern 983,41 496,12
Berlin 1039,27 684,06
Brandenburg 1035,67 677,38
Bremen 1044,16 507,53
Hamburg 1069,70 596,02
Hessen 1051,61 493,95
Mecklenburg-Vorpommern 1000,65 652,84
Niedersachsen 1024,05 459,31
Nordrhein-Westfalen 1118,28 457,83
Rheinland-Pfalz 1013,52 429,57
Saarland 1119,18 390,32
Sachsen 1059,04 682,58
Sachsen-Anhalt 1031,79 649,76
Schleswig-Holstein 1017,89 482,99
Thüringen 1030,28 669,74
Bundesdurchschnitt 1049,27 528,23
Quelle: Deutsche Rentenversicherung. Angaben für gesetzl. Altersrenten, Stand: 31.12.2008

Nach Überzeugung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) gehen die Bemühungen um eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit indes längst nicht weit genug. "Wenn wir uns die höhere Lebenserwartung und die abnehmende Geburtenrate in Deutschland anschauen, wird die Rente mit 70 perspektivisch kommen müssen", sagte IW-Chef Michael Hüther der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post".

Nach geltender Rechtslage wird das gesetzliche Renteneintrittsalter zwischen 2012 und 2029 in monatlichen Schritten von derzeit 65 auf 67 Jahre angehoben. Hüther forderte die Bundesregierung auf, diesen Prozess der Anhebung des Rentenalters über die Marke von 67 Jahren hinaus fortzusetzen. "Wir sollten 2029 nicht aufhören, das Rentenalter anzuheben, sondern auch danach damit fortfahren."

mik/ddp/AFP/apn

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Forum - Rente mit 67 – die richtige Entscheidung?
insgesamt 4434 Beiträge
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1.
M@ESW 09.03.2007
Sollten einfach ehrlich sein und sagen: Bis 2015 noch Rente mit 65 und ab 2016 gar keine Rente mehr.
2.
af1755 09.03.2007
---Zitat von sysop--- Zur Sanierung der Beitragslage hat der Bundestag die Rente mit 67 beschlossen. Eine richtige Entscheidung? Oder nur eine kurze Atempause vor weiteren Einschnitten? ---Zitatende--- Schlichter Unfug, denn bereits bisher arbeitete nur ein Teil bis zum Erreichen der Altersgrnze von 65. Wo sollen denn die Arbeitsplätze für die Alten herkommen? Rente mit 67 bedeutet in der Praxis eine Rentenkürzung !!
3. Unfug und ungerecht
Atemlos 09.03.2007
Die, die es betrifft haben nicht abgestimmt - die, die abgestimmt haben, betrifft es i.d.R. nicht. Dies ist eine Rentenkürzung - eine Pensionskürzung für die, die entschieden haben ist nicht in Sicht... Ergo: alles wie immer... und: die, die es betrifft sind brav still
4. Kind beim Namen nennen:
C.Jung 09.03.2007
a.) *Rentenkürzung*, die 27te b.) *Schweinerei*, bei zugleich Rentenanspruch der Beschließer solcher Segnungen bereits 12 Jahre früher.
5. Rente erst mit 67
schneewolf 09.03.2007
gilt das auch für Beamte, Abgeordnete und sonstige Politiker? Frau Pauli erhält ja wohl mit 50 schon jeden Monat ca. € 4.000. Verträgt sich das? Wasser predigen und Wein saufen, ist von unseren Politikern perfektioniert. Auch für diese Bande gilt der auf Ackermann und Co. gemünzte Spruch des OLG Düsseldorf: Ihr seid nicht die Gutsbesitzer, Ihr seid die Gutsverwalter!!!
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Berufsgruppen: Wer am frühesten in Rente geht

Rentengarantie
ddp
Die Rentengarantie wurde 2009 von der Großen Koalition beschlossen. Die Schutzklausel sieht vor, dass Rentenkürzungen in wirtschaftlich schwachen Zeiten ausgeschlossen sind. Mit der gesetzlichen Garantie wird sichergestellt, dass die Renten in Deutschland auch dann stabil bleiben, wenn die Löhne sinken sollten. Rentner werden somit vor sinkenden Altersbezügen geschützt.

Die damalige Bundesregierung hatte für 2010 und die Folgejahre keine Lohnsenkungen erwartet. Die Rentengarantie war daher eine reine Vorsichtsmaßnahme. Das Gesetz war eine Reaktion auf eine Debatte über mögliche Rentenkürzungen im Jahr 2010.

Die Berechnung der Rentensteigerung
Lohn der Arbeitnehmer
Das Prinzip der dynamischen Rente besagt, dass die Rentner vom steigenden Wohlstand der Arbeitnehmer proftieren sollen. Deshalb steigen die Bezüge der älteren Generation grundsätzlich um den gleichen Prozentsatz, mit dem sich auch der Durchschnittslohn je Arbeitnehmer im Vorjahr erhöht. Vereinfacht gesagt: Verdient ein durchschnittlicher Arbeitnehmer dank Lohnererhöhungen zwei Prozent mehr, erhöht sich auch die Rente entsprechend. Allerdings wurden in den vergangenen Jahren zwei Faktoren eingeführt, die den Rentenanstieg bremsen.
Riester-Faktor
Der Riester-Faktor wurde 2001 eingeführt. Der Abzug von der sich rechnerisch ergebenden Rentenerhöhung soll den erhöhten Aufwendungen der Arbeitnehmer für die private Altersvorsorge (Riester-Rente) Rechnung tragen. Der Sonderfaktor hat den Rentenanstieg in den vergangenen Jahren um 0,5 bis 0,6 Prozent jährlich gedämpft. Allerdings wurde er für die Jahre 2008 und 2009 ausgesetzt. Das damals fällige Minus soll allerdings 2012 und 2013 nachgeholt werden.
Nachhaltigkeitsfaktor
Der Nachhaltigkeitsfaktor wurde im Rahmen der Rentenreform des Jahres 2004 eingeführt. Er soll sicherstellen, dass die Renten dann weniger stark steigen, wenn die Zahl der Beitragszahler sinkt. Weil es künftig immer mehr Rentner und immer weniger Arbeitnehmer geben wird, führt er mit großer Wahrscheinlichkeit in den kommenden Jahren regelmäßig zu geringeren Rentensteigerungen. Auch in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit dämpft der Sonderfaktor das Plus bei den Renten.
Rentengarantie
Die Rentengarantie wurde 2009 beschlossen. Sie soll sicherstellen, dass die Altersbezüge auch dann nicht niedriger ausfallen, wenn die Lohnsumme sinkt. Allerdings soll die ausgefallene Rentenkürzung in besseren Zeiten nachgeholt werden. Dann steigen die Altersbezüge nur halb so viel wie rechnerisch möglich.

Die Säulen des Sozialsystems
Arbeitslosenversicherung
Jeder Arbeitnehmer in Deutschland ist Pflichtmitglied der Arbeitslosenversicherung. Die Hauptleistung der Versicherung ist das Arbeitslosengeld I (ALG I), das einen Teil des ehemaligen Nettoeinkommens ersetzt und bis zu ein Jahr nach Verlust einer Stelle gezahlt wird. Für ältere Arbeitslose gelten Ausnahmen. Läuft die Zahlung des ALG I aus, ohne dass eine neue Stelle gefunden wurde, wird anschließend Arbeitslosengeld II (ALG II) gezahlt. Das Instrument - auch bekannt als Hartz IV - wurde im Jahr 2005 geschaffen, als die ehemalige Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengelegt wurden. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung beträgt derzeit 3,0 Prozent des Bruttolohns. Arbeitgeber zahlen diesen Satz auch für jeden Beschäftigten.
Krankenversicherung
Es gibt zwei Arten von Krankenversicherungen - die Gesetzliche (GKV) und die Private (PKV). Rund 90 Prozent der Erwerbstätigen sind in der GKV pflichtversichert. Der Beitragssatz beträgt aktuell 15,5 Prozent für alle Versicherten. Zusätzlich können die Krankenkassen vom Einkommen unabhängige Beiträge erheben. Seit Anfang 2009 fließen alle Beiträge in einen Gesundheitsfonds, aus dem sie an die Kassen verteilt werden. Der Zugang zur PKV steht nur Selbstständigen und Arbeitnehmern oberhalb einer Einkommensgrenze offen.
Rentenversicherung
Die Beiträge werden durch ein Umlageverfahren finanziert, bei dem die Berufstätigen die Leistungen der Rentner zahlen. Anhand der eingezahlten Beiträge wird die künftige Rentenhöhe errechnet. Zurzeit liegt der Beitragssatz bei 19,6 Prozent. Im Januar 2013 sinkt der Beitrag auf 18,9 Prozent. Das gesetzliche Renteneintrittsalter wird derzeit stufenweise von 65 Jahren auf 67 Jahre heraufgesetzt.
Pflegeversicherung
Die Pflegeversicherung ist die jüngste der Sozialversicherungen in Deutschland. Sie ist eine Grundversicherung, die einen Teil der Pflegekosten abdeckt.
Alles zur Rente ab 67
So steigt das Rentenalter
Wann Sie mit Ihrer vollen Rente rechnen können
Jahrgang Alter*
1946 65
1947 65+1
1948 65+2
1949 65+3
1950 65+4
1951 65+5
1952 65+6
1953 65+7
1954 65+8
1955 65+9
1956 65+10
1957 65+11
1958 66+0
1959 66+2
1960 66+4
1961 66+6
1962 66+8
1963 66+10
ab 1964 67+0
* in Jahren + Monaten
Ab 2012 steigt das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre. Die Umstellung beginnt mit dem Geburtsjahrgang 1947. Menschen, die in diesem Jahr geboren wurden, müssen einen Monat länger arbeiten, wenn sie ihre Rente vollständig erhalten wollen. Bis 2023 kommt dann für die einzelnen Jahrgänge jeweils ein Monat Mehrarbeitszeit hinzu. Ab 2024 geht es weiter mit Zweimonatsschritten. Ab dem Geburtsjahrgang 1964 gilt so schließlich das neue Rentenalter 67.
Das sind die Ausnahmen
Wer schon 45 Jahre Rentenbeiträge bezahlt hat, kann auch künftig mit 65 in Rente gehen, ohne Abzüge akzeptieren zu müssen. Dabei zählt auch die Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Nachwuchses bei den Beitragszeiten mit. Allerdings schaffen es nur wenige Arbeitnehmer tatsächlich auf 45 Beitragsjahre - bei den Männern waren es zuletzt 28 Prozent, bei Frauen sogar nur vier Prozent.
So viele Abschläge zahlen Sie
Wer 35 Jahre Beiträge gezahlt hat, soll auch künftig mit 63 in Rente gehen können, muss aber Abschläge dafür in Kauf nehmen: 0,3 Prozent für jeden Monat, den man vor der Regelzeit aufhört.
Das ändert sich bei der Witwenrente
Hinterbliebene Ehepartner bekommen künftig statt ab 45 erst ab 47 die große Witwenrente (55 Prozent der normalen Versichertenrente). Bis dahin muss man sich mit der kleinen Witwenrente von 25 Prozent zufriedengeben.
So ändert sich Ihr Versicherungsbeitrag
Der Beitragssatz zur Rentenversicherung soll durch die Reform bis 2020 nicht über 20 Prozent und bis 2030 nicht über 22 Prozent steigen. Das ist eine schwierige Aufgabe: Dem Statistischen Bundesamt zufolge wird der Altersdurchschnitt der Bevölkerung im Jahr 2050 von 42 auf 50 Jahre steigen.
Das ändert sich für Schwerbehinderte
Für Schwerbehinderte wird das Renteneintrittsalter stufenweise von 63 auf 65 Jahre angehoben. Mit finanziellen Abschlägen ist aber auch der Renteneintritt mit 62 möglich.
Das ändert sich bei den Erwerbsminderungsrenten
Wer aus gesundheitlichen Gründen nur eingeschränkt arbeiten kann, muss sich auf maximal 10,8 Prozent Abschlag einstellen. Er kann als Erwerbsgeminderter zudem mit 63 Jahren ohne Einbußen in Rente gehen. Diese Regelung gilt bis 2023, danach sind 40 Beitragsjahre erforderlich.