Studie zur Kaufkraft Großstädter besonders von Armut bedroht

Was können sich die Deutschen von ihrem Gehalt leisten? Eine Studie zur Kaufkraft in den Regionen offenbart: Die Unterschiede zwischen Ost und West sind eher gering, zwischen Stadt und Land aber erheblich.

Passanten in Leipzig: Armut hängt auch vom regionalen Preisniveau ab
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Passanten in Leipzig: Armut hängt auch vom regionalen Preisniveau ab


Köln - Die Kaufkraft in deutschen Großstädten liegt deutlich unter der in ländlichen Gebieten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die am Montag vorgestellt wird und SPIEGEL ONLINE vorab vorlag. Die Forscher verglichen die Einkommen in verschiedenen Regionen Deutschlands mit den jeweiligen Preisniveaus, um so die sogenannte relative Kaufkraftarmut zu ermitteln.

Das Ergebnis: In ländlichen Regionen sind im Schnitt nur knapp 14 Prozent der Bevölkerung kaufkraftarm, in den Städten aber 22 Prozent. Besonders schlecht schneidet Köln ab, wo 26,4 Prozent der Bewohner von Kaufkraftarmut betroffen sind. Es folgen Dortmund (25,5 Prozent) und mehrere Bezirke Berlins (24,5 Prozent).

Die Unterschiede zwischen Ost und West sind dagegen den Forschern zufolge deutlich geringer als wenn Armut allein über das Einkommen definiert wird. Thüringen (13,8 Prozent) weist dabei sogar nach Bayern (12,5 Prozent) und Baden-Württemberg (12,7 Prozent) die drittniedrigste Quote aller Bundesländer auf. Schlusslichter der Länder sind dabei Mecklenburg-Vorpommern (20,7 Prozent), Berlin (22,1 Prozent) und Bremen (23,4).

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Regionale Kaufkraft: Stadt, Land, arm

Bundesweit gleich ist dagegen laut IW die Zusammensetzung der Gruppen, die besonders stark von relativer Kaufkraftarmut betroffen sind: Knapp die Hälfte der Personen, in deren Haushalt mindestens ein Arbeitsloser lebt, knapp ein Drittel der Alleinerziehenden und rund ein Viertel der Alleinstehenden sowie Menschen mit ausländischen Wurzeln gelten demnach als kaufkraftarm.

Als Konsequenz aus diesem Befund fordern die Forscher eine Verringerung der Arbeitslosigkeit, eine verbesserte Kinderbetreuung und gezielte Sprachförderung für Migranten. Außerdem müsse sich die regionalpolitische Förderung stärker auf die Großstädte konzentrieren. Zugleich kritisiert das arbeitgebernahe Institut den staatlichen Mindestlohn von 8,50 Euro: Angesichts der Kaufkraft im Osten hätten laut IW auch 7,90 Euro ausgereicht.

dab

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insgesamt 158 Beiträge
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kdshp 25.08.2014
1.
Ach ja das IW mal wieder mit seinen forderungen. Es wird so langsam langweilig weil diese immer gleich sind und einseitig zu lasten der unterschicht gehen. Jaja weniger mindestlohn wird ganz bestimmt bringen und die armut senken. Ob diese GUT-menschen wissen das man von 7,90 bzw 8,50 euro BRUTTO nicht leben kann also in deutschland? Übrings ist deren gehalt gleichzeitig gestiegen und das um die 27,87 % in nur 5 jahren! Armes deutschland.
tommit 25.08.2014
2. Viele ziehen in die Stadt
vile berechnen ihre wahre Rente nicht... dann dropt das Einkommen mal locker um 50% und sie leben immer noch in der Stadt.. Auf dem Land fallen unterdessen die Eigenheimpreise (laut Banken), die Infrastrukutr marodiert und Geschäfte liegen immer weiter entfernt..... Wege werden weit.. Der Michel zerlegt sich selbst... landet irgendwann bei Haldol und Fernsehen in der 5 jährigen 'Kurz'zeitpflege... bei den osteuropäischen Fachpflegekräften , nachdem das EIgenheim verramscht wurde... dement, sabbernd ein Ärgerniss für die umliegenden Stadtbewohner.. Wir sind so sapiens! Karriere? Ja allein bitte...
buelle 25.08.2014
3.
Das ländliche Mecklenburg Vorpommern setzt da wohl ein Zeichen gegen den Trend. Allgemein ist die Karte im Osten deutlich mehr in Rot gefärbt.
kdshp 25.08.2014
4.
Zitat von tommitvile berechnen ihre wahre Rente nicht... dann dropt das Einkommen mal locker um 50% und sie leben immer noch in der Stadt.. Auf dem Land fallen unterdessen die Eigenheimpreise (laut Banken), die Infrastrukutr marodiert und Geschäfte liegen immer weiter entfernt..... Wege werden weit.. Der Michel zerlegt sich selbst... landet irgendwann bei Haldol und Fernsehen in der 5 jährigen 'Kurz'zeitpflege... bei den osteuropäischen Fachpflegekräften , nachdem das EIgenheim verramscht wurde... dement, sabbernd ein Ärgerniss für die umliegenden Stadtbewohner.. Wir sind so sapiens! Karriere? Ja allein bitte...
Das ist keine typische deutsche eigenschaft sondern eine menschliche. Das können sie durchweg in der ganzen geschichte der menschheit beobachten.
jakam 25.08.2014
5.
Ich bitte nach wie vor alle Kritiker des Mindestlohns, mal ein paar Monate für diese lächerliche Restnettosumme zu arbeiten und mal zu sehen, wie "menschenwürdig" man damit existieren kann. Ich kann es nicht mehr hören, solange es Leute gibt, die in einer Woche mehr Einnahmen haben, als manch anderer in seinem ganzen Leben, solange stimmt das Gleichgewicht nicht. Diese Gier der "nach-oben-Verteiler" ist widerlich - aber was machen wir? Wir schreiben stets nur darüber, aber getan wird - wie immer - nichts. Bin des Themas leid...
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