Berlin - Trotz schrumpfender Wirtschaft ist die Zahl der Beschäftigten zum Jahresende 2011 auf einen Rekordwert gestiegen. Im vierten Quartal gab es in Deutschland rund 41,6 Millionen Erwerbstätige - 560.000 Personen oder 1,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. "Dies ist der höchste Stand seit der Wiedervereinigung", teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit.
Die Unternehmen stellten weiter ein, obwohl die Geschäfte schlechter liefen: Die Wirtschaftsleistung fiel von Oktober bis Dezember um 0,2 Prozent zum Vorquartal und damit zum ersten Mal seit knapp drei Jahren.
Zugleich stieg auch die Zahl der offenen Stellen auf 1,13 Millionen, nach rund 920.000 im dritten Quartal. Für fast zwei Drittel des Anstiegs sorgten die Dienstleister. Es folgen der Handel, der Verkehr und das Gastgewerbe mit einem Zuwachs von zusammen 146.000. Im Baugewerbe entstanden 42.000 neue Arbeitsplätze, in der exportabhängigen Industrie waren es 162.000.
Die Entwicklung der offenen Stellen gilt generell als Vorbote der Dynamik auf dem Arbeitsmarkt. Ein nachlassendes Stellenangebot kann darauf hindeuten, dass sich mit ein wenig Verzögerung auch der Abbau der Arbeitslosigkeit verlangsamt.
Zahl der Arbeitsstunden gesunken
Erstmals zählten die Statistiker in einem Quartal mehr als 37 Millionen Arbeitnehmer. Das sind 498.000 Personen oder 1,4 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Die Zahl der Selbstständigen einschließlich mithelfender Familienangehöriger stieg um 62.000 auf 4,56 Millionen.
Nach ersten vorläufigen Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) verringerte sich im vierten Quartal die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen um 0,9 Prozent auf 357,5 Stunden. "Ursache dafür ist die geringere Zahl an Arbeitstagen", hieß es.
Auf eine offene Stelle kamen Ende des Jahres rechnerisch 3,2 Arbeitslose. "Dieses Verhältnis stellt den besten Wert seit der Wiedervereinigung dar", sagte IAB-Forscher Alexander Kubis. "Befürchtungen hinsichtlich der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung scheinen sich am Arbeitsmarkt bislang nicht zu bewahrheiten."
Viele Experten trauen der deutschen Wirtschaft 2012 nur noch ein mageres Wachstum von rund 0,5 Prozent zu, nach drei Prozent im Vorjahr. Der Arbeitsmarkt hinkt der Konjunktur etwa ein halbes Jahr hinterher.
cte/Reuters
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