Statistik Armutsrisiko in Deutschland liegt unter EU-Schnitt

Fast jeder sechste Bundesbürger gilt als von Armut bedroht - dennoch schneidet Deutschland im EU-weiten Vergleich besser ab als der Durchschnitt. Noch wesentlich geringer ist der Anteil der Armen jedoch in einem östlichen Nachbarland.

Als Clown verkleideter Bettler in Madrid: Spanien liegt im EU-Armutsvergleich vorn
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Als Clown verkleideter Bettler in Madrid: Spanien liegt im EU-Armutsvergleich vorn


Hamburg - Die Einkommensungleichheit in der Bundesrepublik hat in den letzten Jahren abgenommen, dennoch ist Armut in Deutschland weiterhin weit verbreitet: Etwa jeder sechste Einwohner (15,8 Prozent) galt 2010 als arm oder armutsgefährdet. Das waren 1,1 Prozentpunkte weniger als der EU-Mittelwert, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Das Einkommen des obersten Fünftels der Menschen in Deutschland war viereinhalbmal so hoch wie das des untersten Fünftels. Damit ging hier die Einkommensschere nicht so weit auseinander wie im EU-Schnitt, wo dieser Wert bei 5,1 lag.

Armutsgefährdung beginnt in Deutschland für einen Single bei weniger als 952 Euro Einkommen im Monat. Arm oder von Armut bedroht ist nach der EU-Definition, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung eines Landes zur Verfügung hat - staatliche Leistungen inklusive. In Rumänien liegt diese Armutsschwelle bei 105 Euro im Monat für einen Alleinlebenden und ist damit die niedrigste in der EU - gefolgt von Bulgarien mit 145 Euro. Spitzenreiter ist Luxemburg mit 1626 Euro, gefolgt von Dänemark mit 1319 Euro. Die Messung von relativer Armut ist unter Experten allerdings umstritten, weil sie nichts darüber aussagt, was sich Menschen mit ihrem Einkommen tatsächlich leisten können.

Die niedrigste Armutsgefährdungsquote innerhalb der EU hatte Tschechien mit 9,8 Prozent. Auch die anderen Nachbarländer Deutschlands schnitten - mit Ausnahme Polens - besser ab als die Bundesrepublik. In den Niederlanden waren 11,0 Prozent, in Österreich 12,6 Prozent und in Dänemark 13,0 Prozent von Armut bedroht. In Frankreich galten 14,0 Prozent als arm. In Luxemburg 13,6 und in Belgien 15,3 Prozent. In Polen waren dagegen 17,7 Prozent von Armut bedroht.

Die meisten Armen gab es nach der Definition in Bulgarien, Rumänien, Spanien und Griechenland. In diesen Ländern war mehr als jeder Fünfte von Armut bedroht. Gerade in den Euro-Krisenländern hat sich diese Quote innerhalb eines Jahres deutlich verschlechtert: In Spanien um 1,1 Punkte auf 21,8 Prozent, in Griechenland um 1,3 Punkte auf 21,4 Prozent und in Italien um 1,4 Punkte auf 19,6 Prozent. In Kroatien, das im Juli der EU beitritt, waren 21,1 Prozent der Einwohner von Armut bedroht, in Zypern nur 14,5 Prozent.

Die Einkommensunterschiede waren in den Ländern mit vielen armen Menschen besonders groß. In Spanien war die Ungleichheit mit 6,8 am größten, gefolgt von Lettland und Bulgarien. Am besten schnitten Slowenien und Tschechien ab.

ade/dpa

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nettermensch 27.03.2013
1. Da wird
sicher bald noch mehr dafüer getan werden, um den Schnitt zu ereichen, oder gar über den Schnitt der EU zu kommen.
zwuck 27.03.2013
2. ich nehme mal an ...
... auch dieser Bericht, auf dessen Zahlen sich der Artikel stützt, lag schon bei Herrn Rösler auf dem Tisch? Mit "Armutsberichten" ist das wie mit der mittlerweile berühmten klemmenden Weiche in Pirmasens ...
thorsten wulff 27.03.2013
3. Da rufe ich
allen anderen von Altersarmut bedrohten Kindern der 60er zu: Auf nach Tschechien!
sotomajor 27.03.2013
4. ach, uns geht`s ja noch Gold
Wenn einer sagt uns gehts noch gut, hat er die Absicht noch mehr Einschnitte abzuverlangen. Wir haben den größten Abbau von Demokratie, von Sozialen, von Rechten der Menschen, zum Zwecke des vereinten Europa. Ich erkenne den Machtanspruch und sehe das Grinsen der Gesichter dahinter, das Volk verliert jedoch immer mehr !
NilsOle 27.03.2013
5. wirklich schwachsinnige Definition
Bei aller Liebe hat ein armer Deutscher weiß Gott weniger Sorgen als ein armer Osteuropäer. Wenn ein Fünftel der rumänischen Bevölkerung weniger als 105 € im Monat zur Verfügung hat, dann ist das weitere Fünftel mit vielleicht weniger als 500 € im Monat auch nicht in der Lage große Sprünge zu machen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Lebenshaltungskosten dort nicht so bedeutend geringer sind als man vielleicht annehmen würde. Zumindest Lebensmittel kosten annähernd das gleiche wie bei uns. Mit Tschechien will ich bei der Definition dann trotzdem nicht tauschen. Wo dort die Armutsschwelle liegt wurde ja nicht geschrieben, aber bei vielleicht 500 € würde ich da auch nicht zu stolz sein. Alles sehr relativ...
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