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Streit mit US-Hedgefonds: Argentinien evakuiert Crew von Marineschiff

Nervenkrieg vor der Küste Ghanas: Seit knapp drei Wochen liegt dort ein argentinisches Segelschulschiff, festgesetzt von einem US-Hedgefonds. Der Investor will so Geld eintreiben, das Argentinien ihm schuldet. Nun sollen die Vereinten Nationen den Streit schlichten - die Crew musste von Bord gehen.

Argentinisches Segelschulschiff "Libertad": Alle Mann von Bord Fotos
AP

London/Buenos Aires - Seit dem 2. Oktober liegt die "Libertad" im Hafen von Tema in Ghana. Ein US-Hedgefonds hatte den imposanten argentinischen Dreimaster vor knapp drei Wochen beschlagnahmt, weil das südamerikanische Land dem Investor Geld schuldet.

Gut hundert Meter lang ist die "Libertad". Seit 50 Jahren befährt sie die Weltmeere, zuletzt als Segelschulschiff für die argentinische Marine. Der Finanzfonds NML Capital mit Sitz auf den karibischen Cayman-Inseln hatte vor einem Gericht in Ghana die Pfändung des Schiffs erreicht, um die Regierung in Buenos Aires zur Zahlung von ausstehenden Krediten und Zinsen zu zwingen. Der Fonds will das Schiff erst dann wieder aufs offene Meer lassen, wenn das südamerikanische Land ihm mindestens 20 Millionen Dollar zahlt.

Argentinien verurteilt die radikalen Mittel von NML. Die Menschenrechte würden laut Präsidentin Cristina Kirchner verletzt: Es habe zwischenzeitlich keine Elektrizität an Bord gegeben, weil kein neues Öl aufs Schiff gebracht werden durfte. So hätten Lebensmittel nicht gekühlt und Sicherheitsvorkehrungen nicht getroffen werden können.

Nun bringt Argentinien den Streit um das beschlagnahmte Segelschulschiff vor die Vereinten Nationen. Laut einem Bericht der "Financial Times" nannte Außenminister Héctor Timerman den Fall eine "rechtswidrige Beschlagnahme". Buenos Aires werde niemals mit "Aasgeier-Fonds" - so nennt die argentinische Regierung ihren Gläubiger - verhandeln. Wie Timerman am Samstag in einer im Fernsehen verlesenen Erklärung mitteilte, gab Präsidentin Kirchner Anweisung, den Fall bei einer Tagung des Uno-Sicherheitsrats am Montag zu besprechen.

285 Millionen Euro Schulden

Außerdem ordnete Kirchner an, bis auf den Kapitän und eine Notbesatzung alle Seeleute von Bord zu bringen. Die 326 Besatzungsmitglieder sind zum größten Teil Argentinier, unter ihnen befinden sich aber auch Chilenen, Uruguayer und andere Lateinamerikaner sowie Südafrikaner.

NML Capital hatte während der Wirtschaftskrise im Jahr 2000 Staatsanleihen gekauft, bevor Buenos Aires im Zuge eines Schuldenschnitts einen Großteil seiner Kredite strich. Nach Darstellung des Fonds schuldet Argentinien ihm umgerechnet 285 Millionen Euro.

Im Zuge des Streits traten der Chef der argentinischen Kriegsmarine, Carlos Alberto Paz, und die Leiterin des militärischen Geheimdiensts, Lourdes Puente Olivera, zurück. Außerdem wurden zwei ranghohe Offiziere suspendiert, die den Halt des Segelschiffs in Tema angeordnet hatten.

Die "Libertad" hatte vergangenes Jahr nur lateinamerikanisch Häfen angesteuert. Presseberichten zufolge wollte die Marine so eine Pfändung des Schiffs vermeiden. In diesem Jahr lief der Dreimaster jedoch auch Häfen in Europa und Afrika an, bevor er in Ghana beschlagnahmt wurde.

jus/AFP/Reuters

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insgesamt 157 Beiträge
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1. Verstanden...
umuc 21.10.2012
Ah! JETZT endlich verstehe ich den Boom dieses Landes. Griechenland ist doch überall.
2. Beschlagnahme
Koana 21.10.2012
aller Kriegsgeräte durch Hedgefonds, die Crew´s werden sämtlich freigesetzt und dürfen zurück in ihre Dörfer und Städte. Danach dürfen sich die Hedgefondsmager den letzten Kick holen, indem sie das Zeug selber, mit ihren Körpern besatzen und statt gegeneinander auf Finanzmärkten zu wetten, könnten sie jetzt richtig Krieg spielen. Bleibt zu hoffen, dass sie keine Massenvernichtungswaffen beschlagnahmen. Tja - das Schiff ist ja noch keine "echte" Waffe.....
3.
Zephira 21.10.2012
---Zitat--- Buenos Aires werde niemals mit "Aasgeier-Fonds" - so nennt die argentinische Regierung ihren Gläubiger - verhandeln. ---Zitatende--- Aasgeier sind ja wohl die Regierungen, die sich Geld leihen und sich weigern es zurückzuzahlen. Da finde ich die Rechtssprechung Ghanas durchaus spannend: Endlich gibt es eine Möglichkeit, verschwenderische Regierungen zu pfänden. Vielleicht wird das das ein oder andere Land zu einer besseren Haushaltspolitik motivieren?
4.
glücksbärchi35 21.10.2012
find ich gut. Argentinien ist kein bettelarmes Land. Die könnten durchaus mal anfangen ihre Altschulden zu tilgen. Ob zuerst die Hedgefonds bedient werden müssen ist eine andere sache.
5. Recht so !
Friedrich der Streitbare 21.10.2012
wer nicht zahlt, muss fühlen. So besuchte die argentinische Ministerpräsidentin - ich hoffe das ist der richtige Titel - eine deutsche Messe und dort gefolgt von mehreren Gerichtsvollziehern, die aufpassten, ob Frau Kirchner auch immer brav ihren privaten Geldbeutel zückte. Andernfalls ... . p.s. die Anreise zur Messe erfolgte natürlich mit Linienflug.
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Fläche: 2.780.403 km²

Bevölkerung: 43,132 Mio.

Hauptstadt: Buenos Aires

Staats- und Regierungschef:
Mauricio Macri

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