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Kampf gegen US-"Geierfonds": Zitterpartie um Argentinien

Von , New York

Kampf gegen "Geierfonds": Zitterpartie um Argentinien Fotos
AP

Wenn sich Argentinien nicht binnen Stunden mit zwei US-"Geierfonds" einigt, droht die Staatspleite. Die Firmen fordern 1,5 Milliarden Dollar - ein Scheitern könnte Südamerikas drittgrößte Wirtschaft aber noch viel mehr kosten.

Argentinien kämpft gegen zwei US-"Geierfonds". 1,5 Milliarden Dollar schuldet ihnen das Land aus seiner Staatspleite von 2002 - die Fonds verweigern sich, anders als die übrigen Gläubiger, dem verlustreichen Schuldenschnitt. Sie beharren auf Vollzahlung, doch Argentinien wehrt sich. Die Ansprüche der anderen liegen derweil auf Eis.

Argentiniens Argument: Zahlt es die "Geier", könnten auch die anderen, die sich mit weniger abspeisen ließen, auf 100 Prozent bestehen. Das wären fast 30 Milliarden Dollar - und würde die drittgrößte Wirtschaft Südamerikas in eine neue Finanzkrise stürzen.

Auch darüber hinaus hätte es weitreichende Folgen. "Historisch betrachtet führten Klagen gegen Staaten selten zum Ziel", sagte der US-Rechtsprofessor Mitu Gulati dem SPIEGEL. "Jetzt könnte der Fall Argentinien die Spielregeln für die ganze Finanzwelt verändern."

Argentinien hat Gerichtsurteile ignoriert, die Pfändung von Botschaften, sogar die Beschlagnahme seines Segelschulschiffs "Libertad". Doch in der Nacht zum Donnerstag läuft die letzte Galgenfrist ab, sich mit den "Geierfonds" zu einigen. Gelingt das nicht, droht ihm eine abermalige Pleite - und die Verbannung aus der internationalen Finanzgemeinschaft.

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Elliott Management: Der Schuldeneintreiber
Trotzdem stellten sich beide Seiten stur. Am Dienstag traf noch mal eine argentinische Delegation, angeführt von Wirtschaftsminister Axel Kiciloff, beim Unterhändler in Manhattan ein, dem Wall-Street-Anwalt Dan Pollack. Das Treffen dauerte zwölf Stunden lang, bis weit in die Nacht - und wurde dann ergebnislos abgebrochen. Am Mittwoch sollen die Gespräche fortgesetzt werden, sagte Kiciloff, nannte aber keine Uhrzeit.

Schon vor zwei Wochen waren alle in Pollacks Kanzlei erschienen. Argentinien schickte damals freilich nur die zweite Garde, Vizejustizminister Javier Pargament. Der brachte eine schwarze Aktentasche mit, doch weigerte sich, mit den Fondsvertretern überhaupt in einem Raum zu sitzen. Auch habe ihm Buenos Aires gar keine Verhandlungsbefugnis erteilt.

Kein Wunder, dass das nichts wurde. "Es gab keine Lösung", vermeldete Pollack und äußerte "Hoffnung auf weiteren Dialog". Argentinien, hieß es aus Verhandlungskreisen aber, habe kein Interesse an einer Einigung.

Natürlich geben auch die "Geier" nicht nach. Allen voran die Hedgefonds-Gruppe Elliott, die allein Anspruch auf 1,3 Milliarden Dollar anmeldet - ein Profit von 1680 Prozent auf seine ursprüngliche Investition. Für die Firma des Republikaner-Mäzens Paul Singer, die fast 25 Milliarden Dollar verwaltet, ist das nur ein Klacks - doch einer, der das alles wohl wert ist. Singer hat kein Mitleid: Argentiniens Probleme seien selbst verschuldet.

Treffen mit einem Hedegefonds-Manager, in der Hotelbar, er besteht auf Diskretion: "Da können wir in Ruhe reden." Er bestellt grünen Tee, für die Nerven wohl. Obwohl er ganz entspannt wirkt und so gar nicht wie ein gestresster Finanzhai.

Der Mann in der Hotelbar führt nicht irgendeinen Hedgefonds, sondern einen "Geierfonds": Er kauft die Milliardenschulden kaputter Staaten zum Ramschpreis, um dann auf komplette Rückzahlung der Anleihen zu klagen - mit tausendfachem Profit. Das ist riskant und macht einen unbeliebt. Occupy-Protestler haben ihn belagert, Reporter gejagt.

"Wir sind keine Schurken", sagt er lächelnd. Das seien "Klischees", "Vorverurteilungen", "Schwarz-Weiß-Malerei". Ihnen gehe es nur um Einhaltung ganz legaler Verträge - wiewohl mit bettelarmen Ländern, bei denen oft klar ist, dass sie diese Verträge nicht erfüllen können.

Der Mann will den Ruf seiner Branche zurechtrücken, gerade in puncto Argentinien. "Was ist denn schlimm daran, auf einen Deal zu pochen, den beide unterzeichnet haben?", fragt er, der an diesem Fall nicht direkt beteiligt ist, aber an einem ähnlichen.

Was nun? Per US-Gerichtsentscheid müsste Argentinien am Donnerstag Zahlungsunfähigkeit anmelden, so es die "Geier" nicht entschädigt. Buenos Aires hält dagegen, es sei sehr wohl zahlungsfähig: 539 Millionen Dollar für die anderen Gläubiger habe es im Juni bei deren Treuhandbank hinterlegt, wo sie allerdings gerichtlich weiter gesperrt lägen.

Ein riskantes Spiel: Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner weiß zwar ihr Volk hinter sich. Doch so lange sie die "Geier"-Saga nicht abschließt, bleibt ihr Land von den internationalen Kapitalmärkten verbannt. Entweder schluckt sie ihren Stolz hinunter - oder isoliert sich nur weiter.

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insgesamt 413 Beiträge
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    Seite 1    
1. wo ist denn Argentien
spon-1292345938400 30.07.2014
Kt
2. Next failed State
Pegu 30.07.2014
Made by Amerika... Wir präsentieren: Argentinien!
3. wo liegt den das...
v-o-d 30.07.2014
..Argentien ;-)
4.
Vaen 30.07.2014
Argentien?
5.
lanzarot 30.07.2014
Warum schafft es eigentlich kein Hacker, die Konten dieser Geier auf 0 zu setzen?
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