Nürnberg - Die Deutschen arbeiten so viel wie seit 20 Jahren nicht mehr. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden im ersten Quartal 2012 um 2,3 Prozent auf insgesamt 15,024 Milliarden. Das teilte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Mittwoch mit. "Übertroffen wurde dieser Wert lediglich kurz nach der Wende während des Wiedervereinigungsbooms", sagte IAB-Sprecher Wolfgang Braun.
Nach Angaben der IAB-Arbeitsmarktforscher Eugen Spitznagel und Ines Zapf geht der Effekt zu zwei Dritteln auf die höhere Beschäftigtenzahl zurück: Im ersten Quartal 2012 sei die Zahl der Jobs im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent auf 41,143 Millionen gestiegen. Dadurch seien auch mehr Arbeitsstunden geleistet worden.
Zudem habe jeder Bundesbürger im Schnitt etwas mehr Stunden gearbeitet als vor einem Jahr. Allerdings fielen auch einige Feiertage auf ein Wochenende, so dass es insgesamt einen Arbeitstag mehr gab als im Vergleichzeitraum 2011.
Die betriebliche Wochenarbeitszeit habe sich dagegen mit 37,96 Stunden kaum verändert. Die Zahl der bezahlten Überstunden ist nach Erkenntnissen der Nürnberger Arbeitsmarktforscher im ersten Quartal sogar leicht gesunken. In einigen Branchen seien die im Boom aufgebauten Arbeitszeitkonten wieder etwas abgeschmolzen. "Diese Rückgänge können als Vorboten einer langsameren Gangart der Wirtschaft gedeutet werden", urteilen die Arbeitsmarktforscher.
stk/dpa/Reuters
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