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Umstrittener Vorschlag: Asmussen rät Griechenland zu Schuldenrückkauf

Griechenland muss dringend seine Schuldenquote drücken. EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen schlägt dem Land vor, sich Geld zu leihen, um damit Altschulden günstig zurückzukaufen. Doch dieser Umschuldungsplan hat Tücken.

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen: Vorschlag mit mehreren Haken Zur Großansicht
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EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen: Vorschlag mit mehreren Haken

München - Mit einfachen Lösungen ist in der Schuldenkrise Griechenlands nicht mehr voranzukommen. Dafür wartet nun EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen mit einem trickreichen Vorschlag auf, wie das Land seine Schuldenquote drücken könnte. Die Regierung in Athen könne mit geliehenem Geld eigene Staatsanleihen auf den Finanzmärkten zurückkaufen, sagte Asmussen der "Süddeutschen Zeitung". Damit würde die hohe Schuldenquote sinken. Das wiederum gilt als Voraussetzung dafür, wieder Zugang zu privaten Kapitalgebern zu bekommen.

Vereinfacht gesagt könnte das Vorgehen laut Asmussen so aussehen: Derzeit werden griechische Schuldtitel auf den Finanzmärkten weit unter ihrem Nominalwert gehandelt. So müsste die Regierung in Athen zum Beispiel für Anleihen, die mit einem Nominalwert von 100 Euro ausgegeben wurden, inzwischen einen deutlich niedrigeren Kurswert von beispielsweise 50 oder 70 Euro bezahlen. Durch den Rückkauf der alten Schulden zu einem geringeren Wert würde die Schuldenquote sinken.

Verkäufer der Anleihen könnten vor allem private Gläubiger wie Banken und Hedgefonds sein, die griechische Schulden im Wert von etwa 100 Milliarden Euro halten. Diese Gläubiger würden zwar Einbußen erleiden, wenn sie die Anleihen günstiger verkaufen, zugleich entgingen sie aber der Gefahr, dass Griechenland pleite geht und sie ihr Geld komplett verlieren. Deshalb stoßen sie die Anleihen, für die sie derzeit kaum Käufer finden, womöglich gern an den griechischen Staat ab.

Der Plan dürfte weniger Entlastung bringen als erhofft

Derzeit zeichne sich ab, "dass die griechische Staatsverschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2020 deutlich über jenen 120 Prozent liegen wird, die bisher angepeilt sind", sagte Asmussen. "Daher muss man sich Elemente überlegen, um sich diesem Zielwert zu nähern."

Der Plan mit dem Schuldenrückkauf hat allerdings mehrere Haken: Der echte Entlastungseffekt dürfte gering sein. Denn ab dem Zeitpunkt, an dem der Rückkauf der Anleihen durch Griechenland bekannt wird, dürften die Kurse für die Staatstitel wieder nach oben schnellen. Auch ließ Asmussen offen, woher das Geld für die Aktienrückkäufe eigentlich kommen solle. "Ganz klar: Die EZB kann einen solchen Schuldenrückkauf nicht durchführen, das wäre Sache des griechischen Staates", sagte er.

Auch Geld aus dem Rettungsschirm ESM für ein solches Programm könnte bei etlichen EU-Regierungen auf Kritik stoßen. Denn dies käme einer - laut EU-Vertrag verbotenen - Staatsfinanzierung gleich. Die Bundesregierung ist laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" nicht bereit, Geld aus den Rettungstöpfen ESM und EFSF für eine Umschuldung Griechenlands bereitzustellen. Die Gedankenspiele der EZB seien unrealistisch, zitierte die Zeitung aus Regierungskreisen. "Die Bundesregierung plant keine neuen Instrumente für den EFSF und ESM."

Asmussens Vorstoß ist zudem nicht neu. Die griechische Regierung hatte einen solchen Schuldenrückkauf in den Verhandlungen immer wieder ins Spiel gebracht. Asmussen sagte, es gebe auch eine Reihe weiterer Instrumente, über die man nachdenken könne.

mmq/Reuters/dpa-AFX

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insgesamt 87 Beiträge
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1. Das Lügengebäude um eine Etage
Baikal 12.10.2012
erhöhen - Asmussen weiß schon, wie er seinen Freunden an den Börsen einen schnellen Profit zuschustern kann.
2. Auch so ein Goldmann?
winfired 12.10.2012
Die ewiglichen Schläge, als Rat getarnt!
3. Plan?
spmc-131876273765334 12.10.2012
Zitat von sysopREUTERSGriechenland muss dringend seine Schuldenquote drücken. EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen schlägt dem Land vor, sich Geld zu leihen, um damit Altschulden günstig zurückzukaufen. Doch dieser Umschuldungsplan hat Tücken. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/asmussen-erwaegt-schuldenrueckkauf-durch-griechenland-a-861069.html
Weiter Schulden machen um alte Schulden zu begleichen? Solange das Geld für den Aufkauf nicht geschenkt wird, ändert sich an der Verschuldung nichts. Würde man mit diesem Plan als Privatperson zu einer Bank gehen, wäre das Gelächter groß.
4. Das Spiel mit dem Feuer …
Dr.pol.Emik 12.10.2012
… abgesehen davon, dass die privaten Gläubiger wohl wenig Lust verspüren jetzt mit Verlust zu verkaufen, dürfte es abermals ein falsches Signal sein. Zugegeben, dieses Ponzi-Geldsystem muss am Ende ohnehin kollabieren, das ist mathematisch so vorherbestimmt. Schön wäre es gewesen, hätte Asmussen einmal von der Guthabenkrise geredet … so wie hier in dieser Fiktion: QPress | Schuldenkrise eskaliert, jetzt auch noch *Guthabenkrise* (http://qpress.de/2011/12/05/schuldenkrise-eskaliert-jetzt-auch-noch-guthabenkrise/) … nur soviel Schneid bekommt keiner von den Offiziellen auf die Reihe, lieber marschiert man sehenden Auges weiter auf den Abgrund zu. Das einzig (wenig) tröstende daran wird sein, dass bis zum Domino-Day dann alle staatlichen Reserven verschossen sein werden, so dass das elend auch allumfassend sein wird. Griechenland wird stets nur die Speerspitze sein, also die Nation die zuerst wird richtig über die Klippe springen müssen. Die Reihenfolge der Klippenspringer ist ja hinlänglich bekannt … (°!°)
5. Asmussen, Nobelpreis
GuidoHülsmannFan 12.10.2012
Womit kauft denn Griechenland die Anleihen zurück? Vermutlich geht in Asmussens haarlosem Kopf vor, dass GR dafür Schuldverschreibungen aufnimmt. Öh, auf dem Markt nicht. Öh, bei der EZB Geld leihen? Und dann die GR-Anleihen aus der Bilanz der EZB aufkaufen? Und wenn die Preise "steigen", so wie der Artikel suggeriert, dann einfach mehr Geld bei der EZB leihen und GR der EZB kaufen.
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