Steigende Tariflöhne Arbeitnehmer bekommen deutlich mehr Geld

Mitten in der Euro-Krise können sich die Deutschen über steigende Löhne freuen. Laut Statistischem Bundesamt legten die Tarifverdienste im Frühjahr so stark zu wie zuletzt Anfang 2010. Zudem haben immer mehr Menschen Vollzeitjobs. Doch der Boom am Arbeitsmarkt könnte bald zu Ende gehen.

Gewerkschaftsproteste am 1. Mai: Kräftiges Lohnplus im Frühjahr
dapd

Gewerkschaftsproteste am 1. Mai: Kräftiges Lohnplus im Frühjahr


Berlin - Für die Arbeitnehmer in Deutschland sieht die Lage derzeit richtig gut aus: Erstmals seit zwei Jahren können sie sich wieder über merklich steigende Löhne freuen. Im April lagen die Tarifverdienste durchschnittlich 2,2 Prozent höher als noch ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Die Behörde erhebt die Tariflohnentwicklung vierteljährlich. Einen höheren Zuwachs gab es zuletzt im Januar 2010 mit 2,3 Prozent.

Am stärksten stiegen die Löhne und Gehälter in der Gruppe der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen, wozu die Statistiker zum Beispiel Jobvermittler und Gebäudereiniger zählen. Hier gab es ein Plus von 4,1 Prozent. Im Bereich Erziehung und Unterricht legten die Tarifverdienste mit vier Prozent ähnlich stark zu. Hier handelt es sich überwiegend um Angestellte kommunaler Kinderkrippen und -gärten, die nach dem Tarifvertrag für Bund und Gemeinden entlohnt werden.

Im Bereich Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung erhöhten sich die durchschnittlichen Tarifverdienste um 3,6 Prozent. Im Verarbeitenden Gewerbe fiel das Lohnplus mit 0,8 Prozent am niedrigsten aus. Das hat sich inzwischen aber schon geändert: Der Tarifabschluss in der Metallindustrie sieht ab Mai Tariferhöhungen um 4,3 Prozent vor. In der Chemieindustrie werden ab Sommer 4,5 Prozent mehr gezahlt. Damit liegen sie deutlich über der Inflationsrate von derzeit zwei Prozent.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften sinkt

Die kräftigen Lohnsteigerungen sind eine Folge des seit mehr als zwei Jahren anhaltenden Booms am Arbeitsmarkt. Im Zuge dieses Aufschwungs gewinnt auch das sogenannte Normalarbeitsverhältnis wieder an Bedeutung: Deutlich mehr Menschen bekommen unbefristete und sozialversicherungspflichtige Jobs.

Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Normalarbeitsverhältnisse laut Statistischem Bundesamt um 610.000 auf 23,67 Millionen. Insgesamt wuchs die Zahl der Erwerbstätigen um 790.000.

Die Zahl der sogenannten atypisch Beschäftigten, also zum Beispiel Minijobber und Leiharbeiter, stieg im vergangenen Jahr ebenfalls leicht. Mit einem Plus von 80.000 fiel der Anstieg aber deutlich schwächer aus als in den vergangenen Jahren. Insgesamt waren damit 7,92 Millionen Menschen atypisch beschäftigt.

So positiv die Entwicklung in der Vergangenheit auch war - die Menschen in Deutschland müssen sich darauf einstellen, dass der Boom zu Ende geht. Darauf deutet zumindest der Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit (BA) hin: Der Indikator misst die Nachfrage nach Arbeitskräften und geht schon seit Jahresanfang zurück. Im Juli fiel er erneut um zwei Punkte auf 162 Punkte.

"Angesichts moderater Konjunkturerwartungen zeigen sich die Unternehmen vorsichtiger, was weitere Neueinstellungen angeht", teile die BA mit. Insgesamt bewege sich die Kräftenachfrage aber weiter auf hohem Niveau. In den Index fließen die bei der BA gemeldeten ungeförderten Arbeitsstellen, die Stellen für Freiberufler und Selbständige sowie Jobs aus der freien Arbeitsvermittlung ein.

stk/Reuters/dpa/AFP

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insgesamt 122 Beiträge
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Seite 1
citizen_kane 30.07.2012
1. @sysop
Zitat von sysopdapdMitten in der Euro-Krise können sich die Deutschen über steigende Löhne freuen. Laut Statistischem Bundesamt legten die Tarifverdienste im Frühjahr so stark zu wie zuletzt Anfang 2010. Zudem haben immer mehr Menschen Vollzeitjobs. Doch der Boom am Arbeitsmarkt könnte bald zu Ende gehen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,847150,00.html
Wenn's schlecht läuft, ist das natürlich schlecht. Wenn's gut läuft besteht immer die Gefahr, dass es auch wieder schlechter laufen kann. Das ist das schöne an der Ökonomie, dass es immer auf und abgeht. Da können Ökonomen ständig klug reden und die Medien haben ständig was zu schreiben.
karlhugelbertnapf 30.07.2012
2. Auch wenn es keiner hören will:
Einkommensverlust bei Beamten und Richtern in den vergangenen zehn Jahren real mindestens 15 %! Besoldungserhöhung ca. 1 % bei 3 % Inflation macht allein dieses Jahr weitere 2 % minus. Das Geld wird ja woanders benötigt: Griechenland, Nürburgring und sonstwo. Und jetzt warte ich schon auf die üblichen Kommentare (verdienen ja ohnehin schon zu viel für die geleistete Arbeit und der sonstige Schwachfug...)
Lobbykratie 30.07.2012
3. Also, da kann man nur noch trocken lachen...
Ich finde die "Wahlkämpfe" mittlerweile unerträglich. Warum zahlen die Politiker und die Parteien nicht gleich "Kopfgelder" wenn man sie wählt, und es gewinnt derjenige, der den Leuten die meiste Kohle geben kann. Das wäre ehrlicher.
Setra22 30.07.2012
4. Wer...
...bekommt dann bloß meine Lohnerhöhung?
king_pakal 30.07.2012
5.
Zitat von sysopdapdMitten in der Euro-Krise können sich die Deutschen über steigende Löhne freuen. Laut Statistischem Bundesamt legten die Tarifverdienste im Frühjahr so stark zu wie zuletzt Anfang 2010. Zudem haben immer mehr Menschen Vollzeitjobs. Doch der Boom am Arbeitsmarkt könnte bald zu Ende gehen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,847150,00.html
Wie hoch war nochmal die Inflation?
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