So arbeitet Deutschland Auf dem Weg in die Teilzeitrepublik

Der Normal-Arbeitstag von acht Stunden ist in Deutschland nicht mehr normal. Teilzeit nimmt zu. Und die Aufteilung zwischen Mann und Frau verändert sich. Grafiken und Fakten zur Arbeitszeit auf einen Blick.

SPIEGEL ONLINE

Von und


Wo steht Deutschland: bei der Integration von Flüchtlingen, dem Umweltschutz, der sozialen Gerechtigkeit? Wir wollen es herausfinden - und berichten in sieben Themenwochen über Deutschland im Wahljahr 2017.
Einen Überblick finden Sie hier.

Montag bis Freitag, rund acht Stunden am Tag, spätestens zur Tagesschau zu Hause - so sieht er aus, der Normal-Arbeitsplatz in Deutschland. Oder besser: die gängige Vorstellung davon. Denn die Norm ist er im Jahr 2017 nicht mehr. Nur noch sechs von zehn Arbeitnehmern arbeiten Vollzeit, die anderen vier Teilzeit. Anfang der Neunzigerjahre war das Verhältnis noch acht zu zwei.

Apropos Teilzeit: Ein Grund für den stark gestiegenen Anteil ist, dass Mütter deutlich häufiger einer Erwerbsarbeit nachgehen als früher. Die Ein-Verdiener-Familie wird zunehmend zur Ausnahme, ein Zeichen veränderter Rollenmodelle - von echter Gleichstellung kann allerdings noch lange keine Rede sein: In einer Partnerschaft ohne Kinder arbeiten Frauen im Schnitt mit 33,2 Stunden nur 6,5 Stunden in der Woche weniger in der Woche als Männer. Ist der Nachwuchs jedoch da, vergrößert sich der Abstand auf durchschnittlich 15 Stunden - weil die Mütter ihre Arbeitszeit drastisch herunterfahren. Väter arbeiten hingegen im Schnitt sogar ein bisschen mehr.

SPIEGEL ONLINE

An der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit hat sich allerdings seit den Neunzigerjahren kaum etwas geändert. Bei den Vollzeitstellen gab es einen leichten Rückgang um eine Stunde, wohl wegen der 1995 abgeschlossenen Einführung der 35-Stunden-Woche in der Metallbranche. Selbst zwei Jahrzehnte später sind Arbeitnehmer in anderen Branchen darauf neidisch. Zu Recht. Übrigens: Die Gesamtmenge aller Arbeitsstunden ist inzwischen wieder so hoch wie Anfang der Neunzigerjahre - trotz des Teilzeitbooms und kürzerer Wochenarbeitszeit. Denn es gibt inzwischen deutlich mehr Beschäftigte.

Überstunden sind in diesem Zeitraum deutlich seltener geworden. Wobei das eigentlich nur für die bezahlten Überstunden gilt. Obwohl viel mehr Arbeitnehmer als früher Teilzeit arbeiten, schenkt jeder im Schnitt seinem Arbeitgeber fast noch so viele unbezahlte Überstunden wie in den Neunzigern.

Zwei Aspekte der gängigen Vorstellung sind allerdings tatsächlich die Regel: Gearbeitet wird in der Regel von Montag bis Freitag, und zur Tagesschau ist man zu Hause. Lediglich rund ein Viertel der Erwerbstätigen (zu denen außer Arbeitnehmern auch Selbstständige zählen) arbeitet regelmäßig am Wochenende - in den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich daran so gut wie nichts geändert. Etwa genau so groß ist der Anteil derer, die abends oder nachts arbeiten. Bereits vor zehn Jahren lag er schon bei 25,5 Prozent, vor 20 Jahren aber noch zehn Prozentpunkte niedriger - der Anstieg um die Jahrtausendwende dürfte mit der Lockerung der strikten Ladenöffnungszeiten zu tun gehabt haben.



insgesamt 41 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hexenbesen.65 28.08.2017
1.
Ein Traum für alle "Schichtler", NUR 35 Std die Woche arbeiten zu müssen ! Da sind 40 + die Regel....gerne auch "dürfen" Frauen auch Sonntag abends in die Nachtschicht kommen, Samstag früh raus gehen, und dann Montag morgens gleich wieder mit der Frühschicht anfangen...dann bitte auch noch Samstag in die Frühschicht. Die "faule" Spätschicht hat "nur" 40 Arbeitsstunden die Woche...(kann aber mal zu"Sonderschichten" Samstag nachmittag kommen. Und wer da nicht mitmacht ---> "Da ist die Tür!"---egal, wie alt Mann/Frau ist, wieviele Kinder oder Kleinkinder man hat ("Das ist ja Privatvergnügen"--wurde MIR mal gesagt, als ich um Schicht-Tausch bat ) Viele Frauen, die nach der Geburt Teilzeit arbeiten,wollen ja wieder in Vollzeit zurück, aber dann ist "upps" plötzlich keine Stelle mehr frei...dann heist es: Entweder auf Teilzeit bleiben oder kündigen...Und für diesen gekündigten Job wird auch nur ne Teilzeitperson angestellt...Oder wird auf 2 Mini-Jobber geteilt...Gewerkschaften und poltiker haben das alles nur noch "verschlimmbessert"
dennis_berber 03.09.2017
2. Arbeitsvolumen ist konstant seit 1991
Ist doch kein Wunder, dass die Teilzeitjobs zunehmen und die Vollzeitjobs abnehmen. Das Arbeitsvolumen hat seit 1991 nicht mehr zugenommen, nur die Anzahl an Erwerbstätigen. Somit steigt der Druck auf die Löhne und Gehälter und gleichzeitig nimmt die Produktivität zu, sodass langfristig nich von einem Anstieg des Arbeitsvolumens auszugehen ist. https://www.finwir.de/wirtschaft/arbeitsvolumen-zu-wenig-arbeit-fuer-zu-viele-menschen/
royal_flush 03.09.2017
3.
Ich (m) würde gerne Teilzeit arbeiten (ca. 50-60%), weil ich bei meiner Frau sehe, was das für zusätzlich Lebensqualität bringt, trotz finanzieller Einbußen. Leider ist das bei der Firma, in der ich arbeite, schwierig. Da ich dort aber bleiben möchte, akzeptiere ich das derzeit. In ein paar Jahren klappt es hoffentlich, Teilzeit bleibt jedenfalls mein mittelfristiges Ziel.
guentherzaruba 03.09.2017
4. diese Idee
dass eine Hälfte der KollegINNEN von Montag bis (z.B.)Donnerstag , die andere Hälfte von Dienstag bis Samstag arbeitet habe ich schon Jahrzehnte lang. Andere Möglichkeiten wären 3er Blocks. Mo.- Mi......Do.-Sa. Dann auch 3x 10 Stunden um beim Einkommen nicht zu sehr zu reduzieren.
hwdtrier 03.09.2017
5. Sorry aber für jede
Teilzeitstelle ist eine zweite nötig denn die Arbeit muss ja gemacht werden. Willen Teilzeitler wieder voll arbeiten müsste man dem zweiten kündigen. Ist dann sozial.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.