Nach 15 Jahren Argentinien darf wieder Schulden machen

15 Jahre lang war Argentinien von den Finanzmärkten verbannt, jetzt hat ein US-Gericht die Sperre aufgehoben. Die Einigung mit Hedgefonds nach jahrelangem Streit machte den Weg frei.

Straßenszene im Finanzdistrikt von Buenos Aires
REUTERS

Straßenszene im Finanzdistrikt von Buenos Aires


15 Jahre lang war Argentinien von den internationalen Finanzmärkten ausgeschlossen, nun kann das Land dort wieder Kredite aufnehmen.

Ein US-Berufungsgericht in New York hat die Aufhebung von einstweiligen Verfügungen bestätigt, die dem Land Zahlungen an bestimmte Gläubiger untersagt und den Zugang zu den Kapitalmärkten versperrt hatten. Die Regierung in Buenos Aires kann nun neue Staatsanleihen ausgeben, um die Rechnungen bei den Hedgefonds zu bezahlen.

Und das will Argentinien umgehend tun: Die zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas werde neue Anleihen über bis zu 15 Milliarden Dollar ausgeben, kündigte Finanzminister Alfonso Prat-Gay an. Anfang kommender Woche werde die Anleihe auf den Weg gebracht, sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums.

"Dies ist ein weiterer Schritt zur Normalisierung und zur Entwicklung, die Argentinien verdient hat", sagte Prat-Gay. Nun könne das Land beginnen, an die Zukunft zu denken, Arbeitsplätze zu schaffen und seinen Bürgern Wohlstand zu bieten. Allerdings wird ein großer Teil der neuen Schulden für die Rückzahlung alter Kredite benötigt.

Frist bis diesen Donnerstag

Hintergrund der Blockade Argentiniens ist ein Streit mit US-Hedgefonds infolge der Staatspleite von Ende 2001. Die Fonds hatten damals Abschläge bei der Rückzahlung von Staatspapieren nicht akzeptiert, anders als 93 Prozent der restlichen Gläubiger. Ein US-Richter schlug sich auf ihre Seite und untersagte Argentinien, neues Geld bei Investoren einzusammeln und andere Gläubiger zu bedienen, solange die Schulden bei den Hedgefonds nicht bezahlt sind.

Argentinien weigerte sich dennoch über Jahre beharrlich, die von der ehemaligen Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner als "Aasgeier" und "Finanzterroristen" bezeichneten Hedgefonds zu bezahlen.

Erst mit dem Regierungswechsel im Dezember 2015 kam wieder Bewegung in den Streit. Der neue Staatschef Mauricio Macri suchte den Kompromiss mit den Hedgefonds. Ende Februar einigten sich die Streitparteien auf einen Vergleich in Höhe von 4,65 Milliarden Dollar. Das entspricht etwa 75 Prozent der ursprünglichen Forderungen. Zum Vergleich: Gläubiger, die sich an den Umschuldungen der Jahre 2005 und 2010 beteiligten, bekamen im Schnitt weniger als 30 Prozent.

Die Grundsatzeinigung mit den Hedgefonds sieht eigentlich vor, dass Argentinien bis diesen Donnerstag zahlt. Allerdings könnte die Frist dem argentinischen Finanzminister zufolge verlängert werden, als Auszahlungstermin nannte er den Freitag der kommenden Woche.

fdi/dpa

insgesamt 37 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Shantam 14.04.2016
1. Darf wieder Schulden machen?
Nimmt das eigentlich noch irgendein Statt ernst? Wieviele Billionen Schulden hat eigentlich wer? Juhuu Argentinien darf in diesem Verrotteten Geldsystem wieder mit machen. Die Erpressbarkeit, der Konzerne, nimmt wieder zu, oder wie?
darkace82 14.04.2016
2. Traurig...
Wie kann ein US Richter eigentlich einem Staat den Zugang zu internationalen Finanzmärkten verbieten? wieder einmal gewinnt ein privates "Unternehmen" gegen einen Staat und seine Bevölkerung. nicht überraschend aber trotzdem traurig.
rolarndt 14.04.2016
3. und wieder
hat sich ein Staat von der Finanzmafia erpressen lassen. Da erkennt man, wer die Macht hat.
viceman 14.04.2016
4. ein bischen viel lieschen müller
in dem was der finanzminister da so von sich gibt. märchenstunde in buenos aires ?erinnert mich an "helmut nimm uns an die hand..." also zahl argentinien zwischen 5-10 mrd , um neue kredite von 15 mrd. aufnehmen zu können. wo soll da der vorteil für das land liegen?zuerst sollte man sich die renditen der geierfonds anschauen, bis zum 800% -bei einem einsatz von 120 mio schaffte es ein fond 950 mio zurückzuerhalten. und das alles wegen eines us-richters. könnte ähnliches nach ttip auch in europa kommen ? interessant ist, daß bei allen freihandelsstreitigkeiten der usa mit ihren "partnern" noch nicht einmal die usa verloren hat ...
seiplanlos 14.04.2016
5. @darkace
Indem Argentinien die Kredite unter US recht heraus gegeben hat, haben sie sich auch der US Rechtsauffassung unterworfen. Hätten sie es damals unter argentinischem herausgegeben, hätte es wahrscheinlich keiner beliehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.