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Soziale Kluft: 26 Millionen jungen EU-Bürgern droht Armut

Protest gegen Jugendarbeitslosigkeit: Wachsende Kluft zwischen Alt und Jung Zur Großansicht
picture alliance / dpa

Protest gegen Jugendarbeitslosigkeit: Wachsende Kluft zwischen Alt und Jung

Europas Wirtschaft erholt sich, doch die junge Generation profitiert davon nicht. Laut einer Studie wird die Kluft zwischen Alt und Jung immer größer - selbst in Deutschland.

26 Millionen Kinder und Jugendliche sind laut einer Studie in der Europäischen Union von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Damit wären die Jüngeren die größten Verlierer der Wirtschafts- und Schuldenkrise der vergangenen Jahre in der EU.

Betroffen seien fast 30 Prozent aller unter 18-Jährigen, heißt es in dem sogenannten Social Justice Index der Bertelsmann-Stiftung, der die soziale Entwicklung in allen 28 EU-Staaten vergleicht. Mehr als fünf Millionen der Jungen haben nur geringe Zukunftsperspektiven, da sie weder Ausbildungsplatz noch Arbeit finden.

"Wir können uns eine verlorene Generation in Europa weder sozial noch ökonomisch leisten", kommentiert Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung, das Ergebnis der Studie. "Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen besondere Anstrengungen unternehmen, um die Chancen junger Menschen nachhaltig zu verbessern."

Junge auch in Deutschland benachteiligt

Deutschland belegt wie bereits bei der ersten Studie trotz großer volkswirtschaftlicher Kraft nur den siebten Platz in dem Ranking. Forscher bemängeln, dass es mit 40 Prozent einen zu großen Anteil von atypischen Beschäftigten in der Bundesrepublik gebe. Diese Menschen sind trotz Vollzeitjob von Armut bedroht - wegen befristeter Verträge und niedrigem Lohn.

Bei der Generationengerechtigkeit hat sich die Bundesrepublik im Vergleich zu 2014 von Rang 10 auf 15 verschlechtert. So müssen bei den unter 18-Jährigen etwa fünf Prozent mit schweren materiellen Entbehrungen leben; bei den über 65 Jahren alten Bundesbürgern sind es nur 3,2 Prozent. Auch beim Bildungszugang beklagt die Bertelsmann Stiftung in Deutschland einen zu starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg.

Spitzenreiter des Rankings ist Schweden. Bei den Staaten im Süden Europas mit hoher Jugendarbeitslosigkeit mahnt die Stiftung weiter Strukturreformen an. "Dort kommen viele Hochqualifizierte nicht auf dem Arbeitsmarkt an. Der Übergang von der Bildung in den Job funktioniert nicht", sagt Daniel Schraad-Tischer, Experte der Bertelsmann Stiftung.

ssu/dpa

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insgesamt 243 Beiträge
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1. Interessant
MeFFM 27.10.2015
Das sieht man mal wieder wie falsch unsere Politik handelt. Seit Jahren werden Rentner mit Geld, staatlichen Leistungen, abschlagsfreien Frührenten und Renteneehöhungen überhäuft. Dabei wäre das Geld am anderen Ende der Gesellschaft besser aufgehoben!!!
2. Moderne Zeiten
aufdenpunktgebracht, 27.10.2015
Die Ursachen liegen wohl in der Globalisierung und der Robotisierung/Computerisierung. Im nichteuropäischen Ausland sind die Arbeitskräfte billiger und hierzulande werden sie gerne durch Maschinen ersetzt. Das wird sich sicher noch dramatisch steigern in der Zukunft. Das ist der Lauf der Evolution. Beiienflussen kann man das nur schwer bis gar nicht.
3.
eta1 27.10.2015
Wer schon seine Forderungen nicht ohne Fehler formulieren kann, braucht sich nicht zu wundern, wenn es mit der Jobsuche nicht klappt.
4. No Jobs und die Rechtschreibung
Inuk 27.10.2015
Die jungen Leute, die für Jobs demonstrieren, sollten bitte für das Beschreiben der Plakate vorher den Duden verwenden. Das kann man auch ohne Praktika. Auf dem Titelfoto wurde Standard falsch geschrieben und das tut richtig weh. Trotzdem haben sie das Recht auf die Straße zu gehen, um ihren Protest herauszubrüllen. Hier zeigt sich wieder deutlich, wie sehr die Politik in Europa versagt hat. Kein Wunder, denn die Parlamentarier und Kommissare sind mehr mit ihren Nebeneinkünften beschäftigt, als ihre eigentlichen Aufgaben wahrzunehmen.
5. Rente
FrankBennesch 27.10.2015
Bei der mickrigen Rente, die man hier in Deutschland bekommt, müssen ja die "Alten" länger arbeiten und dadurch rücken die Jungen nicht nach. Bei dieser menschenverachtenden Politik darf man sich nicht wundern, das sie selber den Sprengstoff für soziale Unruhen produziert. Aber alle rein lassen, das können sie. Kopflos und mal wieder mit Verboten rumwedeln, beobachten lassen vom Verfassungsschutz. Vorratsdatenspeicherung. Warum sind diese Politiker nicht in der Lage für diese Menschen im diesen Land mal wieder Perspektiven auf zu zeigen. Soziale Errungenschaften bröckeln mehr und mehr weg und alle schauen zu. Die SPD und der DGB machen fleißig mit. So wird das nichts - ach ja die Medien auch.
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