Diskussion um Arbeitszeiten So arbeitet Deutschland

Der Chef der Wirtschaftsweisen hält den Achtstundentag für veraltet und fordert ein neues Gesetz. Aber wie sieht der Alltag von Beschäftigten aus? Grafiken und Fakten zur Arbeitszeit auf einen Blick.

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Montag bis Freitag, rund acht Stunden am Tag, spätestens zur Tagesschau zu Hause - so sieht er aus, der Normal-Arbeitsplatz in Deutschland. Oder besser: die gängige Vorstellung davon. Christoph Schmidt, der Vorsitzende des Sachverständigenrats, hält dieses Modell für veraltet und fordert flexiblere Arbeitszeiten.

Doch die Norm ist dieser Arbeitsalltag im Jahr 2017 nicht mehr. Nur noch sechs von zehn Arbeitnehmern arbeiten Vollzeit, die anderen vier Teilzeit. Anfang der Neunzigerjahre war das Verhältnis noch acht zu zwei.

Apropos Teilzeit: Ein Grund für den stark gestiegenen Anteil ist, dass Mütter deutlich häufiger einer Erwerbsarbeit nachgehen als früher. Die Ein-Verdiener-Familie wird zunehmend zur Ausnahme, ein Zeichen veränderter Rollenmodelle - von echter Gleichstellung kann allerdings noch lange keine Rede sein: In einer Partnerschaft ohne Kinder arbeiten Frauen im Schnitt mit 33,2 Stunden nur 6,5 Stunden in der Woche weniger in der Woche als Männer. Ist der Nachwuchs jedoch da, vergrößert sich der Abstand auf durchschnittlich 15 Stunden - weil die Mütter ihre Arbeitszeit drastisch herunterfahren. Väter arbeiten hingegen im Schnitt sogar ein bisschen mehr.

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An der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit hat sich allerdings seit den Neunzigerjahren kaum etwas geändert. Bei den Vollzeitstellen gab es einen leichten Rückgang um eine Stunde, wohl wegen der 1995 abgeschlossenen Einführung der 35-Stunden-Woche in der Metallbranche. Selbst zwei Jahrzehnte später sind Arbeitnehmer in anderen Branchen darauf neidisch. Zu Recht. Übrigens: Die Gesamtmenge aller Arbeitsstunden ist inzwischen wieder so hoch wie Anfang der Neunzigerjahre - trotz des Teilzeitbooms und kürzerer Wochenarbeitszeit. Denn es gibt inzwischen deutlich mehr Beschäftigte.

Forderung der IG Metall

Überstunden sind in diesem Zeitraum deutlich seltener geworden. Wobei das eigentlich nur für die bezahlten Überstunden gilt. Obwohl viel mehr Arbeitnehmer als früher Teilzeit arbeiten, schenkt jeder im Schnitt seinem Arbeitgeber fast noch so viele unbezahlte Überstunden wie in den Neunzigern.

Zwei Aspekte der gängigen Vorstellung sind allerdings tatsächlich die Regel: Gearbeitet wird in der Regel von Montag bis Freitag, und zur Tagesschau ist man zu Hause. Lediglich rund ein Viertel der Erwerbstätigen (zu denen außer Arbeitnehmern auch Selbstständige zählen) arbeitet regelmäßig am Wochenende - in den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich daran so gut wie nichts geändert. Etwa genau so groß ist der Anteil derer, die abends oder nachts arbeiten. Bereits vor zehn Jahren lag er schon bei 25,5 Prozent, vor 20 Jahren aber noch zehn Prozentpunkte niedriger - der Anstieg um die Jahrtausendwende dürfte mit der Lockerung der strikten Ladenöffnungszeiten zu tun gehabt haben.


Dieser Artikel ist bereits im September 2017 in der Themenwoche Arbeitsmarkt im Vorfeld der Bundestagswahl veröffentlicht worden. Aus aktuellem Anlass haben wir ihn noch einmal prominent platziert.



insgesamt 58 Beiträge
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unaufgeregter 13.11.2017
1. Nur noch Teilzeit
Meine Ehefrau und ich arbeiten seit Jahren in Teilzeit und sind sehr zufrieden damit. Wenn die restliche Mannschaft hier nachmittags im Büro hockt, sind wir beim Sport, mit dem Hund unterwegs oder lesen ein gutes Buch usw. Heute fragen wir uns, warum wir überhaupt so lange in Vollzeit tätig waren. Viel zu anstrengend und lebensverkürzend.
keine Zensur nötig 13.11.2017
2. Schönes Zahlenwerk -
und jetzt das Ganze noch mal: - nach Bundesländern - nach tarifgebunden und nicht tarifgebunden Den sogenannten Weisen schlage ich vor bitte für einen Monat in einem Job zuarbeiten, der saumäßig bezahlt ist, an 3 von 4 Wochenenden - gern auch nachts zuarbeiten. Auswahl? Putze, Krankenschwester, Busfahrer, Wachmann usw.
hausfeen 13.11.2017
3. Da sich die unbezahlten Überstunden nur schwer ...
... überprüfen lassen, tippe ich auf einen deutlich höheren Wert. Kleine Betriebe ohne Gewerkschaft sind hier die Sünder.
ark95630 13.11.2017
4. Na ja ...
Es sieht so aus, als hätten die sogenannten Weisen wohl eher keine aktuelle Perspektive auf den heutigen Arbeitsmarkt. Das sieht man wohl eher aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft.
mannausbonn 13.11.2017
5. von mir aus bin ich gerne dabei ...
aber dafür muss sich der arbeitgeber auch deutlich bewegen. aktuell arbeite ich in einem betrieb mit homeoffice (welcher jedoch in der regel nie genehmigt wird) und natürlich dem klassiker rufbereitschaften (welche der arbeitgeber natürlich gerne einfordert) ... bei so einem ungleichgewicht bin ich zu weiteren zugeständnissen nicht bereit - meine telefonkonferenz müsste ohne mich stattfinden!
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