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Milliardendeal: Argentinien einigt sich mit Hedgefonds im Schuldenstreit

Seit mehr als 14 Jahren streitet Argentinien mit US-Gläubigern über die Rückzahlung von Anleiheschulden. Nun meldet ein Vermittler den Durchbruch.

Passantin vor Wechselkurstafel im Finanzdistrikt von Buenos Aires Zur Großansicht
REUTERS

Passantin vor Wechselkurstafel im Finanzdistrikt von Buenos Aires

Nach jahrelangem Streit gibt es zwischen Argentiniens Regierung und mehreren US-Hedgefonds eine Grundsatzeinigung: Argentinien sei bereit, den Hedgefonds NML Capital, Aurelius und zwei weiteren Fonds 4,65 Milliarden Dollar (4,25 Milliarden Euro) zu zahlen, teilte der in dem Streit eingesetzte Vermittler Daniel Pollack am Montag mit. Das sind 75 Prozent der ursprünglich von den Fonds geforderten Summe.

Die Grundsatzeinigung war demnach bereits am Sonntagabend erzielt worden. Laut Pollack geht der Streit damit in die "letzte Etappe". Die Einigung müsse noch vom argentinischen Parlament abgesegnet werden. "Das ist ein großer Schritt nach vorne in diesem langen Rechtsstreit, aber noch nicht der letzte Schritt", sagte Pollack.

"Die seit 15 Jahren andauernde Auseinandersetzung zwischen Argentinien und Elliott Management (...) ist nun auf gutem Wege, gelöst zu werden", teilte Pollack mit. In dem Konflikt geht es um Anleiheschulden aus der Staatspleite von Ende 2001, auf deren Rückzahlung eine Gruppe von Gläubigern geklagt hatte. Eine führende Kraft in dem Verfahren gegen Argentinien ist der New Yorker Hedgefonds NML Capital. Dieser wiederum gehört zum Elliott-Finanzimperium des US-Milliardärs Paul Singer.

Vor allem Hedgefonds hatten im vergangenen Jahrzehnt nach der Staatspleite Argentiniens fast wertlose Schuldtitel des Landes aufgekauft. Eine Gruppe von Gläubigern hatte sich einer früher ausgehandelten Umschuldung verweigert. Zuletzt kam aber Bewegung in den Streit. Anfang Februar hatte sich Argentinien bereits mit zwei von sechs Gläubigern geeinigt. Sollte die Einigung mit den vier wichtigsten Investoren nun gelingen, könnte das Argentinien helfen, wieder Zugang zu den internationalen Kreditmärkten zu bekommen. Das ist ein erklärtes Ziel des neuen Präsidenten Mauricio Macri.

Argentinien benötigt dringend Geld, um seine marode Infrastruktur zu sanieren. Zudem wären geringere Finanzierungskosten eine Hilfe für Unternehmen und Regionen in der drittgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas.

Die argentinische Regierung unter der damaligen Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner hatte sich stets geweigert, ernsthaft mit den von ihr als "Aasgeier" bezeichneten Fonds zu verhandeln. Durch den Zahlungsboykott war die zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas aber weitgehend von den internationalen Kapitalmärkten abgeschnitten.

Die Auseinandersetzung mit den Hedgefonds hatte teils kuriose Folgen. So war 2012 ein argentinisches Marineschiff auf Antrag des Finanzinvestors Singer in Ghana festgesetzt worden. Der westafrikanische Staat musste das Schiff aber wieder freigeben.

mmq/AFP/Reuters

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