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Arbeitsprozess in Köln: Gefeuert wegen Schweißgeruchs

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Die Stadt Köln hat einen Architekten gefeuert, weil er angeblich nach Schweiß riecht. Elf Ex-Kollegen halten die Kündigung für absurd und bezeugen das mit ihren Unterschriften - jetzt muss das Arbeitsgericht entscheiden.

Werner M. in seinem Arbeitszimmer: "Das ist Rufmord" Zur Großansicht
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Werner M. in seinem Arbeitszimmer: "Das ist Rufmord"

Hamburg - Werner M. ist ein Mann, den man durchaus als gepflegt beschreiben kann. Er trägt Jeans, einen grauen Wollpulli, darunter ein frisch gebügeltes Hemd. Seine Hände sehen zwar nicht aus wie manikürt, aber dreckig sind sie nicht. Und nach Schweiß riecht M. auch nicht.

M. ist es unangenehm und auch ein bisschen peinlich, dass seine Körperhygiene öffentlich diskutiert wird. Doch die Wut ist größer als die Scham, und deshalb spricht er auch mit der Presse.

Er war in der "Bild"-Zeitung, im "Kölner Stadtanzeiger" und in der "Süddeutschen". Nur mit Foto, ohne Namen. "Das bleibt ja ewig im Internet hängen, egal wie es ausgeht."

Denn unangenehm ist der Fall für M. allemal. Die Stadt Köln, bei der er als Architekt angestellt war, hat ihm innerhalb der Probezeit gekündigt. Die Begründung hat es in sich: Er sei durch sein "ungepflegtes Erscheinungsbild, insbesondere durch starken Schweißgeruch und unsaubere Hände, aufgefallen". So steht es in dem Kündigungsschreiben, das SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Ging es nur darum, ihn loszuwerden?

M. hält die Begründung für völlig abwegig. In Köln war es im vergangenen Sommer häufig über 35 Grad heiß, im Büro habe es keine Klimaanlage gegeben. M. war viel unterwegs auf Ortsterminen beim Bauherrn. Natürlich habe er da geschwitzt, wie jeder andere auch, sagt er. Deshalb hat er Klage eingereicht. An diesem Donnerstag entscheidet nun das Arbeitsgericht Köln über den Fall.

M. ist nicht der Einzige, der den Vorwurf für absurd hält. Elf seiner einstigen Kollegen haben einen Brief an seine Chefin Renate Kaymer geschrieben, die Leiterin der Kölner Denkmalbehörde. In diesem fordern sie die Weiterbeschäftigung von M. Die Kündigung sei "nicht nachvollziehbar" und entbehre "jeder Grundlage", schreiben sie. "Sie verletzt die Schamgrenze und die Menschenwürde", sagt M.s Anwalt Reinhard Bauer.

Für M. ist die Sache ohnehin klar: Seine angeblich mangelhafte Körperhygiene sei nur ein Vorwand, um ihn loszuwerden. Vielleicht habe man darauf spekuliert, dass er mit so einer Geschichte, in der es um den eigenen Schweißgeruch geht, nicht an die Öffentlichkeit gehen würde. M. glaubt, dass er zu unbequem für seinen Arbeitgeber geworden ist.

Bis vor wenigen Monaten war M.s berufliches Leben noch weitgehend ohne Sorgen. Er war 17 Jahre lang als Architekt in einem Düsseldorfer Büro angestellt. Dann kam die Finanzkrise, im Frühjahr 2009 verlor er seinen Job, so wie viele seiner Kollegen. Doch M. hatte Glück. Obwohl er schon 50 war, dauerte es nicht lange, bis er eine neue Stelle bei der Stadt Köln in der Denkmalpflege fand. Der Job sollte auf vier Jahre befristet sein, mit sechs Monaten Probezeit.

"Es ist der Job eines Denkmalpflegers dagegenzuhalten"

Im Mai 2009 fing er an. Er sollte das Großprojekt zur Neukonzeption des Kölner Gerling-Quartiers betreuen, des ehemaligen Sitzes der Gerling-Versicherung. Die denkmalgeschützten Gebäude aus den zwanziger und fünfziger Jahren sollten in Büros und Luxuswohnungen umgebaut werden. Dabei sollte die Nutzfläche um 20 Prozent erweitert werden. "Mir war klar, dass der Umbau unter Denkmalschutzaspekten behandelt werden muss", sagt M.

Dafür setzte er sich ein. Er fotografierte die Gebäude, prüfte die Bauanträge. Es gab Diskussionen über die Fassade, die erneuert werden musste. Das zuständige Architekturbüro wollte die Fassaden wärmegedämmt sanieren. Doch das war für M. nicht Grund genug, die Natursteinfassade abzutragen, und das äußerte er auch. Er bat zu prüfen, ob man das nicht anders machen könne.

Dann ging M. in den Urlaub. Er renovierte sein 200 Jahre altes Bauernhaus, das er im Bergischen Land gekauft hatte. Er arbeitete viel im Garten, kümmerte sich um seine 20 Schafe und um seine beiden australischen Höckergänse Philip und Anne, die schon 20 Jahre alt sind.

Als er zurückkam, rief ihn seine Chefin Renate Kaymer zu sich ins Büro. Sie sagte, man habe sich über ihn beschwert. Er wolle wohl das Rad zurückdrehen. M. verstand nicht recht. "Es ist doch der ganz normale Job eines Denkmalpflegers dagegenzuhalten", sagt er.

Dann habe Kaymer plötzlich das Thema gewechselt und gesagt, seine Fingernägel seien aber ganz schön schmutzig. Er sagte ihr, dass er gerade das Haus gestrichen habe, und das Schwarze an den Händen sei noch ein bisschen Farbe. Er gelobte Besserung.

Die Stadt Köln möchte sich mit Hinweis auf das schwebende Verfahren auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE weder dazu äußern noch zum Fall an sich.

"Ich wurde in die unterste Schublade gesteckt"

Eineinhalb Wochen später habe Kaymer ihn erneut in ihr Büro gerufen, ihm einen Auflösungsvertrag hingelegt und gesagt, er solle sofort unterschreiben. Als M. nach Gründen fragte, habe sie gesagt, man habe ja mehrfach gesprochen, und Kündigungen in der Probezeit würden ohnehin nicht begründet.

M. sagt heute, Kaymer habe nur einmal mit ihm über die Fingernägel gesprochen - und er habe das auch nicht als Ermahnung verstanden. Die Stadt Köln entgegnet, es habe zwei erfolglos gebliebene Gespräche über M.s "ungepflegtes Erscheinungsbild" gegeben, und es sei davon auszugehen, dass sich dieser "unhaltbare Zustand" auch in Zukunft fortsetzen werde.

Der Architekt unterschrieb den Auflösungsvertrag nicht, sondern wandte sich an den Personalrat - die Arbeitnehmervertretung, die über Kündigungen informiert werden muss. Der Personalrat wusste nichts von der Kündigung und fragte Kaymer in einem Erörterungsgespräch nach den Gründen. Daraufhin sprach sie die angeblich mangelnde Hygiene an.

Der Personalrat fragte, ob noch andere Gründe vorlägen. Kaymer verneinte das, fachlich sei alles in Ordnung. Einschreiten konnte der Personalrat nicht, denn er muss bei Kündigungen in der Probezeit lediglich angehört werden. Er äußerte aber in dem Gespräch die Vermutung, dass es sich um vorgeschobene Gründe handele.

Die Niederschrift des Erörterungsgesprächs, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, wurde der Kündigung beigelegt. M. war entsetzt. "Ich habe in meinen 20 Jahren Berufserfahrung nie Probleme gehabt", sagt er. "Wie die Kündigung formuliert ist, könnte man meinen, ich wäre nicht zu ertragen. Das ist Rufmord. Ich wurde in die unterste Schublade gesteckt."

Ende November musste M. seinen Arbeitsplatz verlassen und ist seitdem arbeitslos. Der harte Winter machte die Situation schlimmer: "Das zermürbt schon", sagt M. "Man muss gucken, dass man wieder ins Gleichgewicht kommt." Auch seine Familie belaste die Situation. M. hat eine Frau und zwei Kinder, einen 20-jährigen Sohn und eine zwölfjährige Tochter. Seine Frau arbeitet halbtags in einem Bioladen. Aber das reicht nicht, um die Familie zu ernähren. Deshalb will sich M. nun selbständig machen mit einem Gründungszuschuss von der Arbeitsagentur. Ein paar Aufträge hat er schon an Land gezogen, Sanierungen und Denkmalprojekte.

Fast schon froh über den Fehler

Bis heute versteht M. nicht, warum die Stadt Köln überhaupt Gründe für die Kündigung angegeben hat. Denn innerhalb der Probezeit muss eine Kündigung nicht begründet werden. Zwar sagt auch M.s Anwalt Bauer: "Der Arbeitgeber kann von seinem Arbeitnehmer eine gepflegte äußere Erscheinung verlangen." Wenn aber tatsächlich Schweißgeruch als Grund für die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses herangezogen werde, müsse der Arbeitnehmer zumindest abgemahnt werden und mindestens ein weiteres Mal durch unangenehmen Schweißgeruch aufgefallen sein.

Auch dazu möchte sich die Stadt Köln auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht äußern.

Nun ist M. fast schon froh über den Fehler seines Ex-Arbeitgebers, denn sonst hätte er keine Möglichkeit, gegen seine Kündigung vorzugehen. Der Grund: Die Kündigung kann nichtig sein, wenn sie mit besonders verwerflichen Begleitumständen versehen ist. "Hier war die Begründung nicht nur verwerflich, sondern geradezu eine Ohrfeige für jegliches Rechtsempfinden", sagt Rechtsanwalt Bauer. Er sei optimistisch, dass der Prozess positiv für seinen Mandanten ausgehen werde. Dann würde die Kündigung unwirksam - und M. würde wieder bei der Stadt Köln beschäftigt.

Kurz vor der Gerichtsverhandlung regte sich die Stadt Köln noch einmal. Sie schickte M. ein Schreiben, das auch SPIEGEL ONLINE vorliegt. Darin bot sie an, auf die Begründung im Kündigungsschreiben zu verzichten und stattdessen darauf zu verweisen, dass eine Kündigung in der Probezeit keiner Begründung bedarf.

Das Motiv klingt hehr: Die Stadt Köln wolle dem Kläger die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz erleichtern. Doch Anwalt Bauer sieht das skeptisch. "Bisher ist nicht klar, ob die ungeheuerliche Behauptung, mein Mandant habe ein unhygienisches Äußeres, von der Stadt Köln mit einem Ausdruck des Bedauerns zurückgenommen werden soll", sagt er. Dass die Stadt Köln die Menschenwürde seines Mandanten verletzt habe, werde damit jedenfalls nicht rückgängig gemacht.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Mir ist nur noch schlecht!
BardinoNino 24.03.2010
Zitat aus dem Artikel: "Kurz vor der Gerichtsverhandlung regte sich die Stadt Köln noch einmal. Sie schickte M. ein Schreiben, das auch SPIEGEL ONLINE vorliegt. Darin bot sie an, auf die Begründung im Kündigungsschreiben zu verzichten und stattdessen darauf zu verweisen, dass eine Kündigung in der Probezeit keiner Begründung bedarf." Da bleibt einem die Spucke weg! *Ui! Mal schnell umgekuckt - muss dem Chef ja keinen Kündigungsgrund frei Haus liefern!*
2. Was stinkt denn da?
maipiu 24.03.2010
Die Stadt Köln hat sich in letzter Zeit ja nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Aber so eine Begründung für eine Entlassung, das ist ja noch origineller als sechs mitgenommene Maultaschen oder ein Kinderbett aus dem Sperrmüll, was für Entlassungen in letzter Zeit schon mal herhalten musste. Es wird Zeit, dass Justizia mal energisch Stellung bezieht und den Arbeitgebern klar macht, dass das so nicht geht. Aber ich habe gelegentlich den Eindruck, die Dame lugt unter der Augenbinde drunter durch wie seinerzeit der "Buntstiftlecker". Vielleicht ein Fall für "Titanic"?
3. Unverschämt und unglaublich
Jogiberlin, 24.03.2010
Da fehlen einem die Worte! Es ist zu hoffen, dass die Stadt Köln, die sich in Gestalt der Beteiligten, vor allem der Vorgesetzten, so unglaublich dämlich benommen hat, diesen Menschen wieder einstellen muss, um ihn dann gegen eine Abfindung wieder loswerden zu können. Wenn diese Vorgesetzte zu meinem Freundeskreis gehörte, würde ich sie mit dem A.... nicht mehr anschauen. Was gibt es bloß für Menschen! Ich bin davon überzeugt, dass man den Architekten wegen seiner Einstellung zum Denkmalschutz loswerden wollte und möchte nicht wissen, wer da mit wem telefoniert hat...
4. So üblich
Kretin, 24.03.2010
Das ist bei den Stadtverwaltungen im Rheinland so üblich: wenn man eine Begründung braucht, um seinen Willen durchzusetzen, (er)findet man eben eine. Ob diese Begründung in Einklang mit geltendem Recht steht, ist dabei zunächst mal wurscht. Denn kam jemand hat den langen Atem (und ist so dreist), einen "amtlichen Bescheid" gerichtlich überprüfen zu lassen. Da vertraut man - meistens zu Recht - auf das gute alte Obrigkeitsdenken. Das Ergebnis: Bürokratie statt Rechtsstaatlichkeit. P.S.: was manchmal hilft: Beziehungen, in Köln auch als "Klüngel" bekannt.
5. Schweißgeruch - eine rührselige Geschichte
adam68161 24.03.2010
Es war von der Vorgesetzten freilich mehr als ungeschickt, ihn auf die "wahren" Gründe der Kündigung hinzuweisen. Wahrscheinlich wollte sie ihm aber damit lediglich einen Dienst erweisen. Wer einmal einen stark riechenden Arbeitskollegen neben sich erdulden musste, kann die Gründe durchaus nachvollziehen. Unverfroren ist die Art und Weise, wie sich der Mann jetzt mit Hilfe willfähriger Journalisten bedauern lassen und gegen diejenigen vorgehen will, die ihm eine Chance gegeben haben, die er nicht genutzt hat. Jetzt sollte sich der arbeitslose Mann halt auf seinen erst kürzlich erworbenen Bauernhof zurückziehen, den Pinsel schwingen und seine Gänse und Schafe füttern. Die Allgemeinheit (Harzt4!) wird für ihn schon weiter sorgen. Es lebe unser Rechtsstaat!
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Weshalb Ihr Chef Sie feuern darf
Privates im Büro
Ich nehme meinen Hund mit ins Büro.

Ob das erlaubt ist, hängt vom Arbeitgeber ab. Er kann sich auf das Hausrecht berufen und es dem Mitarbeiter verbieten, den Hund mit ins Büro zu nehmen. Hält sich der Angestellte nicht an ein Verbot, kann das im Wiederholungsfall zur Abmahnung und dann auch zur Kündigung führen. "Hat der Chef aber jahrelang den Hund im Büro geduldet, kann er das nicht plötzlich ohne sachlichen Grund verbieten", sagt Volker Schneider, Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Wuppertaler Kanzlei GKS.

Ich habe ein Glas mit einem Goldfisch auf meinen Schreibtisch stehen.

"Im Prinzip ist das kein Grund für eine Abmahnung oder gar Kündigung", sagt Rechtsanwalt Schneider. "Bei einem Goldfisch überwiegen wohl die Persönlichkeitsrechte des Arbeitnehmers gegenüber dem Hausrecht des Arbeitgebers." Der Goldfisch sei vergleichbar mit persönlichen Gegenständen wie Fotos oder Blumen, die der Arbeitgeber auch nicht verbieten könne.

Ich habe ein Foto meiner Freundin im Bikini auf meinen Schreibtisch stehen.

Das ist ein grenzwertiger Fall. Normalerweise überwiegt bei Fotos das Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers. Sind die Bilder jedoch anstößig, könnte das ein Grund für eine Abmahnung sein. Dasselbe gilt für Pin-ups: Sie müssen vom Arbeitgeber nicht geduldet werden. Selbst wenn sie sich zum Beispiel in einem Spind befinden.
Eine Zigarette zu viel
Ich rauche während der Arbeit.

Der Chef kann vom Mitarbeiter verlangen, sich während der Raucherpause auszustempeln. Wenn der Arbeitnehmer sich nicht daran hält, kann das zur Kündigung führen. Das geht aus einer Entscheidung des Arbeitsgerichts Duisburg hervor. Eine Arbeitnehmerin hatte trotz mehrfacher Abmahnung Zigarettenpausen im Raucherraum verbracht, ohne sich auszustempeln (Aktenzeichen: 3 Ca 1336/09).

Generell verbieten kann der Arbeitgeber das Rauchen aber nicht. "Das wäre eine Erziehung zu Gesundheit und würde zu sehr in die Persönlichkeitsrechte eingreifen", sagt der Wuppertaler Fachanwalt Volker Schneider. Der Chef könne zwar grundsätzlich verlangen, dass die Mitarbeiter zum Rauchen das Betriebsgelände verlassen. Ist das Gelände allerdings zu groß dafür, müsse der Arbeitnehmer an einer ungefährlichen Stelle eine Raucherecke einrichten. Schneider: "Der Chef darf nicht versuchen, seine Angestellten zu einer gesünderen Lebensweise zu erziehen."
Schummeln bei Schwangerschaft, Krankheiten und im Lebenslauf
Ich habe meine Schwangerschaft verschwiegen.

Grundsätzlich ist die Frage nach einer Schwangerschaft im Bewerbungsgespräch unzulässig. Wird trotzdem gefragt, darf gelogen werden. Der Chef darf also nicht kündigen, wenn die Arbeitnehmerin bei Vertragsunterzeichnung bereits schwanger war und das auch wusste. Einzige Ausnahme: Es geht um die Besetzung eines Arbeitsplatzes, an dem Schwangere nicht eingesetzt werden dürfen, etwa wenn geröntgt wird.

Ich habe eine schlimme Krankheit und meinem Arbeitgeber davon nichts erzählt.

Hier gilt Ähnliches wie bei einer Schwangerschaft. Wenn es Voraussetzung für den Arbeitsplatz ist, dass der Mitarbeiter nicht an bestimmten Krankheiten leidet, wäre das ein Grund, den Arbeitsvertrag anzufechten. Das heißt, er kann rückwirkend für ungültig erklärt werden. "Wenn die Krankheit keine Auswirkungen auf die Leistungen und auf den Arbeitsplatz hat, darf sie verschwiegen werden", sagt der Wuppertaler Fachanwalt Volker Schneider.

Ich habe in meinem Lebenslauf ein bisschen geschummelt.

Wenn der Aspekt, bei dem gelogen wurde, für den Arbeitgeber bei der Einstellung entscheidungsrelevant war, kann er innerhalb von 14 Tagen fristlos kündigen, nachdem er die Lüge festgestellt hat. Bei arglistiger Täuschung ist eine Anfechtung des Arbeitsvertrags auch noch innerhalb eines Jahres möglich. Die Frist beginnt erst, wenn der Arbeitgeber die Täuschung bemerkt hat.
Den Vorgesetzten beleidigen
Ich habe meinen Chef einen Idioten genannt.

Im Prinzip kann das zu einer fristlosen Kündigung führen. Allerdings ist es auch Abwägungssache und hängt von der Güte der Beleidigung ab. Wenn es wirklich mal rausgerutscht ist, dann kann der Chef den Mitarbeiter abmahnen. Bei der Verwendung schlimmer Schimpfworte ist auch eine fristlose Kündigung möglich.

Ich habe über meinen Chef gelästert.

Im engen Freundeskreis darf man das. Im Kollegenkreis kann Beleidigung, Verunglimpfung oder üble Nachrede ein Kündigungsgrund sein. So beurteilte das Arbeitsgericht in Frankfurt am Main im Jahre 2001 die Kündigung einer Büglerin für gerechtfertigt. Die Frau hatte dem Juniorchef des Betriebs ein Verhältnis mit einer Kollegin unterstellt (Aktenzeichen 4 Ca 5471/00).
Eine Überstunde zu wenig
Ich habe mich geweigert, Überstunden zu machen.

Wenn im Vertrag nicht ausdrücklich vereinbart ist, dass der Arbeitnehmer Überstunden zu leisten hat, ist er grundsätzlich nicht dazu verpflichtet. Einzige Ausnahme: Es handelt sich um einen Notfall. Der kann bestehen, wenn plötzlich viele Mitarbeiter krankheitsbedingt fehlen oder der Betrieb sich in einer finanziellen Schieflage befindet und kurzfristig Aufträge erhalten hat, die sofort abgearbeitet werden müssen. Verweigert der Arbeitnehmer das Ableisten von Überstunden, obwohl der Vertrag das vorsieht, kann er fristlos gekündigt werden. Allerdings darf die Arbeitszeit auch mit Überstunden 48 Stunden pro Woche nicht überschreiten. Sind es mehr, kann der Arbeitnehmer sich weigern, sie zu leisten.
Bleistiftklau und Privatbriefe im Büro
Ich habe einen Bleistift aus dem Büro stibitzt.

Auch die Mitnahme eines Bleistiftes ist Diebstahl und damit prinzipiell ein Kündigungsgrund. Hier hängt es aber auch davon ab, wie lange der Arbeitnehmer dem Betrieb angehört. Sind es zum Beispiel bereits 30 Jahre, reicht ein Bleistift nicht aus. Generell gibt es aber weder im Gesetz noch in der Rechtsprechung eine Bagatellgrenze. So kann theoretisch auch ein Keks zur Kündigung führen, der aus dem Konferenzraum geklaut wurde.

Nicht immer kommen Arbeitgeber mit Bagatellkündigungen vor Gericht durch, wie eine Entscheidung des Hamburger Arbeitsgerichts zeigt (Aktenzeichen 27 Ca 262/98): Eine Arbeitnehmerin hatte aus dem Kühlschrank der Betriebskantine eine Dose Fanta entwendet. Das Gericht hielt eine fristlose Kündigung für überzogen und urteilte, der Arbeitgeber hätte zunächst abmahnen müssen.

Ich habe einen privaten Brief durch die Frankiermaschine der Firma geschickt.

Selbst bei geringen Portobeträgen kann das eine fristlose Kündigung rechtfertigen. Das zeigt das Urteil des hessischen Landesarbeitsgerichts in Frankfurt am Main von 2007. Ein Kundenberater eines Versicherungsmaklers hatte mehrere private Briefe über die Poststelle seines Arbeitgebers verschickt. Der Portobetrag belief sich auf weniger als fünf Euro. Dennoch war die Kündigung rechtmäßig. Der Mitarbeiter habe mit seinem Verhalten in erheblicher Weise das Vertrauen des Arbeitgebers verletzt, so die Richter (Aktenzeichen 22 Ca 966/06).
Mailen und Telefonieren - nicht dienstlich
Ich telefoniere ab und zu kurz privat.

Der Chef kann generell untersagen, dass privat telefoniert wird. In der Regel muss er jedoch erst eine Abmahnung aussprechen, bevor er kündigen kann. Um dem privat telefonierenden Mitarbeiter auf die Schliche zu kommen, darf er - sofern ein Verdacht auf Missbrauch vorliegt - die angerufenen Personen identifizieren. Heimlich die Telefongespräche mitanhören darf der Arbeitgeber jedoch grundsätzlich nicht.

Ich lese während der Arbeitszeit meine privaten E-Mails und surfe im Netz.

Ist im Arbeitsvertrag ein generelles Verbot der privaten Internetnutzung festgehalten, kann ein Verstoß zu einer Abmahnung oder Kündigung führen. Hat der Arbeitgeber nicht ausdrücklich die Privatnutzung des Internets verboten, verletzt der Arbeitnehmer seine vertraglichen Pflichten, wenn er das Web in erheblichem zeitlichen Umfang nutzt. Besonders die Nutzung von Seiten mit pornografischem Inhalt kann eine fristlose Kündigung rechtfertigen.

Wann ist eine Kündigung gültig?

Einfach so jemanden entlassen - das geht in Deutschland nicht. Man braucht gute Gründe für eine ordentliche Kündigung. Juristen unterscheiden zwischen einer personenbedingten (etwa bei langer Krankheit), einer verhaltensbedingten (etwa bei Leistungsmängeln oder ungenehmigten Nebentätigkeiten) und einer betriebsbedingten Kündigung (etwa bei Stilllegung der Firma).

Fristlos gefeuert werden kann nur, wer sich schwere Fehler geleistet hat - zum Beispiel stiehlt oder Dienstgeheimnisse verrät.

In jedem Fall muss die Entlassung vorher mit dem Betriebsrat abgestimmt sein und schriftlich erfolgen mit leserlicher Unterschrift; SMS oder E-Mail sind ungültig. Für bestimmte Personengruppen wie Schwerbehinderte oder Schwangere gilt ein erhöhter Kündigungsschutz.


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