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Argentinien und die Hedgefonds: Duell der Erpresser

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REUTERS/Argentine Presidency

Argentiniens Präsidentin Kirchner: Kampf mit harten Bandagen

Argentinien wehrt sich gegen die Pleite - und gegen zwei Hedgefonds, die mit allen Mitteln ihr Geld eintreiben wollen. Staatspräsidentin Kirchner wirft den "Geierfonds" Erpressung vor. Doch auch die Regierung kämpft mit harten Bandagen.

Hamburg - Wenn Paul Singer einmal im Jahr zum Weltwirtschaftsforum nach Davos reist, gibt er gerne den Kämpfer für die Gerechtigkeit. Mit ruhiger Stimme und harten Worten liest er den Bankern die Leviten, die immer noch nichts aus der Krise gelernt haben.

Das hat schon etwas Putziges, denn Singer ist Hedgefonds-Manager. Mit seinem Fonds Elliott Management ist er zu einem der reichsten Menschen der USA aufgestiegen. Die Methoden, mit denen er sein Geld verdient, sind rau. Sein Fonds kauft Schuldverschreibungen billig auf und versucht entweder, sie zu höheren Preisen wieder loszuwerden. Oder er verklagt den Schuldner auf Zahlung der gesamten Summe.

Hedgefonds-Chef Singer: Kühl kalkulierender Manager Zur Großansicht
REUTERS

Hedgefonds-Chef Singer: Kühl kalkulierender Manager

Genau darum geht es auch im Streit mit Argentinien, der sich gerade spektakulär zuspitzt. Singer und der von seinem ehemaligen Mitarbeiter Mark Brodsky geleitete Hedgefonds Aurelius haben vor Jahren Anleihen des ehemaligen Pleitestaats billig aufgekauft und verlangen nun die volle Rückzahlung des Nennwerts, insgesamt 1,3 Milliarden Dollar. Ein US-Gericht hat ihnen recht gegeben: Inklusive Zinsen muss Argentinien den beiden Fonds sogar 1,5 Milliarden Dollar zahlen. Die Regierung weigert sich beharrlich. Doch ihr läuft die Zeit davon. Bis Ende Juli muss sie zahlen - oder Argentinien ist nach nicht einmal 13 Jahren schon wieder pleite.

Es ist ein Duell zwischen den kühl kalkulierenden Hedgefonds-Managern auf der einen Seite und Staatspräsidentin Cristina Fernández de Kirchner auf der anderen - einer Frau, die ebenfalls mit harten Bandagen kämpft.

Die Witwe des Ex-Präsidenten Nestor Kirchner polarisiert. "Sie kennt nur Freund oder Feind", hat ein argentinischer Gewerkschaftsführer mal über sie gesagt. Und wer der Feind ist, das ist für Kirchner klar: Sie lässt keine Gelegenheit aus, um gegen die internationalen Investoren zu hetzen, von deren Krediten das Land abhängig ist. "Geierfonds" nennt sie Elliott und Aurelius.

Anfang der Woche ließ sie in großen europäischen Tageszeitungen ganzseitige Anzeigen schalten, in denen sie über die Investoren herzog. Vor allem Singer wird darin zur Zielscheibe des Hasses. Sein Fonds habe 2008 lediglich 48,7 Millionen Dollar für die argentinischen Anleihen bezahlt, nun solle er laut dem Gerichtsurteil 832 Millionen Dollar erhalten.

Ein Feind ist für Kirchner auch Thomas Griesa, der inzwischen 84-jährige US-Richter am Bezirksgericht in Manhattan, der Argentinien dazu verdonnert hat, den Hedgefonds die Schulden zurückzuzahlen. Ein Urteil, das der Oberste Gerichtshof der USA in der vergangenen Woche bestätigte. Die Anleihen wurden nach amerikanischem Recht begeben, deshalb ist die US-Justiz dafür zuständig. Dank Kirchners Stimmungsmache gilt Griesa vielen Argentiniern inzwischen als böse Fratze des Finanzkapitalismus.

Zu den Gläubigern gehören nicht nur Finanzhaie

Der ganze Streit geht zurück auf den Dezember 2001. Damals, einen Tag vor Heiligabend, hatte das Land alle Zahlungen an seine Gläubiger eingestellt. Die Bankguthaben der eigenen Bürger wurden eingefroren, um einen Ansturm auf die Finanzinstitute zu verhindern. In den Filialen verbarrikadierten die Banker Türen und Fenster. Es waren schwere Tage - für die Menschen im Land, aber auch für die internationalen Geldgeber, die Argentinien über die Jahre fast 100 Milliarden Dollar geliehen hatten.

Mit den meisten von ihnen einigte sich die Regierung später. In den Jahren 2005 und 2010 stimmten insgesamt 93 Prozent der Gläubiger zwei Umschuldungen zu und verzichteten dabei notgedrungen auf mehr als zwei Drittel ihrer Forderungen. Das Problem für das Land blieben die übrigen sieben Prozent, die sogenannten "Holdouts", die Argentiniens Bedingungen nicht akzeptieren wollen - und die immer noch auf der Rückzahlung ihres Geldes beharren.

Darunter sind längst nicht nur Finanzhaie von der Wall Street, sondern auch viele ganz normale Kleinanleger, die sich in den Neunzigerjahren von Zinsen bis zu zwölf Prozent locken ließen und argentinische Anleihen gekauft haben. Allein für deutsche Anleger geht es dabei um mehr als 100 Millionen Dollar.

Für sie ist auch das, was die argentinische Regierung mit ihnen gemacht hat, Erpressung. Nach dem Motto: Entweder ihr verzichtet auf zwei Drittel eurer Forderungen, oder ihr bekommt gar nichts.

Und viele von ihnen sympathisieren sogar mit Paul Singer. Sie freuen sich, wenn der Hedgefonds-Manager mal wieder Schlagzeilen macht, weil er ein argentinisches Marineschiff beschlagnahmen lässt. Und ärgern sich, wenn Präsidentin Kirchner mal wieder im Mietflugzeug ins Ausland reist, um einer Pfändung der Präsidentenmaschine vorzubeugen.

Argentinisches Marine-Schulschiff Libertad: 2012 ließ Singer es pfänden Zur Großansicht
AP

Argentinisches Marine-Schulschiff Libertad: 2012 ließ Singer es pfänden

"Wir können Herrn Singer am Ende noch dankbar sein, dass er dieses Urteil erstritten hat", meint ein Kleinanleger, der im Rahmen einer Sammelklage gemeinsam mit anderen Privatinvestoren um die Rückzahlung von insgesamt knapp einer Million Dollar kämpft. "Wir hätten nie die juristische Stärke und die finanziellen Mittel dazu gehabt."

Auch Hanno Beck, Wirtschaftsprofessor an der Hochschule Pforzheim, nimmt die Hedgefonds in Schutz: "Was die machen, ist extrem wichtig", sagt er. Wenn Argentinien damit durchkomme, sich einfach seinen Zahlungsverpflichtungen zu entziehen, sei das "ein Signal an alle Pleitestaaten der Welt: Macht euch keine Sorgen, ihr müsste eure Schulden nie vollständig zurückzahlen." Wenn Kirchner nun Stimmung gegen die Hedgefonds mache, lenke sie nur von ihren eigenen Fehlern ab, sagt Beck.

Die Präsidentin hat auch deshalb so viel Angst davor, die Hedgefonds auszuzahlen, weil sie fürchtet, dass sie dann auch den übrigen "Holdouts" ihr Geld überweisen müsste, insgesamt geht es um 15 Milliarden Dollar. Angesichts der inzwischen auf 28 Milliarden Dollar geschrumpften Devisenreserven des Landes wäre das ein ziemlicher Kraftakt. Also wird weiter verhandelt.

Am kommenden Montag muss Argentinien eigentlich wieder Zinsen zahlen - an all jene Gläubiger, die der Umschuldung zugestimmt hatten. Die argentinische Zentralbank hat dazu bereits insgesamt 832 Millionen Dollar auf Konten in New York deponiert. Doch ein Gericht hat die Auszahlung gestoppt. Zuerst, so hatte schon Richter Griesa entschieden, muss Argentinien das ausstehende Geld an die Hedgefonds zahlen, erst dann darf das Land wieder seine übrigen Gläubiger bedienen.

Gibt es bis Montag keine Einigung zwischen Hedgefonds und Regierung, läuft noch eine 30-Tage-Frist. Wenn es auch dann kein Ergebnis gibt, ist Argentinien wieder pleite. Es wäre das achte Mal in seiner Geschichte.

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1.
jole53 28.06.2014
Nach der esten Pleite ist es in Argentienen vielen Menschen sehr schlecht gegange. Auch der Mittelstand war betroffen. Und so ein paar Finanzgeier treiben ein ganzes Land wieder in die Pleite. Unglaublich. Die sollen ihren Einsatz wiederbekommen und fertig.
2. Richtig so Frau Kirchner!
Blaufrosch 28.06.2014
Anleger kennen ihr Risiko, das Gejammer ist also scheinheilig! Und bevor ein ganzes Land den Bach runtergeht muss eben Herr Singer und seine gierige Connection zurückstecken. Das gleiche würde sich niemand bei den USA trauen und die stehen ja oft kurz vor der Pleite.
3. Was sind die Alternativen?
thunderstorm305 28.06.2014
Man kann natürlich darauf bestehen, dass alle Schulden zurückgezahlt werden. Das Ergebnis wird die erneute Pleite Argentiniens sein. Deshalb muss man m.E. sich schon fragen, weshalb nun ausgerechnet die Hedgefonds bevorzugt werden sollen und zuerst einige Gelder erhalten sollen? Es reicht nunmal nicht für alle Schulden. Es muss ein Schuldenschnitt getan werden, bei dem alle Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Das ist schlimm für die Gläubiger. Aber was sind die Alternativen?
4. 12% Schwachsinn
Rolf_aus_Ulm 28.06.2014
Nun ist der Spiegel keine neoliberale Wirtschaftszeitung und ich hab auch nicht im Fokus ob es auf Spiegel-online noch einen ergänzenden Bericht gibt. Weil so wird das Thema unterschwellig in eine ganz fiese Ecke geschoben. 12% Zinsen auf eine Anleihe heißt „ich gehe auf Risiko“. Und bekanntlich wird dies gebetsmühlenartig als Investoreneinstiegswissen verbreitet. Und sorry verdammt noch mal, jetzt gab es dieses Risiko halt mal wirklich! Schluß, Aus! Wie wäre es, wenn man Pof. Hanno Beck seine Ausführungen um diese Sicht ergänzt hätte? So aber kann ich ihn nur als Lakeien der Hochfinanz wahrnehmen, wie auch der ganze Beitrag dahingehend einseitig gefärbt ist. Aber so wie exorbitante Renditen ein Risiko beherbergen ist es ungeschriebenes Gesetz das letztendlich anstehende Verluste zu sozialisieren sind. Ist der Spiegel also doch auch unterschwellig eine weisungsgebundene Speerspitze der Hochfinanz?
5. nicht zahlen
hansgustor 28.06.2014
Ungeachtet der Fehler Argentiniens, wäre es ein Schlag ins Gesicht für die Gläubiger die der Umschuldung zugestimmt haben, wenn Herr Singer jetzt 1600% Gewinn ausgezahlt bekommt. Dann lieber Geld für niemand und harte Jahre für Argentinien.
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